Mit gestutzten „Vlügeln“ zu neuen Horizonten

11.10.2015 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Landesdirektor Gerhard Hamel und der neue Volksbanken-Generaldirektor Gerald Fleischmann. Foto: TMH
Landesdirektor Gerhard Hamel und der neue Volksbanken-Generaldirektor Gerald Fleischmann. Foto: TMH

Österreichische Volksbanken werden nach „Vorarlberger Modell“ umstrukturiert.

Rankweil. (tmh) Die österreichischen Volksbanken sind durch waghalsige Beteiligungen der ÖVAG ins Strudeln geraten. Die von der EU verordnete Verschlankung des Apparats sieht der neue Volksbanken-Generaldirektor Gerald Fleischmann (46) aber als Riesenchance.

Mit ihren Investments vor allem in Rumänien hat die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) Milliarden verloren und Schiffbruch erlitten (die VN berichteten mehrfach). Seit Juli dieses Jahres ist die ÖVAG aus diesem Grund Geschichte. Die faulen Kredite wurden der „immigon portfolioabbau AG“ übertragen. Diese „bad bank“ soll für die bestmögliche Verwertung der Beteiligungen und noch offenen Forderungen sorgen.

Die Umstrukturierung wurde von der Europäischen Kommission am 2. Juli 2015 genehmigt und sieht als eine der Maßnahmen vor, dass die bisher 43 eigenständigen regionalen Volksbanken in künftig nur noch acht Landesbanken (Burgenland und Wien gehen zusammen) und zwei übergeordneten Zentralbanken organisiert sein sollen.

Vorarlberger Sonderstellung

„Vorarlberg ist von dieser Umstrukturierung nicht direkt betroffen“, betont Landesdirektor Gerhard Hamel (50), weil sich hier genau diese Organisationsform, mit allen 19 Filialen in den Gemeinden unter dem gemeinsamen Dach der Landeszentrale, schon seit Jahrzehnten bewährt hat.

Die Vorarlberger Volksbank-Töchter in Liechtenstein und der Schweiz wirtschaften seriös und positiv und sind deswegen auch von einer weiteren EU-Vorgabe ausgenommen: Die (übrigen) österreichischen Volksbanken haben sich nämlich auf das Inlandsgeschäft zu konzentrieren und dürfen sich nicht mehr in Osteuropa engagieren.

Der neue Volksbank-Generaldirektor Gerald Fleischmann sieht in der Umstrukturierung quasi nach dem „Vorarlberger Modell“ eine große Chance für die österreichischen Volksbanken. Mit der Verschlankung der Organisation steige die Effizienz. Und die gestutzten „Vlügel“, die ein Engagement in Osteuropa nicht mehr zulassen, bedeuten volle Konzentration auf das Inlandsgeschäft. „Das bringt die Volksbank noch näher zum Kunden“, folgert der studierte Mathematiker im Gespräch mit den VN.

Optimismus

Fleischmann ist deswegen betont zuversichtlich, was die Entwicklung der Volksbank angehe. Bis zum Jahr 2023 müssen die Volksbanken die noch offenen 300 Millionen an Staatshilfe zurückzahlen. „Das schaffen wir früher“, zeigt sich der 46-jährige Spitzenbanker optimistisch.