Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Eine Kur, die allen guttun würde

Markt / 02.10.2013 • 21:06 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz hat natürlich seine Berechtigung – daran will wirklich niemand rütteln. Sicherheit am Arbeitsplatz muss selbstverständlich sein. Und eine arbeitsmedizinische Begleitung ist für Chef und Arbeitnehmer wichtig. Das funktioniert, auch wenn die Umsetzung in kleinen Unternehmen ungleich schwieriger ist als in großen Industrieunternehmen.

Abgesehen davon, dass auch die Industrie ihre liebe Not mit Beauftragten, mit Vorschriften und der Bürokratie hat und unter den Kosten ächzt, erscheinen viele Vorschriften, die branchenübergreifend gelten, bei den kleinen Unternehmen als undurchführbar und oft absurd. Gestern beklagte der Obmann des Vorarlberger Handwerks, Bernhard Feigl, die Regulierungsflut und nannte als Beispiel die Evaluierung psychischer Belastungen, die seit heuer Pflicht ist. Eine Beurteilung, die natürlich von einer Fachperson und nicht vom „gemeinen Betriebsarzt“ durchgeführt werden muss. Wieder eine Fachkraft, die von den Unternehmen Geld will und sie auch Zeit kostet.

Das ist aber beileibe nicht die einzige neue Vorschrift für Unternehmen. Angesichts der Versprechungen von Politikern sowie der Beteuerungen der Sozialpartner, genau das Gegenteil zu tun – nämlich Bürokratie einzudämmen –, ist man geneigt, die Evaluierung psychischer Einflüsse am Arbeitsplatz dort zur Anwendung zu bringen, wo die Vorschriften erdacht werden.

Haben die Damen und Herren denn einen Zwang zur Vorschriften-Innovation? Fehlt ihnen der Umgang mit der echten Arbeitswelt? Brauchen sie eine Praxis-Therapie? Soll der Arzt (in diesem Fall die Politik) sie einfach auf eine längere Kur schicken? Das würde auch den Betroffenen guttun, die Firmen könnten sich dann etwas erholen.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862

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