„Die Naturkatastrophen werden weiter zunehmen“

Die Wiener Städtische ist in Vorarlberg gegen den Branchen-Trend gewachsen.
Bregenz. Das Jahresergebnis der Wiener Städtischen Versicherung in Vorarlberg ist äußerst erfreulich. Fast 60 Millionen an direkt verrechneten Prämieneinnahmen wurden erwirtschaftet, ist der Landesdirektor der Versicherung, Burkhard Berchtel, im Gespräch stolz auf das Ergebnis und natürlich die tüchtigen Mitarbeiter. Das Prämienplus von 4,2 Prozent liegt eindeutig über dem Mitbewerb.
Wachstumstreiber waren die Schaden-/Unfallsparten, hier wurde ein Zuwachs von 9,1 Prozent erzielt. Und auch die Krankenversicherung entwickelte sich prächtig: 7,5 Prozent Steigerung. Lediglich die Lebensversicherung blieb, so Wiener-Städtische- Generaldirektor Robert Lasshofer, nicht nur in Vorarlberg, sondern in ganz Österreich, hinter den Erwartungen zurück: „Die Einmalerläge waren im vergangenen Jahr aufgrund von Gesetzesänderungen mit verlängerten Mindestbindefristen stark rückläufig.“ Inzwischen erhole sich die Sparte aber. In Vorarlberg etwa mit einem Plus von 7,1 Prozent im ersten Quartal 2013.
554 Wetterschäden
Langfristig Sorgen macht Lasshofer die Wetterentwicklung: „Wir müssen damit rechnen, dass die Naturkatastrophen mehr werden.“ Schon in den vergangenen Jahren sind die Wetterschäden kontinuierlich gestiegen. In Vorarlberg wurden im Jahr 2012 554 Wetterschäden gemeldet, vor allem die Sturm- und Hagelschäden sowie die Schäden durch Schneedruck sind stark gestiegen. Das zeigt sich auch in den Auszahlungen, die sich im Vergleich zum Vorjahr mit fast 700.000 Euro beinahe verdoppelt haben. Man werde die Entwicklungen wissenschaftlich beobachten und daraus die entsprechenden Schlüsse ziehen. Zum Beispiel könnte es eine Erhöhung der Prämien geben, so Lasshofer, weil inzwischen auch die Rückversicherer bei Naturkatastrophen vorsichtig geworden seien. „Es sind nicht so sehr die großen Katastrophen, sondern die vielen kleinen“, präzisiert Lasshofer und beschreibt, was sich sonst noch geändert hat: „Wenn früher eine Mure in Bewegung geriet, betraf es einen Heustadel, heute steht an dieser Stelle ein Viersterne-Hotel.“
Vorsorge bleibt großes Thema
Eine ähnlich problematische Entwicklung wie im Klimabereich orten Lasshofer und der Leiter der Vorarlberger Landesdirektion, Burkhard Berchtel, bei der Vorsorge. Hier fehle es einfach am Bewusstsein. Lasshofer: „Es ist den Menschen schwer zu vermitteln, dass sie sich um die Vorsorge kümmern müssen“. In diesem Zusammenhang spricht der Generaldirektor sogar von „Unterhaltspflicht für Eltern“, die genauso wichtig sei, wie die Unterhaltspflicht für Kinder. Trotz der schwierigen Bedingungen werde man dranbleiben an der Vorsorge, unter anderem mit neuen Produkten wie der Berufsunfähigkeitsversicherung. Landesdirektor Berchtel: „Eine Versicherung für das Auto und sogar fürs Fahrrad ist für viele selbstverständlich. Aber die Notwendigkeit der eigenen Existenz-Absicherung ist vielen nicht ausreichend bewusst.“
Erfolgreiches Jahr
Entwicklung 2012 in Vorarlberg
» Prämieneinnahmen: 59,12 Mill. Euro
» Prämienwachstum: +4,2 Prozent
Schaden-/Unfallversicherung:
» Prämien: 28,29 Mill. Euro
» Wachstum: + 9,1%
Krankenversicherung
» Prämien: 9,96 Mill. Euro
» Wachstum: +7,5 %
Lebensversicherung
» Prämieneinnahmen: 20,90 Mill. Euro (-3 %)
Leistungen bei Schadensfällen:
» 43,46 Mill. Euro (2011: 32,9 Mill.)
Mitarbeiter: 85, 5 Lehrlinge
Kunden in Vlbg.: 40.000