„Versicherungen“ gegen böse Überraschungen an Märkten

Markt / 16.11.2014 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im VN-Gespräch: Peter Scherbaum, Heinz Mayer und Christian Fegg von der Schoellerbank. Foto: VN/Steurer
Im VN-Gespräch: Peter Scherbaum, Heinz Mayer und Christian Fegg von der Schoellerbank. Foto: VN/Steurer

Schoellerbank mit Kapitalmarktausblick: Aktien und überschaubare Zinsbindungen im Fokus.

Schwarzach. (VN-reh) Österreich ist kein Land von Aktionären. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA, wo jeder zweite in Aktien investiert. Dennoch, das derzeitige Niedrigzinsumfeld benötigt Alternativen zum klassischen Sparbuch. Denn wenn die Zinsen gegen Null gehen, lässt sich nichts mehr verdienen. Das Geld arbeitet nicht mehr so, wie es das früher tat. Als eine Vermögenssteuer, nur mit anderem Etikett, bezeichnen Heinz Mayer, Vorstandsmitglied der Schoellerbank und Christian Fegg, Vorstandsmitglied der Schoellerbank Invest dieses Zinstief. Der Zins werde wohl länger so tief bleiben, sind sich die beiden Experten einig, denn niemand könne sich aktuell einen höheren Zinssatz leisten. „Wenn man sich die Gesamtverschuldung der USA anschaut, würde ein steigender Zinssatz die Leute massenweise in die Insolvenz treiben“, so das Argument.

Die Schoellerbank setzt seit der Finanzkrise ganz stark auf Sachwerte wie beispielsweise Aktien. Auch in das letzte Quartal geht die Bank mit einer übergewichteten Aktienquote. Solange man Qualitätsaktien zu einem fairen Preis finde, gebe es wenig Gründe, in gering verzinste Anleihen oder zu unverzinstem Bargeld zu wechseln. Deshalb begann man bereits im vergangenen Jahr, stärker in Richtung Asien zu gehen und die USA zu reduzieren. Das zahle sich aus, betonen Mayer und Fegg. An der hohen Asienquote wolle man auch weiter festhalten. Zwar habe sich Europa durch die Beruhigung in der Ukraine erholt, es gebe aber weiterhin Potenzial in Asien.

Bei Aktien selektiv

In Europa und den USA setze man indes auf klassische „Blue Chips“ – also Aktien großer, internationaler, angesehener Unternehmen von hoher Solidität und Bonität – auch wenn sie aktuell nicht gerade billig seien.

Hände weg, sagt Mayer, heiße es aus seiner Sicht von „High Yields“ – also Wertpapieren schlechterer Kreditqualität. Das Risiko sei hoch und das bei nur vier bis fünf Prozent Rendite. Wenn beispielsweise bei einem Bei High Yield Fonds nur eines von 50 Unternehmen ausfalle, habe man keinen Puffer mehr. Dann lieber eine gute Aktie, so Mayer. Dasselbe gelte für Unternehmensanleihenfonds.

Alternativen wenig verlockend

Bei den Alternativen zu Aktien sind sich die Experten der Schoellerbank einig: Das Wichtigste ist eine überschaubare Zinsbindung. Jetzt in zehnjährige oder noch länger laufende Anleihen zu investieren, mache keinen Sinn. Zudem habe man eine prominente Gewichtung inflationsgeschützter Anleihen im Portfolio. Man glaube zwar nicht an die große Inflationswelle, dennoch seien sie eine „Versicherung“ gegen böse Überraschungen. Deshalb seien auch Fremdwährungen derzeit sehr interessant. Während im letzten Jahr jede Diversifikation weg vom Euro Performance kostete, hat sich das heuer gegen den US-Dollar geändert. Zudem seien der koreanische Won oder der Singapur-Dollar erstklassige Währungen. Wichtig dabei sei jedoch, nicht nur auf eine bestimmte Währung zu setzen, sondern zu mischen.

Fakten

Schoellerbank Halbjahresergebnis 2014

» Bilanzsumme: 3,5 Mrd. Euro

» Kernkapitalquote: 36,24 %

» Mitarbeiter: 311

» verwaltetes Kundenvermögen: 9,6 Mrd. Euro (per 30.9.2014)