Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Offenlegung mit zweierlei Maß

Markt / 03.07.2013 • 21:30 Uhr

Mit Managergehältern lässt sich Politik machen. Es gibt wohl keine Partei und keine Interessengruppe, die nicht absolute Transparenz bei den Unternehmensführern fordert, die nicht offengelegt haben will, was die Topkräfte an Grundgehalt, an Boni und sonstigen Vergünstigungen erhalten. Und wenn sie wollten, könnten sie diese Informationen schon heute aus den Geschäftsberichten der Aktiengesellschaften erfahren.

Der Chef des Dornbirner Lichtkonzerns, Harald Sommerer, legt jetzt nochmals nach. Er hat sich entschieden, für Mitarbeiter und Aktionäre gläsern zu werden und hat für den heftig von der Konjunkturkrise gebeutelten Leuchtenhersteller ein neues, leistungsorientiertes Vergütungssystem installiert, das keine Fragen offen lässt. Entwickelt wurde dieses TransparenzSystem übrigens vom Hörbranzer Univ.-Prof. Dr. Ernst Fehr, der in Zürich lehrt und immer wieder als Kanditat für den Wirtschaftsnobelpreis gehandelt wird.

Überzogene Boni gehören abgeschafft, sicher. Aber dass sie überzogen sind, erfahren wir, weil sie transparent sind. Auch in der Politik gibt es Beispiele für Transparenz. Auch wenn die Amerikaner derzeit vor allem als Geheimniskrämer und Dunkelmänner im Eck stehen – bei der Offenlegung ihrer Gehälter müssen die US-Politiker längst die Hosen runterlassen. Und ihre Angaben werden auch kontrolliert.

In Österreich und damit auch in Vorarlberg gehen die Uhren anders. Lange wurde diskutiert, ob überhaupt und wenn ja, was Politiker offenlegen sollen. Und nun der große Wurf – jeder Volksvertreter ist angehalten, alle Einkünfte anzuführen, auf dass die Wähler wissen, aus welchen Quellen außer der des Staates er noch Salär bezieht. Weil es bei uns selbstverständlich nur lautere Politiker gibt, wurde auf Kontrollen und Sanktionen verzichtet. Es wird schon stimmen, was die Damen und Herren Abgeordneten veröffentlichen, wird angenommen. Klar – die Rahmenbedingungen wurden von den Betroffenen selbst geschaffen. Damit ist die große Transparenz-Offensive, die ja auch der Politikverdrossenheit der Wähler entgegenwirken soll, auf halber Strecke stecken geblieben.

Würde die Wirtschaft eine solche „Selbstkontrolle“-Lösung für Managergehälter vorschlagen, das politische Geheule wäre groß. Die Politik verspielt wieder einmal eine Chance, das eigene Image zu heben und vor allem die eigene Glaubwürdigkeit zu stärken. Schade um eine verpasste Chance.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862