Vorarlberger Textilien werden immer schlauer

Markt / 05.08.2014 • 22:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Günter Grabher im Labor von V-trion. Das Forschungsinstitut ist außerordentliches Mitglied der „Austrian Cooperative Research“. Fotos: V-trion  
Günter Grabher im Labor von V-trion. Das Forschungsinstitut ist außerordentliches Mitglied der „Austrian Cooperative Research“. Fotos: V-trion  

Technische Textilien erobern Automobil­industrie und Medizintechnik.

Hohenems. (VN-reh) Die Vorarlberger Textiler waren immer schon sehr kreativ. Auch bedingt durch die Strukturbereinigung mussten sich jene, die weitermachten, neue Märkte suchen. Dass jedoch technische Textilien einmal in Batterien, Karosserieteilen oder Leintüchern zum Einsatz kommen würden, war kaum absehbar. Heute werden rund 50 Prozent der in Europa produzierten Textilien nicht klassisch als Kleidung oder Möbelstoffe verarbeitet, sondern laufen in technische Bereiche wie Automobilindustrie, Medizintechnik, Bauindustrie, Luft- und Raumfahrt. Und auch die Vorarlberger Entwicklungen leisten dazu einen wesentlichen Beitrag. Werden doch mittlerweile geschätzte 40 Prozent der Umsätze in der Textilindustrie mit technischen Textilien generiert.

Jüngstes Projekt, das das Vorarlberger Textil-Forschungsinstitut V-trion gemeinsam mit dem Chemiefaserinstitut sowie Stickern und Unternehmen wie Fussenegger Textil, identec solutions oder mit der Wäscherei Berendsen entwickelt hat: Ein „schlaues Leintuch“ mit Feuchtigkeitssensoren, das meldet, wenn es nass ist. Zum Einsatz kommt dieses Hightech-Produkt in den nächsten vier Monaten im Pflegeheim Dornbirn. Ziel sei dabei klar die Serienfertigung, betont Günter Grabher von V-trion. Das Potenzial sei vorhanden, ist er überzeugt, nicht nur in Pflegeheimen, sondern genauso bei der Pflege zu Hause. „Mit dem Leintuch kann man auch die Temperatur messen und somit feststellen, ob sich ein Patient im Bett befindet oder nicht“, erklärte er den Vorteil bei beispielsweise Demenzkranken. Der Sensor sendet die entsprechende Information an die Handys der Angehörigen. Ebenfalls im medizinischen Bereich soll bald eine Bandage zur Anwendung kommen, die den Stand der Wundheilung anzeigt.

Das größte Potenzial sieht Grabher jedoch in der Automobilindustrie. Bereits verkauft werden tragende Karosserieteile aus Carbonfaser-verstärktem Kunststoff. Diese befinden sich bereits in Serienfertigung. Künftig sollen es aber anstelle von Carbon oder Glas Verbundwerkstoffe aus Naturfasern sein. Gerade ist ein Projekt dazu am Laufen, das ebenfalls vom Chemiefaserinstutut und V-trion begleitet wird. Mit dabei seien auch alle textilen Flächenhersteller aus Vorarlberg. Und Grabher erwartet sich davon viel.

Milliarden-Volumen

So sollen die technischen Textilien im Konsumgüterbereich, allen voran in der Automobilindustrie, bis 2020 österreichweit ein Volumen von fünf Milliarden Euro haben. Nicht nur bei den Textilern, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu zählen beispielsweise die Kunststoffverarbeiter, die die Textilien weiterverarbeiten. Allerdings nur, wenn es gelingt, die Technologie zu automatisieren, gibt Grabher zu bedenken. Denn sie müsse so billig sein, dass sie für Autos in größeren Serien infrage komme.

So kostet heute zum Beispiel ein Kilogramm Carbonfasern 100 Euro, Zielpreis müsse zehn Euro sein, so Grabher, der dafür aber auch reelle Chancen sieht. Vorteil der Vorarlberger sei ganz klar die Nähe der verschiedenen Firmen. „Das kann weltweit niemand bieten“, bringt es Grabher auf den Punkt. Ebenfalls im Test befindet sich übrigens gerade ein Batteriesystem für Elektromotoren, bei dem textilbasierte Elektroden zum Einsatz kommen. Im Frühjahr soll es einen ersten Prototyp geben.

Welche Bedeutung Vorarlberg im Bereich der technischen Textilien einnimmt, zeigt sich auch an der Tatsache, dass am 23. Oktober die weltweit größte Veranstaltung zu dem Thema in Bregenz stattfindet.

Das größte Potenzial gibt es in der Automobilindustrie.

Günter Grabher, V-trion
3D-Textilelektroden werden für leichtere und leistungsstärkere Batteriesysteme entwickelt. Zum Einsatz kommen sie z. B. in der Elektromobilität.   
3D-Textilelektroden werden für leichtere und leistungsstärkere Batteriesysteme entwickelt. Zum Einsatz kommen sie z. B. in der Elektromobilität.   

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