Skandal kostet VW Gewinnprognose

Markt / 22.09.2015 • 22:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Elf Millionen Autos sind betroffen. Winterkorn tritt nicht zurück. Vorarlbergs Händler zurückhaltend.

Wolfsburg. (VN) Die Affäre um Manipulationen bei Abgasmessungen in den USA zieht immer weitere Kreise und zwingt Europas größten Autobauer Volkswagen zu einer Gewinnwarnung. Im dritten Quartal würden deshalb rund 6,5 Milliarden Euro „ergebniswirksam zurückgestellt“ – sie werden sich also negativ auf den Gewinn auswirken. Es handle sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme. Interne Prüfungen hätten ergeben, dass es die betreffende Steuerungssoftware – sie soll die Abgaswerte im Testbetrieb gegenüber dem Straßenbetrieb künstlich schönen – auch in anderen Diesel-Autos des Konzerns gebe. Betroffen sind weltweit etwa elf Millionen Autos. Nach der Gewinnwarnung rutschten die Aktien der Wolfsburger an der Frankfurter Börse in der Spitze um neuerliche 23 Prozent auf das tiefste Niveau seit Oktober 2011 ab.

Die US-Umweltbehörde EPA wirft VW Manipulation von Schadstoffmessungen bei Dieselautos vor. Für die entsprechenden Modelle erließ der Konzern dort einen Verkaufsstopp. In Deutschland sind die Umweltbehörden ebenfalls alarmiert. VW hat schon ein Fehlverhalten eingeräumt und versprochen zu kooperieren. Der deutsche Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt nun eine Untersuchungskommission ein.

Der VW-Konzern hatte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 108,8 Milliarden Euro verbucht, Ende Juli aber seine Verkaufsprognose fürs laufende Jahr wegen der Flaute bei Verkäufen in China und Einbrüchen auf weiteren Absatzmärkten nach unten revidiert. Die Pkw-Kernmarke um Golf und Passat steigerte ihren Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf gut 1,4 Milliarden Euro, im Halbjahresvergleich ein Plus von 41 Prozent.

Spekulation um Rücktritt

Obwohl um Vorstandschef Martin Winterkorn Rücktrittsforderungen laut werden, tritt er nicht zurück. Es wäre falsch, wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger die ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät, sagte Winterkorn. „Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht. Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten.“

Vorarlbergs VW-Händler üben sich indes noch in Zurückhaltung. Man habe noch nicht ausreichend Informationen vom Generalimporteur in Salzburg erhalten und wolle sich öffentlich noch nicht zum Skandal äußern.

Durch den Skandal werden Jobs bei VW und vielen Zulieferern in Deutschland gefährdet.

Marcel Fratzscher, DIW-Präsident