Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Klug, mutig und unternehmerisch

Markt / 09.10.2013 • 21:19 Uhr

Jährlich gründen in Vorarlberg rund 1000 Menschen neue Unternehmen. Und die wenigsten davon sind Industrie­betriebe. Wer sich zur Selbstständigkeit entschließt, der ist – um es plakativ zu sagen – klug, mutig und unternehmerisch, denn sonst würde er es sein lassen, wie die meisten Österreicher, die laut Umfragen einer sicheren Anstellung den Vorzug geben. Am liebsten würden Herr und Frau Österreicher Beamte werden.

Es sind aber diese 1300 Menschen mit ihren Träumen, Plänen und Visionen, die unserer Wirtschaft die nötige Dynamik geben, die oft Arbeitsplätze schaffen, die Gemeinden, Land, Staat und Interessenvertretungen am Leben halten. Ihnen und knapp 99 Prozent der 20.000 aktiven Unternehmer in Vorarlberg gilt Dank und Bewunderung. Sie nehmen die Schwierigkeiten auf sich, die ihr Drang in die Unabhängigkeit mit sich bringt. Denn unabhängig ist man mitnichten, wenn man selbstständig ist. Schon als Ein-Personen-Unternehmen, die inzwischen über die Hälfte aller Wirtschaftskammer-Mitglieder stellen, kämpft man gegen die Bürokratie, muss sich hier wie dort gegen Gebühren wehren und muss beweisen, dass man wirklich selbstständig ist. Das kostet Kraft, die man fürs Unternehmen brauchen würde.

Und stellt man einen oder mehrere Mitarbeiter ein, dann beginnt die nächste Phase: Ein Wust von Vorschriften muss erst überwunden werden, bis die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter erstmals ihre Aufgabe wahrnehmen können. Ob die Vorschriften alle erfüllt werden, wird übrigens von jenen Österreichern überprüft, die ihren Lebensplan, nämlich Beamter zu werden, erfüllen konnten.

Heute Abend werden beim VN-KMU-Preis „Vorarlbergs beste Klein- und Mittelbetriebe“ in der Hohenemser Otten Gravour zwölf Betriebe ausgezeichnet, deren Gründer all die Schwierigkeiten (zu welchen auch die Finanzierung zählt, die zunehmend schwieriger wird) in Kauf genommen haben, um ihren Traum vom Unternehmen wahr zu machen. Die Gewinner und alle, die an dem Wettbewerb teilgenommen haben, stehen stellvertretend für das Gros der Vorarlberger Firmen, die unserem Standort die nötige Basis geben. Ihnen gebührt der Respekt für ihre Leistung. Und Respekt heißt auch, dass ihnen unnötige Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Für Politiker heißt das: nicht nur Lippenbekenntnisse beim Bürokratieabbau, sondern Maßnahmen, die es den Unternehmen ermöglichen, sich ihrem Plan, ihrer Aufgabe zu widmen. Denn das nützt allen in unserem Land.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862