Steuerreform: Wenn alle (fast) das Gleiche wollen

Kalte Progression mag niemand. Doch bei der Gegenfinanzierung gibt es Unterschiede.
Schwarzach. In der vergangenen Woche präsentierten Interessenvertretungen und Parteien ihre Vorstellungen für eine Steuerreform. Diese gehen in vielen Bereichen konform (siehe Factbox unten): Zum Beispiel bei der Senkung der Lohnsteuer. Egal ob Unternehmerverbände oder Arbeitnehmervertretungen, alle haben in ihren Steuermodellen eine Senkung der Steuersätze vorgesehen. Statt der bisherigen 36,5 Prozent ist man sich einig, dass 25 Prozent angemessen sind. Das ist auch der Vorschlag der Wirtschaftsforscher und die Empfehlung der EU-Kommission. Auch bei der Staffelung der weiteren Steuersätze liegen alle Vorschläge eng beieinander.
Einigkeit bei einem Thema
Einig sind sich alle außer Finanzminister Michael Spindelegger bei einem Thema: Die kalte Progression, die dem Finanzminister ohne Steuererhöhung allein heuer 2,65 Mrd. Euro in die Kassen spült, ohne dass er am Abgabenrad drehen muss, soll abgeschafft werden. Einig sind sich fast alle darin, dass die Steuerreform jetzt sofort angegangen werden soll. Bei der Umsetzung haben es die schwarzen Bünde und Politiker nicht so eilig wie die anderen. Statt 2015 gehen dort die Wünsche in Richtung 2016 bis 2018 (!). Für Arbeiterkammer-Präsident Hubert Hämmerle ein No-Go: “Steuersenkung jetzt” ist seine und seines Kollegen Zangerl Forderung an den ÖAAB-Kollegen Spindelegger, der inzwischen relativ einsam gegen eine schnellere Reform ankämpft.
Fundamental sind die Unterschiede bei der Finanzierung der Reform: Während die Arbeitgeberseite geschlossen für eine Vermögensteuer plädiert, wollen Industriellenvereinigung, Wirtschaftsbund und Teile der ÖVP, Land Vorarlberg und FPÖ endlich die Verwaltungsreform umsetzen und damit große Summen lukrieren. Übrigens: Nicht nur Verbände, auch die Bürger halten die Zeit reif für eine Entlastung. Bei einer VN-Umfrage zu Wochenbeginn wünschten sich 79,22 Prozent eine rasche Steuerreform.
Steuern-Konzepte im Vergleich
Spitzensteuersatz
» SPÖ: Spitzensteuersatz 50 Prozent bleibt wie bisher bei Einkommensteilen über 60.000 Euro.
» Arbeiterkammer: ab 84.000 Euro 50 Prozent
» ÖGB: Anhebung der Bemessungsgrundlage (keine Prozentangabe)
» FPÖ: keine konkrete Angaben, fordert überparteiliche Arbeitsgruppe
» Wirtschaftsbund: k. A.
» Industriellenvereinigung: Komplettumbau des Steuersystems
Niedrige Einkommen
» SPÖ: Einkommen bis 11.000 Euro brutto sind wie bisher steuerfrei
» Arbeiterkammer: 0 bis 12.000 Euro steuerfrei
» ÖGB: bis 11.000 wie bisher steuerfrei
» FPÖ: bis 11.000 steuerfrei
» Wirtschaftsbund: wie bisher bis 11.000 Euro steuerfrei
» Industriellenvereinigung: k. A.
Kalte Progression
» SPÖ: abschaffen
» Arbeiterkammer: abschaffen
» ÖGB: abschaffen
» FPÖ: abschaffen
» Wirtschaftsbund: abschaffen
» Industriellenvereinigung: abschaffen, Komplettumbau des Steuersystems
Gegenfinanzierung
» SPÖ: Vermögenssteuer u. a.
» AK: Vermögenssteuer u. a
» ÖGB: Vermögenssteuer u. a
» FPÖ: Verwaltungsreform, keine Vermögenssteuer
» Wirtschaftsbund: Verwaltungsreform, freiwille Spenden von Vermögenden, keine neuen Steuern
» Industriellenvereinigung: Komplettumbau des Steuersystems, Verwaltungsreform
Einstiegssteuersatz
» SPÖ: ab Einkommen von 11.000 Euro brutto 25 Prozent
» Arbeiterkammer: 12.001 bis 30.000 Euro 20 Prozent
» ÖGB: keine Prozentangabe aber deutlich unter dem derzeitigen Steuersatz von 36,5 Prozent
» FPÖ: keine konkrete Angaben, fordert überparteiliche Arbeitsgruppe
» Wirtschaftsbund: ab Einkommen von 11.000 Euro brutto 25 Prozent
» Industriellenvereinigung: Komplettumbau des Steuersystems