„Sehen und schätzen die Stärken des anderen“

Markt / 14.11.2014 • 20:39 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Wolfgang Sila (l.) und Andreas Rosa im Herzstück der Brauerei – dem Sudhaus. Dort werden bis zu acht Sude mit je 23.000 Liter Bier gebraut.  Fotos: VN/Hofmeister
Wolfgang Sila (l.) und Andreas Rosa im Herzstück der Brauerei – dem Sudhaus. Dort werden bis zu acht Sude mit je 23.000 Liter Bier gebraut. Fotos: VN/Hofmeister

Bludenz. Wolfgang Sila und Andreas Rosa haben im Feb­ruar das Ruder bei Fohrenburg übernommen. Im Interview sprechen sie über die Vorteile einer Doppelspitze, und welche Pläne sie mit der Brauerei verfolgen.

Sie haben im Februar die Geschäftsführung bei Fohrenburg übernommen. Wie ist die erste Bilanz ihrer Zusammenarbeit?

Sila: Hervorragend. Wir haben es sehr gut geschafft, dass wir die Aufgaben so aufteilen, dass nicht alles doppelt passiert. Jeder hat seinen Bereich und wir stimmen uns sehr gut ab.

Rosa: Wir haben eine ähnliche Gangart. Wir wollen die Mitarbeiter sagen lassen, wo der Schuh drückt. Und sie merken, dass bereits Veränderungen da sind.

Welche Vor- und welche Nachteile hat eine Doppelspitze?

Rosa: Man muss halt in der Kommunikation aufpassen. Dass man immer auf dem gleichen Level ist. Aber das ist nicht wirklich ein Nachteil. Ansonsten kann sich jeder auf seine Kernkompetenz konzentrieren.

Sila: Wir sehen und schätzen die Kompetenz des anderen. So kann jeder in seinem Bereich ohne lange Diskussionen arbeiten. Andreas hat schon tolle Vorarbeit geleistet, das hilft uns sehr.

Vom Braumeister und technischen Leiter zum Geschäftsführer. Was hat sich für Sie, Herr Rosa, verändert?

Rosa: Ich bin mir bewusst, dass ich das Unternehmen noch mehr nach außen präsentieren muss. Sonst habe ich im Vorfeld schon viele Sachen gemacht, wo ich üben und manche Dinge einleiten konnte. Das kommt mir jetzt unheimlich entgegen.

Wie viel Zeit haben Sie noch für Ihr Unternehmen, s’Fäscht?

Sila: Als erstes musste ich meine Mitarbeiter davon überzeugen, dass s’Fäscht nach wie vor mein Baby ist und auch bleiben wird. Das Schönste war, als ich ihnen mehr Verantwortung übergeben habe und sie mit der Aufgabe gewachsen sind. Ich starte kurz vor sechs Uhr morgens in Mäder und versuche dann bis zehn Uhr in der Brauerei zu sein. Das Wochenende ist dann wieder mehr s’Fäscht-lastig. Das lässt sich aber sehr gut verbinden und es wäre noch ein sehr großes Synergie-Potenzial da. Von der Logistik und dem Einkauf bis zum Verkauf, weil der Trend klar zum Vollsortiment geht.

Welche Schwerpunkte setzen Sie? Wo sehen Sie Fohrenburg positioniert?

Rosa: Der Schwerpunkt liegt sicher in der Qualität und der Innovation. Wir wollen uns weiterentwickeln und die Attraktivität des Produkts steigern. Mittelfristig wollen wir mit neuen Produkten und einer entsprechenden Ausstrahlung unsere Kunden begeistern. Es gibt sicher noch Potenzial in Vorarlberg, aber auch Tirol ist als Markt sehr wichtig.

Sila: Wir müssen froh sein, dass der Vorarlberger auch Vorarlberger Bier trinkt. Sonst gäbe es nicht vier Brauereien, die alle bestehen können. Unser Hauptziel ist aber bis nach Innsbruck gerichtet und im Export möchten wir speziell in Italien noch mehr Fuß fassen.

Wird die Luft bei den Innovationen nicht dünner? Man könnte ja sagen, es gibt schon fast alle Sorten an Bier.

Rosa: Wir sind heuer mit dem alkoholfreien Weizen gestartet und haben damit sehr viel Erfolg. Alkoholfreies Bier ist nicht mehr geächtet.

Sila: Auch das „kleine Jubiläum“ war ein wichtiger Erfolg. Dadurch haben wir dem Trend zu Spezialbier in kleinem Gebinde entsprochen.

Ein viel diskutiertes Thema sind die Bierpreise. Wann gibt’s die nächste Erhöhung?

Sila: Die Brauunion ist da der Vorreiter, die erhöhen am 1. Dezember. Das ist für uns im Land aber kein Thema, weil wir sehr saisonlastig sind. Wir können noch nicht definitiv sagen, was passieren wird. Frühester Termin für eine Erhöhung wäre der 1. Mai.

Wie sieht es mit den Rohstoffen generell aus? Was sind die wesentlichen Bierpreistreiber?

Sila: Preistreiber sind klar Personalkosten und der Fuhrpark, aber auch die neue Lebensmittelverordnung bedeutet einen enormen Aufwand. Solche Gesetze sind nicht wirklich hilfreich.

Wie finden Sie die Tatsache, dass der Radler jahrelang auf dem Vormarsch war, und so den Bierausstoß verringert hat?

Rosa: In den letzten zehn Jahren ist der Verbrauch in Vorarlberg gleich geblieben, aber nur weil der Radler dazu gekommen ist. Absolut gesehen ist die Bierproduktion zurückgegangen. Zurzeit sind die alkoholfreien Biere aber der Bereich, der Zuwachs bringt. Beim Radler ist die Spitze erreicht. Es kristallisiert sich heraus, dass der süße und saure Radler gut gehen. Alles andere ist lediglich „nice to have“.

Wie zufrieden sind Sie mit dem laufenden Geschäft?

Sila: Der Geschäftsverlauf war aufgrund der schwierigen Wintersaison und dem nicht vorhandenen Sommer bislang sehr durchwachsen. Uns fehlen da natürlich die Hektoliter, aber für die heurige Wintersaison sind wir sehr optimistisch. 2015 wird sicher ein tolles Jahr für die Fohrenburg.

Wir haben große Pläne. Es ist zwar noch zu früh, um darüber zu reden, aber man darf sich freuen.

Wolfgang Sila
Andreas Rosa und Wolfgang Sila erklären die wichtigsten Prozesse beim Bierbrauen.
Andreas Rosa und Wolfgang Sila erklären die wichtigsten Prozesse beim Bierbrauen.

Kennzahlen

» Standort: Bludenz

» Umsatz 2013: 20,45 Mill. Euro (-2,9%)

» Bierausstoß pro Tag: 145.000 Liter

» Mitarbeiter: 110

» Exportanteil: 6,5% (-22,3%)

» 50.000 Bierflaschen werden pro Tag abgefüllt

» Produzierte Diezano Limonade 2013: 23.744 Hektoliter

Zur Person

Wolfgang Sila

GF Brauerei Fohrenburg, Gesellschafter „s’Fäscht“, HW Weinagentur

Geboren: 14. 8. 1967

Ausbildung: Kaufm. Lehre bei Spar

Laufbahn: Eigener Spar-Markt, 1999 Gründung s’Fäscht, seit Februar GF bei Fohrenburg.

Familie: verheiratet, drei Söhne, ein Enkelkind
Andreas Rosa

Geschäftsführer Brauerei Fohrenburg

Geboren: 20. 2. 1964

Ausbildung: Ausbildung zum Brauer und Mälzer, Studium an der Weihenstephan-Universität

Laufbahn: Tätigkeiten u.a bei Ottakringer und der Brauerei Forst, seit zwei Jahren bei Fohrenburg

Familie: 1 Sohn (12)