Unersetzlich, aber nicht immer richtig

20.10.2015 • 17:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wirtschaftsprognosen entsprechen dem Wunsch nach Planbarkeit. Aber nicht alle sind haltbar.

Wien. (VN) Wirtschaftsprognosen sind unersetzlich, auch wenn sie nicht immer stimmen. Das ist der Kern einer Diskussionsveranstaltung am Institut für Höhere Studien (IHS). Prognosen würden dem Wunsch nach Planbarkeit entsprechen – und heute sehe man, dass der Bedarf stark zunehme, so
WIFO-Vizechef Marcus Scheiblecker. Vieles an Prognosen sei aber nur eine Art Sensibilitätsanalyse, sogar von einer „Unberechenbarkeit“ des BIP könne man sprechen.

Sehr wichtig an Prognosen sei „das Narrative“, so Scheiblecker, also die Äußerung, die sich auf etwas Historisches bezieht: „Es geht um das Gefühl, dass man die Zukunft im Griff hat.“ So habe man vor Erfindung des Blitzableiters Hirschgeweihe aufgestellt. Die Gefahr der Rückwirkung einer Prognose auf die Menschen gebe es schon – anders als etwa bei einer meteorologischen Vorhersage, auf die das Wetter nicht reagieren könne.

Keine geschönten Prognosen

Mithilfe geschönter Prognosen könne man sich allerdings sicher nicht „selbst aus dem Morast herausziehen“, erst recht nicht als kleine Volkswirtschaft wie Österreich. Wenn etwa solcherart bei uns die Konsumstimmung angekurbelt werden sollte, würde wegen des hohen Importanteils „Deutschland davon mehr profitieren als wir“, meint Scheiblecker. Nicht alle Vorhersagen seien aber haltbar, denn es habe seinerzeit vor dem Crash auch „schöne Prognosen über die Nachhaltigkeit der Immobilienpreise in den USA“ gegeben. Das zeige, dass gerade die Gleichschaltung von Prognosen die Tür für eine Blasenbildung öffnen könne.

Für den österreichischen Nationalbank-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny ist es eine wichtige Rolle von Notenbanken, Rationalität in Prognosen hineinzubringen und damit Hysterie zu senken und der Versuchung zu widerstehen, schlechte Nachrichten zu Sensationen zu machen.