Weniger Überstunden, aber 190 Übertretungen

Markt / 24.11.2014 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stechuhren sind zwar nicht mehr up to date, doch die Aufzeichnungspflichten werden nicht überall erfüllt. Foto: VN
Stechuhren sind zwar nicht mehr up to date, doch die Aufzeichnungspflichten werden nicht überall erfüllt. Foto: VN

190 Übertretungen des Arbeitszeitgesetzes registrierte die Arbeitsinspektion 2013 im Land.

Schwarzach. 111 Mal sah die Arbeitsinspektion rot und schritt gegen die Übertretung der Höchstarbeitszeit ein. 30 Mal beanstandeten die Inspektoren vernachlässigte Aufzeichnungspflichten der Firmen und in 49 Fällen wurden Ruhezeiten bzw. Pausen nicht eingehalten. Damit bleiben die Verstöße auf ähnlichem Niveau wie in den vergangenen Jahren. Beanstandungen verzeichneten die Arbeitsinspektion österreichweit beim Handel – Instandhaltung von Kraftfahrzeugen, in der Herstellung von Waren, am Bau und in der Gastronomie.

Arbeitszeit gesunken

Dabei wurde die wöchentliche Arbeitszeit kürzer. Die durchschnittliche normale Arbeitszeit pro Woche bei Arbeitnehmern sank von 36,6 Stunden 2012 auf 36,3 Stunden im Jahr 2013. Die tatsächlich geleistete Arbeitszeit pro Woche sank laut den Daten der Statistik Austria bei Unselbstständigen auf 31,1 Stunden. Im vergangenen Jahr wurden im Durchschnitt 7,5 Überstunden bzw. – im Falle einer Teilzeiterwerbstätigkeit – Mehrstunden pro Woche und Person (mit mindestens einer Überstunde) geleistet. Bezogen auf alle unselbstständig Erwerbstätigen wurden durchschnittlich 1,5 Überstunden pro Woche verrichtet. Rund ein Fünftel (19,4 Prozent) aller Arbeitnehmer in Österreich, nämlich 689.300 Personen, leisteten 2013 Überstunden, ein Jahr zuvor waren es noch etwas mehr: 722.200 Personen bzw. 20,3 Prozent.

Die Arbeitsinspektion jedenfalls konnte bei 190 Übertretungen der Arbeitszeit in Vorarlberger Betrieben nicht wegschauen. Aber es gibt auch erlaubte Ausreißer. Um Saison- oder Auftragsspitzen gerecht zu werden, können Firmen und Arbeitnehmer befristete Sonderregelungen treffen. Bernhard Heinzle, Regionalgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten Druck und Papier (GPA), nennt als aktuelles Beispiel die Schneeräumer, die nur dann arbeiten können, wenn der weiße „Rohstoff“ auch auf der Straße liegt. „Dann kann man auch länger arbeiten, man muss die Vereinbarung aber auch bei der Arbeitsinspektion mitteilen“, sagt Heinzle. Überstunden sind für ihn per se nicht das Problem. „Es gibt Mitarbeiter, die von sich aus gerne bereit sind, ständig Überstunden zu machen. Die sehen das Problem nicht.“ Das Problem sei, dass man sich überfordert, ohne es gleich zu merken. Denn viele Arbeitnehmer rechnen mit dem Überstunden-Geld.

Flexiblere Arbeitszeiten

Birgit Hutterer, Leiterin der Arbeitsrechtsabteilung der Arbeiterkammer Vorarlberg, hat wenig und dann meistens nur telefonisch mit dem Thema Überstunden zu tun: „Bei uns rufen die Leute an, um sich wegen der Bezahlung oder dem Zeitausgleich zu erkundigen.“ Nur bei Lösung des Arbeitsverhältnisses könnten auch Übertretungen zu Thema werden. Die Kammer sei schließlich nicht Behörde und die Kontrolle bei der Arbeitsinspektion gut aufgehoben.

Der Leiter der Arbeitsrechtsabteilung in der Wirtschaftskammer, Christoph Jenny, glaubt, dass die Zahl von 190 Beanstandungen schnell gegen Null tendieren würde, wenn der Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten, die von der Wirtschaft erhoben wird, Genüge getan würde. „Wir wissen, dass auf Betriebsebene temporäre Regelungen kein Problem sind. Aber die Gewerkschaften geben nicht nach, weil sie um ihren Einfluss fürchten.“

Arbeitsinspektion

Arbeitsinspektion Vbg. 2013

» Mitarbeiter: 21

» Betriebsbesichtigungen: etwa 2900

» Behördl. Verhandlungen: rd. 1200

» Übertretungen Arbeitszeit: 190