Mini-Mannschaft für die Berufs-WM in São Paulo

Drei junge Professionisten vertreten Vorarlberg nächste Woche bei den World Skills.
Schwarzach. Vorarlberg und die World Skills, das ist eine Erfolgsgeschichte. Die Vorarlberger Teilnehmer der Berufsolympiade (wie die Großveranstaltung bis vor wenigen Jahren bezeichnet wurde) haben seit 1981 18 Goldmedaillen nach Hause gebracht, mehr als jedes andere österreichische Bundesland. Im Bundesländer-Vergleich wäre sogar die Firma Julius Blum ganz vorne, sie ist das erfolgreichste österreichische Unternehmen bei den World Skills und hat damit einen riesigen Beitrag zum Erfolg Österreichs in der Welt der Qualifizierung beigetragen. Die Erfolge bei diesem Wettbewerb sind auch Grundlage für die
von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner kampagnisierte „Lehre als Exportmodell“.
Doch mit einem neuen Medaillen-Rekord ist heuer auf keinen Fall zu rechnen. Vorarlberg reist mit der kleinsten Delegation seit Jahrzehnten in die brasilianische Mega-City. Drei Teilnehmer, Lars Springhetti (21), Niklas Rusch (22) und Fabian Hofer (21), vertreten Vorarlberg bei der WM. Zu den vergangenen beiden Wettbewerben wurden jeweils sieben junge Professionisten entsandt. Beim letzten Wettbewerb in Leipzig holten Koch Kevin Micheli und Maurer Martin Mittelberger Gold. Zum Vergleich: Das kleine Fürstentum Liechtenstein hat heuer neun junge Berufsprofis nominiert.
Ausbildungsexperten bemerken eine Müdigkeit bei den Vorarlberger Firmen, auch deshalb, weil die asiatischen Teilnehmerländer ihre Anstrengungen weiter erhöht haben und deshalb, so ist in Firmen zu hören, ein Antreten fast aussichtslos sei. Dem widerspricht der langjährige Ausbildungschef der Firma Blum, Egon Blum (75): „Dagegen spricht, dass die Schweiz in Leipzig den zweiten Platz belegte und auch heuer zu den Favoriten zählt.“ Er hofft, dass das Interesse wieder erstarkt, denn nur durch die intenationalen Erfolge sei es beispielsweise möglich gewesen, einen neuen Hightech-Lehrberuf zu etablieren. Dass man wegen der Asiaten aber die Segel streicht und deshalb nur noch bei den Euro Skills (an welcher nur EU-Staaten teilnehmen) antritt, sei jedenfalls nicht die Lösung, ist aus Ausbilderkreisen zu vernehmen.
Andere Philosophie
Christoph Jenny (50), Leiter der Lehrlingsstelle in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, verweist darauf, dass viele Unternehmen eine andere Philosophie verfolgen und oft gar nicht an Wettbewerben teilnehmen. Allerdings bringt er es auf den Punkt, wenn er sagt: „Bei den nationalen Wettbewerben waren diesmal die Vorarlberger offensichtlich nicht so erfolgreich, ich hoffe, das ist nur ein kurzfristiger Durchhänger.“ Er glaubt und hofft, dass das Erfolgsmodell der dualen Ausbildung dadurch nicht beschädigt ist.
Die Teilnehmer Lars Springhetti, Fabian Hofer (beide Fa. Blum) und Niklas Rusch (Offsetdruckerei Schwarzach) jedenfalls werden alles dazu tun, dass die duale Ausbildung ins Scheinwerferlicht gerückt wird. Sie haben sich seit Monaten intensiv auf die Meisterschaft vorbereitet – ihnen zur Seite stehen in der Delegation auch die Vorarlberger Experten Walter Goritschnig, Gernot Dolinar, Marco Simma (Fa. Blum) und Christian Grabher (Offset Schwarzach).
43. World Skills
» Austragungsort: São Paulo, Brasilien, 11. bis 16. August
» Teilnehmer insgesamt: 1150 Teilnehmer aus 59 Ländern in 50 Berufen
» Teilnehmer Österreich: 35 Teilnehmer aus 8 Bundesländern in 31 Berufen, 32 Experten
» Medaillen Vorarlberg insgesamt: 18 Gold, 14 Silber, 9 Bronze (1961 bis 2013)
» World Skills 2017: Abu Dhabi