„Festspielsekt ist schon ausverkauft“

Markt / 22.07.2013 • 21:07 Uhr
Schlumberger-Chef Kranebitter: „Beim Sekt gibt es keinen Produktpatriotismus. Dabei können wir uns mit den Besten messen.“ Foto: VN/Hofmeister
Schlumberger-Chef Kranebitter: „Beim Sekt gibt es keinen Produktpatriotismus. Dabei können wir uns mit den Besten messen.“ Foto: VN/Hofmeister

Mehr Beachtung für österreichischen Sekt wünscht sich Eduard Kranebitter.

Schwarzach. Jahrelang war Eduard Kranebitter in Sachen Schokolade unterwegs. Der gebürtige Tiroler arbeitete an führender Stelle bei Suchard in Bludenz, bevor er zu Schlumberger wechselte. Auch wenn mit dem Unternehmensnamen vor allem der noble Perlwein verbunden wird – das Tätigkeitsfeld des Vöslauer Unternehmens ist weit breiter, als gemeinhin angenommen wird: Mehrere Schaumweinmarken (Goldeck, Hochriegl), die beliebtesten österreichischen Kräuterbitter Gurktaler und Rossbacher, edle Brände und ein ganzer Bauchladen mit den bekanntesten internationalen Spirituosenmarken sowie Weingütern. „Wir haben auch im Bereich der nichtalkoholischen Getränke ein starkes Angebot“, verweist Kranebitter im Gespräch mit den VN auf die Marktposition Schlumbergers.

In den Bundesländern arbeite man eng mit dem Getränkegroßhandel zusammen, wobei Marketingmaßnahmen von Schlumberger den Vertrieb unterstützen. Und da hat Kranebitter Wünsche und Pläne: „Bei der Vermarktung von österreichischem Wein sind Handel und Gastronomie Spitze“, lobt er. „Doch beim Sekt gibt es enormen Nachholbedarf. Da gibt es kein Bewusstsein, keinen Patriotismus“, klagt er über die Prosecco-Flut, die vor allem Westösterreich überschwemme.

Sekt oder Prosecco?

Neben mangelndem Produktwissen vermutet Kranebitter aber auch ganz andere Gründe hinter der Liebe der Westösterreicher zum italienischen Sprudel. „Das Wort Prosecco klingt einfach besser als Sekt.“ Deshalb habe man den „White Secco“ geschaffen, einen leichten Sekt, der vor allem dem weiblichen Geschlecht mundet – und den Schweizern. „Dort haben wir mit damit einen echten Hit gelandet“, freut sich der CEO über den Verkaufscoup in einem der anspruchsvollsten Weinmärkte Europas.

Um die Gastronomie auf den österreichischen Geschmack zu bringen, hat Schlumberger jetzt viel Geld in die Hand genommen. Die Topcuvee DOM kommt in einer neu designten Flasche, die es nur in Toprestaurants zu ordern gibt. „Die Entwicklung hat uns rund eine Million Euro gekostet.“ Und durch die Zusammenarbeit mit den Tourismusschulen hofft Kranebitter auf die entsprechenden Empfehlungen in Österreichs Gaststuben – zumindest in Zukunft.

Keine Empfehlung braucht hingegen der „Bregenzer Festspielsekt“, der im Rahmen des Sponsorings durch den Sekthersteller eigens für die Gastronomen in und um Bregenz kreiiert wurde: „Wir sind ausverkauft, wir können derzeit keinen Nachschub liefern“, weiß Kranebitter nicht, ob er sich freuen oder ärgern soll über den Verkaufserfolg.

Schlumberger-Fakten

» Generaldirektor:
CEO Eduard Kranebitter

» Umsatz: 209,9 Mill. Euro

» EBIT: 4,4 Mill. Euro (2012)

» Mitarbeiter: 223

» Export: 33 Prozent, in 41 Länder

» Dividende: 0,58 Euro pro Aktie

» Marken: Schlumberger, Hochriegl, Goldeck, Gurktaler, Rossbacher, im Handel: P. M. Mounier – Vertretung zahlreicher renommierter Spirituosen- und Weinproduzenten in Österreich.