„Zu schade für den Wahlkampf“

Markt / 23.07.2013 • 21:04 Uhr
Egon Blum schlägt Alarm: Während mit der Lehre Politik gemacht werde, sinke das Image weiter in die Tiefe – mit fatalen Folgen. Foto: VN/Gasser
Egon Blum schlägt Alarm: Während mit der Lehre Politik gemacht werde, sinke das Image weiter in die Tiefe – mit fatalen Folgen. Foto: VN/Gasser

Egon Blum fürchtet, dass die duale Ausbildung unter die „Wahlkampfräder“ kommt.

Schwarzach. Als Bundeskanzler Werner Faymann vergangenen Donnerstag bei seinem Firmenbesuch bei Doppelmayr verkündete, er wolle das Vorarlberger Lehrlingsmodell auf ganz Österreich ausweiten, mag sich mancher patriotische Vorarlberger gefreut und bestätigt gefühlt haben. Beim Erfinder des Modells, Egon Blum, schrillten die Alarmglocken: „Vorsicht Wahlkampf“, sagte sich der Ausbildungs­veteran und unermüdliche Kämpfer für die Lehre und warnt: ­„Faymann will den Vorarlberger Lehrlingsfonds. Aber unter anderen Vorzeichen.“ Die SPÖ forciere ein Modell, das die Lehre aus den Betrieben in überbetriebliche Aussbildungsstätten verlagere. Es brauche aber Betriebe, die ausbilden, und es brauche die Freiwilligkeit beim Fonds, betont er. Überhaupt vermutet der ehemalige Lehrlingsbeauftragte der Bundesregierung hinter der ganzen Diskussion weniger Ernsthaftigkeit, denn mehr Wahlkampfgetöse.

Insbesondere den Regierungsparteien wirft er sträfliche Vernachlässigung der dualen Ausbildung vor: Statt die Lehre aufzuwerten, habe man in den letzten Jahren alles getan, um sie weniger attraktiv zu machen. Der sogenannte Blum-Bonus und damit eine Prüfung zur Mitte der Lehrzeit wurden abgeschafft, „aus rein politischen Gründen“, wie er bitter vermerkt, „denn das waren Errungenschaften der Regierung Schüssel“. An vorderster Front habe der Vorarlberger ÖVP-Nationalrat Karlheinz Kopf daran mitgewirkt, die Lehre ins Image-Abseits zu manövrieren, sagt der ehemalige Leiter der Ausbildung bei Blum Beschläge in Höchst. Dass neben dem Image auch die Qualität der Ausbildung nachhinkt, sehe man am World-Skills-Ergebnis. Obwohl die Wirtschaftskammer-Generalsekretärin

Anna Maria Hochhauser nicht müde werde, zu verkünden, dass Österreich das zweitbeste EU-Land bei der Berufs-WM war, könne das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Österreich im Vergleich zur Schweiz bzw. früheren Wettbewerbern stark zurückgefallen sei. „Kein Wunder, wenn man nicht einmal in vier Jahren eine Zwischenprüfung für notwendig hält.“ Gegenüber 2008 bilden übrigens österreichweit 5000 Betriebe weniger aus (derzeit 35.000), der Rückgang der Lehrlinge sei höher als der demografische Rückgang, nämlich 13.220 Jugendliche weniger als 2008.

Lehre und Politik – Forderungen

 500 Euro Mindestentschädigung im ersten Lehrjahr

Gratis-Berufsmatura für Lehrlinge

Bestandene Meisterprüfung berechtigt zum Studium

Öffnung umgekehrt: Chance einer Lehrausbildung für Studienabbrecher oder im Zuge des beruflichen Wiedereinstiegs

20 Produktionsschulen (2000 Ausbildungsplätze)

Österreichweites Lehrlingscoaching + Pilotprojekt AusbildungsFit

Aufbau qualitätsbezogener Unterstützungsangebote

Überbetriebliche Lehrausbildung für alle Jugendlichen, die keine Lehrstelle in einem Betrieb erhalten

Einführung des Blum-Bonus Neu

Einsetzung von überparteilichen Lehrlingsbeauftragten auf Bundes- und Landesebene

Schaffung von 1000 zusätzlichen Ausbildungsplätzen im Bundesdienst

Steuerliche Bevorzugung von Betrieben, die Lehrlinge ausbilden

Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen unter 18 Jahren

Mehr überbetriebliche Ausbildungszentren (ÜAZ)

Lehrlings-Empowerment durch mehr lehrlingsspezifische Beratung und Anlaufstellen bei Problemen

Ausbau der Modularisierung in den Berufsschulen und den Berufsbildende mittleren und höheren Schulen

Ausbildungsgarantie mit Erfolgschancen für Lehrlinge

Lehre mit Berufsreifeprüfung

Lehrlingsoffensive in der technischen Facharbeiterausbildung

Förderung erfolgreicher Lehrlinge

Modell VEM

Alle Unternehmen der Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie (VEM), auch und gerade jene, die nicht ausbilden, zahlen „freiwillig“ ca. 2,4 Promille der Kammergrundumlage zusätzlich in einen Fonds ein, der die Nachteile ausbildender Unternehmen kompensiert. Dieser wird von der Fachgruppe selbst gemanagt. Auch die Mittelverwendung liegt ausschließlich im Kompetenzbereich der Fachgruppe. Über den Fonds werden neben dem Qualitätsbonus von ca. 4500 Euro pro Lehrling (nach absolviertem

Lehrlingsleistungswettbewerb im zweiten Lehrjahr) seit 1978 zusätzlich Image-, Schüler- und Lehrlingsprojekte mit großem Erfolg gefördert.

Mehr Informationen unter www.egon-blum.at