Das Ei im Wiener Schnitzel

Markt / 20.11.2014 • 22:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Gastronomie und Handel müssen Kunden ab Dezember über aller­gene Stoffe aufklären.

Schwarzach. (VN-reh) Fast 17 Prozent der Österreicher leiden an einer Unverträglichkeit. Allergien auf gewisse Stoffe können teilweise zu lebensgefährlichen Situationen für die Betroffenen führen. Nun hilft den Allergikern ab dem 13. Dezember die EU in Form der neuen Lebensmittel-Informationsverordnung. Definiert wurden 14 allergene Stoffe, die künftig in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel ausgewiesen werden müssen. Bei vorverpackten Produkten übernimmt das das Zutatenverzeichnis auf dem Etikett. Heikler wird es bei Lebensmitteln, die unverpackt an den Verbraucher gehen. Also eben Speisen in der Gastronomie oder Produkte in den Frischetheken des Lebensmittelhandels.

Die Gastronomen beispielsweise sind ab Dezember dazu verpflichtet, bei Speisen diese 14 Stoffe auszuweisen, die eine Allergie verursachen können. Zum Beispiel Ei im Wiener Schnitzel oder Nüsse im Dessert oder Sellerie in der Suppe. Dabei urgieren viele Wirte, dass in der Gastronomie doch andere Voraussetzungen wie in der industriellen Lebensmittelproduktion gelten würden. Es gebe eine geringe Standardisierung, Speisen würden individuell zusammengestellt und frische, regionale Produkte verwendet. Kreatives Kochen werde durch die Verordnung erheblich erschwert.

Auf der Speisekarte nicht nötig

Ursprünglich war zudem vorgesehen, dass sämtliche allergenen Stoffe in Speisen und Getränken auf der Speisekarte angeführt werden müssen. „Bei jeder kleinen Veränderung eines Gerichts – sei es die Sauce, die Beilage oder lediglich ein Gewürz – hätte man dann
jedesmal die Speisekarte

neu schreiben müssen. Das Bestreben

unserer Küchenchefs,

mit frischen und regionalen Produkten und vor allem saisonal abwechslungsreich zu kochen, wäre durch solche Bürokratievorschriften völlig zunichte gemacht worden“, ärgerte sich Gastronomiesprecher Andrew Nussbaumer bereits vor Monaten. Dies konnte jedoch verhindert werden. Es reicht nun, wenn in jedem Betrieb eine fachkompetente Person Auskunft über die Verwendung von allergenen Stoffen geben kann.

Nichtsdestotrotz sei unabhängig von dieser Verordnung die Bürokratie für die Unternehmer in Gastronomie und Hotellerie längst ausgeufert und untragbar geworden. „Die Grenze des Erträglichen wurde bereits überschritten“, so Nussbaumer. Verschont wurden die Gastronomen bei den Schulungen. Hier haben die Betriebe nun mehr Zeit, sich auf die Informationsverpflichtung vorzubereiten. Es soll eine entsprechende Übergangsfrist von einem Jahr ab Inkrafttreten der Verordnung geben.

Im Lebensmittelhandel sei es ebenfalls eine Herausforderung, erklärt Fachgruppengeschäftsführer Julius Moosbrugger. Aber man sei natürlich bestrebt, dass die Kunden nur Lebensmittel bekommen, die gesund und unbedenklich für sie sind.

Frischetheken betroffen

Konkret betrifft die neue Verordnung den Handel, wie bereits erwähnt, bei den offenen Waren, also bei Produkten in der Fleisch-, Wurst- und Brottheke. Hier muss auf Stoffe oder Erzeugnisse hingewiesen werden, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können. Schriftlich mittels eines Schildes auf dem Lebensmittel oder in einem Aushang. Dafür können auch Abkürzungen oder Buchstabencodes verwendet werden, wenn die in unmittelbarer Nähe aufgeschlüsselt werden. Oder eben auch mündlich durch eine geschulte Person. Insgesamt seien es Möglichkeiten, die auch für kleine Geschäfte praktikabel seien, so Moosbrugger. Auch bei Zubereitungen wie beispielsweise „italienischem Salat“ sei es kein Problem, wenn dieser immer nach gleichem Rezept zubereitet werde.

Hohe Strafen

Dass die Informationen nun mündlich erfolgen, passt nicht jedem. Konsumentenschützern wäre es lieber gewesen, wenn schriftlich informiert wird. Für viele in Handel und Gastronomie ist klar, ein „Mehr“ an Bürokratie freut niemanden so richtig. Oft wurde im Vorfeld die Frage gestellt, ob ein Allergiker nicht selbst besser wisse, was er essen soll. Verordnet bleibt allerdings verordnet und vielleicht hilft ab und zu nicht nur ein Blick auf die steigende Zahl der Allergiker, sondern auch auf die drohende Strafe bei Nichtbeachtung: beachtliche 50.000 Euro.