VW-Aktie: „Der größte Schock ist überwunden“

Markt / 24.09.2015 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Befürchtungen über einen sich von VW auf andere Hersteller ausweitenden Abgas-Skandal haben den Dax schwer belastet. Foto: Reuters
Befürchtungen über einen sich von VW auf andere Hersteller ausweitenden Abgas-Skandal haben den Dax schwer belastet. Foto: Reuters

Skandal beeinflusst auch Aktienmarkt. Ein Restrisiko wegen weiterer Vorwürfe bleibt.

Bregenz. Der Abgasskandal bei VW geht in die nächste Runde. Zwei Tage nach dem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn droht weiteres Ungemach. So sollen laut Verkehrsminister Alexander Dobrinth auch in Europa bei Tests die Abgaswerte von Dieselfahrzeugen manipuliert worden sein. Zudem sind neben Audi auch die Konzerntöchter Skoda und Seat betroffen. In Mitleidenschaft gezogen wurde seit Bekanntwerden des Skandals nicht nur das Vertrauen der Kunden, sondern auch das der Anleger. Denn die VW-Aktie verlor seither massiv an Wert. Zwar erholte sich die zuvor stark gebeutelte VW-Vorzugsaktie gestern leicht (plus 0,58 Prozent), allerdings schreckte ein Bericht die Anleger, demzufolge es auch bei BMW Unstimmigkeiten bei Abgastests geben könnte. Im Gefolge verloren neben BMW auch die Aktien von Daimler und des Zulieferers Continental. Roland Rupprechter, Leiter Asset Management bei der Hypobank Vorarlberg, sieht mit dem Rücktritt Winterkorns einen ersten Schnitt. Der Markt hätte darauf gewartet und das wohlwollend zur Kenntnis genommen. Die Autobranche sei aber schon zuvor wegen des Wachstumsrückgangs in China extrem gezeichnet gewesen. Dazu schwebte lange noch das Damoklesschwert Griechenland über der Branche. „Hätte es einen Grexit gegeben, wäre das ein Schock für das Kaufverhalten gewesen“, sagt Rupprechter. Für die VW-Aktie si der größte Schock wohl überwunden. „Der Markt hat den Gegenwert für mögliche Strafzahlungen und Kosten für Rückrufaktionen bereits eingepreist“, so der Börsenexperte. Es sei aus Aktiensicht gut gewesen, dass der Konzern von Anfang an alles zugegeben habe. Bei einer hohen Kooperationsbereitschaft könnten nämlich auch die Strafen, die mit 18 Mrd. Dollar taxiert werden, niedriger ausfallen. „Davon lebt die Fantasie des Kurses“, sagt Rupprechter. Genauso wie wenn es gelinge, die Kosten für mögliche Rückrufaktionen, für die rund 6,5 Mrd. Euro zurückgestellt sind, am Ende geringer zu halten. Ein Restrisiko bleibe jedoch. Auch weil die genaue Zahl der betroffenen Pkw unbekannt ist. Der Markt habe zwar die Höchststrafen eingepreist, aber eben für elf Millionen Autos. Wenn es letztlich doch mehr werden, könnte das den Aktienkurs noch einmal deutlich negativ beeinflussen. Abzuwarten bleibe zudem, ob sich die Vorwürfe gegen BMW bewahrheiten. Auch dieses Risiko bleibe. Allerdings zeige die Erfahrung auch, dass der Markt nachfolgende Skandale immer weniger stark bewerte.

Nur für Risikoaffine

Trotz Kursrutsch sei der Kauf von VW-Aktien aber nur für jene eine Option, die eine hohe Risikobereitschaft haben. Rupprechter warnt davor, ausschließlich in die Automobilbranche zu investieren. Man müsse möglichst breit diversifizieren. Als Beimischung sei es in Ordnung. Wer schon investiert habe, dem sei zu empfehlen, die Aktien zu halten. Die Kurse seien kurzweilig und in einem Jahr könnte der VW-Kurs schon wieder bei 130 Euro stehen. Schließlich sei das Unternehmen in der Lage, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Markt hat mögliche Strafzahlungen bereits eingepreist.

Roland Rupprechter