Weltweit Zähne zeigen

Markt / 04.11.2015 • 18:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Geschäftsführer Marco Ratz: Amann Girrbach wird Technologie- und Innovationsführer bleiben.  Fotos: tm/hechenberger
Geschäftsführer Marco Ratz: Amann Girrbach wird Technologie- und Innovationsführer bleiben. Fotos: tm/hechenberger

Digitale Revolution in der Zahntechnik: Eine Koblacher Firma ist maßgeblich beteiligt.

Koblach. (tmh) Ein Zahnersatz, der nicht perfekt sitzt, kann üble Folgen haben: Kopfweh, Rückenschmerzen und schlimmere Leiden sind möglich. Die Herstellung von künstlichen Zähnen war daher immer schon Präzisionsarbeit.

Früher wurde sie in aufwendigen mechanischen Schritten und mit viel Handarbeit erledigt. Schon seit einigen Jahren wird auch moderne CAD/CAM-Technik eingesetzt. Die vom Zahnarzt gefertigten Abdrucke werden zunächst gescannt. Eine computergesteuerte Fräsmaschine fertigt aus den digitalisierten Daten das analoge 3D-Abbild: den Zahnersatz.

Diese digitale Methode war aber lange nur sehr großen Dentallabors und Fräszentren vorbehalten: Die Kosten für die riesigen Fräsmaschinen, die aus dem sehr harten Ausgangsmaterial die künstlichen Zähne in hoher Präzision fertigen konnten, waren für kleine Labors unfinanzierbar. „Die allermeisten Dentallabors weltweit, und damit auch die meisten Patienten, waren von den Vorzügen moderner CAD/CAM-Technik praktisch ausgeschlossen“, erklärt Marco Ratz (50). Er ist Vorstandsvorsitzender der Koblacher Firma Amann Girrbach und als solcher quasi der „Che Guevara“ der digitalen Revolution in den Dentallabors.

Diese wurde im Jahr 2009 ausgelöst, als Amann Girrbach ein ausgereiftes und kompaktes dentales CAD/CAM-System auf den Markt brachte, das modernste Technik auch für die kleineren Labors leistbar machte.

Backe, backe Backenzahn . . .

In der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Koblacher Weltfirma war zunächst das „Ceramill System“, bestehend aus Verbrauchsmaterial, Hard- und Software, entwickelt worden. Der keramische Werkstoff Zirkonoxid war dabei der materialspezifische Treiber der Entwicklung. Hohe Festigkeit, ästhetische Vorzüge und beste Biokompatibilität (Verträglichkeit) zeichnen diesen Werkstoff aus. Die Zutaten des Koblacher Superwerkstoffs werden in Pulverform gepresst und dann vorgesintert. Der so gewonnene Werkstoff lässt sich sehr einfach fräsen und färben.

Dafür hat Amann Girrbach eine eigene digitale Fräsmaschine entwickelt. Sie ist kaum größer als ein Kaffeevollautomat und kann aus einem vorgesinterten Ceramillblock Einzelzähne und Zahnbrücken in einer Präzision von fünf Tausendstel Millimetern herausfräsen.

Erst wenn überprüft wurde, dass alles perfekt passt, wird das Material dann noch einmal bei über 1400 Grad gesintert („gebacken“) und erhält dabei die endgültige Härte. Dafür wird den Zahnlabors ein ebenfalls in Koblach entwickelter kompakter Sinterofen angeboten.

Der Erfolg des Ceramill Systems ist enorm: Heute werden damit in Labors weltweit jeden Monat rund 350.000 „neue“ Zähne gefräst und Patienten zu neuem Strahlen gebracht.

Aus solchen Ceramillscheiben werden die Zähne herausgefräst.

Aus solchen Ceramillscheiben werden die Zähne herausgefräst.