Ein Hotel für den Walgau

Mitten im Tourismusland Vorarlberg gibt es eine große Talschaft ohne Hotel – noch.
Ludesch. „Im Idealfall könnte Ludesch so zu einem tollen Hotel- und Geschäftsobjekt kommen“, glaubt Bürgermeister Dieter Lauermann an eine historische Chance für die Walgau-Gemeinde. Denn unglaublich, aber real ist, dass in der nach dem Rheintal größten Talschaft des Landes kein einziges Hotel zu finden ist. Und dabei wäre Bedarf gegeben – da ist sich auch der Bürgermeister von Nenzing, Florian Kasserroler, sicher. In seiner Gemeinde ist auch der vorerst letzte Versuch, ein Hotel zu etablieren, zu besichtigen: Im ehemaligen Hotel Marmota am Ortsrand von Nenzing finden heute Leiharbeiter Unterkunft.
„Der Erste, der ein Hotel in den Walgau bringt, soll es bauen. Wir haben auf jeden Fall Bedarf“, sagt Kasseroler auf VN-Anfrage. Aber er verneint entschieden, dass es neben dem Projekt in Ludesch derzeit ein weiteres in seiner Gemeinde gebe. Vor circa eineinhalb Jahren habe er das letzte Gespräch in diese Richtung geführt. Seit damals habe er nichts mehr von den damaligen Interessenten – dem Vernehmen nach eine Investorengruppe aus der Schweiz – gehört. Im Gespräch war vor eineinhalb Jahren ein Standort beim Wirtschaftspark der Gemeinde, der verkehrstechnisch günstig liegt und der an den geplanten Kreisverkehr angeschlossen werden könnte.
Projekt in Ludesch hat Chancen
Um einiges konkreter ist das Projekt in Ludesch: Die in Nüziders beheimatete Firma Primus Immobilien prüft und analysiert derzeit die Nutzungsmöglichkeiten verschiedener Liegenschaften in der Gemeinde Ludesch, so einer der Gesellschafter, der Bludenzer Anwalt Patrick Piccolruaz, gegenüber den VN. Favorisiert wird aber ganz klar das Gelände beim Biomasseheizwerk im Zentrum des Orts. Eine Option, die auch auf das Wohlwollen der Gemeindevertreter trifft: Bei der letzten Sitzung des Gremiums gaben die Vertreter der Listen „Gemeinsam für Ludesch“ und der „Liste Lutz“ einstimmig grünes Licht für die weitere Projektierung: Bis zum Jahresende 2014 wird das Gelände reserviert. Das Grobkonzept, das von Architekt Reinhold Hammerer und Bauunternehmer Philipp Tomasselli, ebenfalls Gesellschafter der Primus Immobilien, präsentiert wurde, stimmte jedenfalls zuversichtlich. Die Entwicklung soll zusammen mit den Grundstückseigentümern, in diesem Fall der Gemeinde, der Agrargemeinschaft und privaten Besitzern erfolgen.
Das Hotel wird kein Solitär sein. Der Gebäudekomplex soll Wohnungen, Geschäftsflächen und Bürorräumlichkeiten enthalten. Sogar die Unterbringung des Feuerwehrgerätehauses ist angedacht.
Machbarkeitsstudie in Arbeit
Bei aller Euphorie stellt Piccolruaz aber klar: Das Projekt hat keinen touristischen Hintergrund, es geht um ein Business-Hotel im Walgau. Und: „Ludesch ist nicht Wien, wenn es um die Umsetzung eines Hotelprojekts geht.“ Die Investitionen müssen sich rechnen, eine Machbarkeitsstudie wird erarbeitet.
Bisher haben es Besucher der großen Betriebe, die im Walgau angesiedelt sind, nicht wirklich leicht. Das nächste Hotel ist das Schlosshotel Dörflinger in Bludenz, das Thaleu in Bürserberg oder die Hotels in Feldkirch. „Viele Geschäftskunden wohnen auch im Montafon“, weiß der Nenzinger Bürgermeister Florian Kasseroler um die Not an entsprechender Infrastruktur.
Primus Immobilien
Gesellschafter
» Karl Gabriel Immobilien (40 %)
» P&M Immobilien- und Vermögenstreuhand GmbH (60 %)
Firmensitz: Nüziders
Tätigkeit
» Immobilienhandel
» Immobilienentwicklung