Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Die große Show der Verhandler

Markt / 16.10.2013 • 21:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Jedes Jahr dasselbe Ritual: Mit Säbelrasseln verkünden Arbeitgeber- wie Arbeitnehmer-Vertreter, was sie sich von einem neuen Kollektivvertrag erwarten. Oder sie sagen gar nichts, schweigen und verunsichern die Gegenseite. Psychologische Kriegsführung auf Wirtschaftsebene. Und sie denken sich jedes Jahr neue Forderungen aus, die vom Gegenüber keinesfalls akzeptiert werden können.

So verzeihen die Gewerkschafter der Metallindustrie dem früheren Unternehmerverhandler Christoph Hinteregger bis heute nicht, dass er die Sitzordnung für die Verhandlungen geändert hat. Ein „No-Go“, das fast zu einem Abbruch der Verhandlungen geführt hat und heute noch in Gewerkschaftskreisen für Empörung sorgt. Auch heuer haben sich die Unternehmer, die nach Hinteregger wieder einen Vorarlberger zum Verhandlungsführer wählten – nämlich den Hohenemser Industriellen Johannes Collini – wieder etwas einfallen lassen. Sie wollen für die sechs Fachverbände auch heuer eigene Verhandlungen. Früher wurde aber für alle zusammen verhandelt, und das wollen die Arbeitnehmer-Vertreter auch in Zukunft wieder. Bislang ohne Erfolg. Um noch eins draufzugeben, haben die Unternehmer mit ihren Vorstellungen von einer Lohnerhöhung für einen Abbruch der Verhandlungen gesorgt.

Jetzt stehen Streikdrohungen im Raum, auch bei Collini in Hohenems soll protestiert werden. Die Verhandlungen haben für Außenstehende einen gewissen Unterhaltungswert, sicher. Sie widersprechen jedoch allen Versprechungen der „Sozialpartner“, endlich konstruktiv, zügig und fair miteinander umzugehen. Ein neuer Stil ist das nicht. Die große Show, die die Vertreter beider Seiten für ihre Klientel aufführen, geht auch heuer weiter. Mit all den negativen Begleiterscheinungen, die jedes Jahr nach Abschluss der scheinbar ewig dauernden Verhandlungen beklagt werden.

Klar will man sehen, dass sich die Verhandler entsprechend für ihre Mitglieder in die Schlacht werfen. Man will sich aber weder als Arbeitnehmer noch als Arbeitgeber vorführen lassen. Und für den Standort wären zügige Verhandlungen ohne Schaukämpfe sowieso besser – demonstriert man damit doch Kompetenz und Zielstrebigkeit. Das geht. Die Verhandler der Handelsbranche jedenfalls wollen spätestens nach vier Runden einig sein. Das ist in der Brauindustrie bereits gelungen: Dort wurde mit 2,7 Prozent abgeschlossen. Ein Ergebnis, das wohl so ähnlich in der Metallindustrie „erstritten“ wird.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862

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