Rechtsanwälte als Flugkapitäne

Markt / 03.11.2015 • 22:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gesellschafter der InterSky suchen Investoren. Foto: VN/Paulitsch
Gesellschafter der InterSky suchen Investoren. Foto: VN/Paulitsch

Anwaltskanzlei soll hinter Interessenten für InterSky-Übernahme stehen.

Bregenz. (VN) In den „InterSky-Ländern“ Vorarlberg und Baden-Württemberg rumort seit Wochen die Gerüchteküche wegen der Investoren, welche die wirtschaftlich angeschlagene Regionalfluglinie InterSky übernehmen wollen (die VN berichteten mehrfach). Der Verhandlungsabschluss wurde mehrfach umterminisiert, laut InterSky-Geschäftsführerin soll der Abschluss der „finalen Verhandlungen“ Mitte November sein. „Aber auf ein bis zwei Wochen kommt es uns nicht an“, sagte Airline-Gründerin Renate Moser gegenüber den VN.

Noch ein Interessent

Seit zwei Wochen wird nur noch mit einem Interessenten verhandelt, wie die Geschäftsführung bestätigte. Dabei handelt es sich offenbar federführend um die Rechtsanwaltskanzlei Norbert Dotterweich und dessen Mitarbeiter und Rechtsanwalt Roland Ehrsam aus Weimar im deutschen Bundesland Thüringen. Ehrsam bestätigte, dass er und Dotterweich für eine Gruppe von Investoren verhandeln, die das Vorarlberger Flugunternehmen übernehmen und fortführen wollen.

Rechtliches Vehikel

Das rechtliche Vehikel für die geplante Übernahme ist die Mitteldeutsche Tourismus Entwicklungsgesellschaft mbH mit Sitz in Weimar, deren Geschäftsführer Norbert Dotterweich ist. Die Gesellschaft, kurz MDTEG, hat ein Stammkapital von 25.000 Euro und wurde erst im April 2015 gegründet. Wer tatsächlich als Investor dahinter steht, ist nicht bekannt. Die Kapitalausstattung der Gesellschaft beläuft sich laut Dotterweich auf 25 Millionen Euro.

Die beiden MDTEG-Vertreter sind im Luftfahrtgeschäft nicht unbekannt, ihre Erfolge und Erfahrungen im europäischen Linienfluggeschäft seien allerdings überschaubar. So werden sie in Verbindung mit „Rostock Airways“ genannt. Diese Airline ohne eigenes Luftfahrtbetreiberzeugnis (AOC) und ohne eigene Flugzeuge hat Anfang 2014 nur wenige Wochen mit angemieteten Flugzeugen eine Verbindung zwischen Bremen und Zürich angeboten. Die Airline ist derzeit nicht aktiv.

Ebenfalls in Erscheinung traten Dotterweich und Ehrsam bei der Übernahme der in Bozen ansässigen Fluglinie „Air Alps“. Ihre Mitteldeutsche Aviation GmbH (idente Adresse in Weimar wie MDTEG und die Kanzlei von Dotterweich) übernahm Ende 2014 die Airline, die  als Gesellschaft nur noch auf dem Papier existiert. Bei allen genannten Fällen traten beziehungsweise treten Dotterweich und Ehrsam mit Firmen auf, die erst kurz vor dem Beginn der jeweiligen Aktivitäten gegründet wurden. Die früheren Aktivitäten von Roland Ehrsam seien ihr, Moser, bekannt und man bewege sich mit der entsprechenden Vorsicht in den Verhandlungen.

Allerdings geht es am Ende um die Frage, ob das Geld auf dem Tisch liegt oder nicht.

Renate Moser