Flughafen hofft auf ein Wunder

20.11.2015 • 19:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Flughafen Friedrichshafen sei interessant für die Airlines, vor allem wegen der hohen Wirtschaftskraft in der Region. Foto: Airport
Der Flughafen Friedrichshafen sei interessant für die Airlines, vor allem wegen der hohen Wirtschaftskraft in der Region. Foto: Airport

Noch kein Ersatz für Intersky. Ausfall kostet Airport Friedrichshafen sechsstelligen Betrag.

Friedrichshafen. (VN-reh) Das Interesse am Flughafen Friedrichshafen ist derzeit groß. Grund ist die Entscheidung, welche Fluglinie die Strecken der in Konkurs geratenen Intersky übernimmt. Eine Lösung gibt es aber derzeit noch nicht, wie Flughafen-Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr betont. Der Ausfall der Intersky, verantwortlich für 20 Prozent der Flüge am Bodensee Airport, hinterlasse eine schmerzliche Lücke. Mit Hochdruck werde derzeit nach einer neuen Fluglinie gesucht, die die Strecken nach Düsseldorf, Berlin und Hamburg übernimmt. Im Gespräch ist man mit vielen Airlines. Mit Air Berlin, Sun Air Dänemark, der britischen flybe, der belgischen VLM Airlines, BMI regional, Rhein-Neckar Air, AIS Airlines, twinjet Frankreich sowie mit Peoples Viennaline. Mit Letzterer seien die Gespräche aber in der Warteschleife, weil sie derzeit nur eine Strecke fliege und drei dazu nehmen müsste. Und das gehe zu schnell. Auch mit Easyjet, die vergangene Woche mit einer Pressemitteilung bereits ihr Engagement am Flughafen Friedrichshafen verkündete und danach einen Rückzieher machte, laufen noch Gespräche. „Das ist unglücklich gelaufen“, erklärt Wehr.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Passagiere ist zumindest, dass die Lufthansa ab Dezember mit dem Einsatz größerer Maschinen ihr Angebot über das Drehkreuz Frankfurt aufstocken wird. Mit dieser Umsteigeverbindung sei man morgens um 09:55 Uhr in Berlin, um 10:10 Uhr in Düsseldorf sowie um 10:05 Uhr in Hamburg.

Keine schnelle Lösung

„Realistischerweise“, so Flughafen-Chef Wehr, werde es aber in absehbarer Zeit keine schnelle Lösung für den Intersky-Ausfall geben. Grund ist zum einen, dass die Airlines schon im Winterflugplan fliegen und deshalb nicht so kurzfristig Kapazitäten freimachen können. Zum anderen gebe es nicht viele Fluggesellschaften, die über passendes Fluggerät verfügen. Gefragt sind nämlich Maschinen mit 50 bis 70 Sitzplätzen, um die Strecken wirtschaftlich bedienen zu können. Und nur diese rentieren sich. Das zeigt der Blick auf die Passagierzahlen der Intersky. 40.000 Passagiere im Jahr auf den Strecken Berlin und Hamburg. Also 55 bis 65 Passagiere am Tag. Nach Düsseldorf 26.000 Passagiere im Jahr, somit zwischen 35 und 42 am Tag. Potenzial nach oben gebe es zwar durch eine entsprechende Preisgestaltung. Mit einem Airbus diese Strecken zu bedienen, mache trotzdem wenig Sinn.

Die Suche nach einer neuen Fluglinie wird deshalb wohl eine langwierige Geschichte. „Es wäre ein Wunder, wenn es im Winter eine Entscheidung gibt“, so Wehr. Selbst für den Sommerflugplan, der ab Ende März in Kraft tritt, eine neue Airline zu finden, sei „ehrlich gesagt sehr schwierig“. Gezeigt habe sich quer durch alle Gespräche, dass die Strecken Düsseldorf und Berlin favorisiert werden, Hamburg stehe nur an zweiter Stelle. Der Flughafen Friedrichshafen an sich sei aber interessant für die Airlines, vor allem wegen der hohen Wirtschaftskraft in der Region.

Ausfall kostet viel

Der Intersky-Ausfall kostet den Flughafen nach eigenen Angaben einen „sechsstelligen Betrag“. Inkludiert sind auch Ausstände, die Intersky noch beim Flughafen hat. Was letztlich den Ausschlag für die Intersky-Insolvenz gegeben hat, darüber will man nur „Vermutungen“ anstellen. Zum Beispiel dass bei den Ticketpreisen nicht das volle Potenzial ausgeschöpft wurde und die Leasingraten für die Flugzeuge zu hoch waren. Nervös wurde Wehr schon, als bekannt wurde, wer der Investor sein könnte. „Wir kannten seinen Ruf aus der Vergangenheit“, sagt er vieldeutig. Als Ersatz-Airline wünscht sich der Flughafen-Chef eine Fluglinie, die die Flieger zwar in der Luft habe, aber mit beiden Beinen am Boden bleibe und den Markt realistisch beurteile.

Arbeiten mit Hochdruck an allen denkbaren Optionen.

Claus-Dieter Wehr