Ein Spiel mit beiden Händen

Markt / 14.11.2014 • 22:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Idee hinter Ambidextrie („Beidhändigkeit“) ist, dass Unternehmen nur dann erfolgreich agieren können, wenn sie zwei Managementdisziplinen unter einen Hut bringen: nämlich die Exploration einerseits und Exploitation andererseits. Exploration bedeutet das Erschließen neuer Geschäftsmodelle und Wachstumsfelder. Das verlangt Innovation, Flexibilität und das Zulassen von Fehlern. Exploitation hingegen meint die Perfektionierung des Bestehenden bei Optimierung der Kostenstruktur, etwa durch eine Verschlankung der Organisation.

Wie relevant dieses beidhändige Agieren für Unternehmen ist, zeigt ein Blick auf den Medien-, Einzelhandels- oder Energiesektor. Das Ablaufdatum der traditionellen Geschäftsmodelle ist in diesen Branchen offensichtlich. Angesichts dieser radikalen Umbrüche ist es für die betroffenen Unternehmen existenziell, die verbleibende Zeit zu nutzen. Hier gilt es, das Maximum aus dem Bestehenden herauszuholen und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle zu erproben.

Ambidextrie ist auch ein tragfähiger Leitgedanke für Unternehmen, deren Geschäftsmodell (noch) nicht fundamental bedroht ist. Unternehmen wie McDonald’s führen die Kombination von „Exploitation“ und „Exploration“ erfolgreich vor: Die Kernleistung bequemen und preisgünstigen Essens wird bis ins kleinste Detail ausoptimiert. Gleichzeitig exploriert die Restaurantkette erfolgreich entlang der Megatrends „verantwortungsvolle Ernährung“ und „Genussorientierung“. Auch im Ländle gibt es mit Alpla, Blum oder Doppelmayr eindrucksvolle Beispiele: Diese Unternehmen kombinieren nachhaltige Kosten- und Personalpolitik mit Produktinnovation und konsequentem Erschließen neuer Ländermärkte.

Führungskräfte sollten sich daher mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Gibt es auf meiner Managementagenda einen guten Mix aus explorativen und exploitativen Initiativen? Habe ich eine Mischung aus konsequenten Umsetzern und kreativ denkenden Querköpfen? Ist das Nebeneinander von Exploitation und Exploration noch in einer Einheit zu managen? Oder ist eine Trennung von Teams erforderlich?

Versiertes Management im Umfeld fundamentaler Unsicherheit verlangt gekonntes „Spiel mit beiden Händen“, jener der Exploration und jener der Exploitation. Für ein Unternehmen und ein Klavier gilt daher gleichermaßen: Nur wer es virtuos mit zwei Händen gleichzeitig bespielen kann, bringt es wirklich zum Klingen!

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Johannes Schneider ist Senior Manager bei Contrast Management-Consulting.
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