Gemeinsam geht es besser
Wer sagt denn, dass in Österreich nur gejammert wird, dass Klagen der Gruß des Kaufmanns ist? Dem ist nicht so, auch wenn die Situation zumal für die Wirtschaft öfter zum Weinen denn zum Lachen ist. Die Vorarlberger Wirtschaft ist ein gutes Beispiel dafür, dass man sich über die herrschenden Bedingungen zwar ärgert, und das zurecht, aber Unterkriegen lassen sich die Unternehmer nicht, wie die Investitionstätigkeit im Lande, wie aber auch die bislang bekannten Geschäftszahlen im ersten Halbjahr beweisen.
Ohne entsprechenden Glauben an die Zukunft, ohne Optimismus und Durchhaltewillen ist auf Dauer kein Unternehmen zu führen. Das zeigt nun auch eine groß angelegte Studie unter Europas Familienbetrieben, bei der auch österreichische Unternehmen zu Wort kamen. Und sie machen Hoffnung: Denn rund dreiviertel der Betriebe in Österreich zeigen sich zuversichtlich, was ihre Zukunft anbelangt. Statt zu jammern, sehen sie die steigende Konkurrenzsituation, Änderungen von gesetzlichen Vorschriften sowie die sinkende Rentabilität als Herausforderung, die zu meistern ist. Gemeinsam eben, wie es in Familien üblich ist.
Familienbetriebe haben in den letzten Krisen bewiesen, dass sie ein Fels in der Brandung sind, gemeinwohlorientiert auch dann, wenn es schwerfällt. Sie haben ihre Mitarbeiter behalten, obwohl die angespannte finanzielle Situation eine andere Vorgehensweise nahegelegt hätte. Deshalb ist Vorarlberg gut durch die Krise gekommen, als es anderswo zu Massenentlassungen gekommen ist.
Politische Entscheider sollten sich daran erinnern, wer die Wirtschaft auch in schwieriger Zeit stabil hält. Sie sollten deshalb ganz genau darauf hören, was diese Unternehmer zu Protokoll geben. Nämlich nicht nur, dass sie sich der Herausforderung stellen, sondern auch, was sie am wirtschaftlichen Erfolg hindern könnte.
Denn der Optimismus läßt nach, wenn sie nach der Entwicklung der österreichischen Steuerlandschaft gefragt werden. Von der Steuerreform erwarten sie keine Konjunkturbelebung. Die Bekämpfung von Steuer- und Sozialbetrug erachten sie im Wettbewerbsumfeld, um es nobel auszudrücken, als nicht effektiv. Ob Betriebsübergaben innerhalb der Familie in Zukunft überhaupt noch möglich sind, daran zweifeln sie.
Wenn sonst die Familie als heheres Gut verehrt wird, dann wäre doch eines logisch: Dass man in Sachen Wirtschaft auf Familienunternehmen hört.
In Sachen Wirtschaft sollte man die Stimme der Familien hören.
andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862
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