Strukturierter Stratege trifft Technik-Visionär

Markt / 21.10.2016 • 22:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Daniel Zerlauth (l.) und Frank Böhler schätzen sich. Beide vertreten ähnliche Werte. Foto: VN/Steurer
Daniel Zerlauth (l.) und Frank Böhler schätzen sich. Beide vertreten ähnliche Werte. Foto: VN/Steurer

Ein Freund übernimmt: Übergabe und große Pläne bei Kunststoffverarbeiter Tecnoplast.

Höchst. Dass eines seiner Kinder den Betrieb übernehmen möchte, hat sich nicht herauskristallisiert, und dann kamen noch gesundheitliche Probleme dazu. Frank Böhler (57), Eigentümer des Kunststoffspezialisten Tecnoplast, musste also handeln, um die Zukunft seines Unternehmens zu sichern.

Das hat er getan. Sein Anruf vor eineinhalb Jahren galt Daniel Zerlauth (37). Die beiden kannten sich aus der Wirtschaftskammer, wo Zerlauth Geschäftsführer war, und Böhler als Funktionär der Kunststoffverarbeiter wirkte. „Schon damals habe ich gesehen, dass er mehr Unternehmer als Verwalter ist. Wir hatten von Anfang an einen guten Draht und haben in den acht Jahren nicht nur professionell zusammengearbeitet, sondern es ist auch eine Freundschaft entstanden“, erzählt Böhler im VN-Gespräch. Was dann folgte, waren viele Gespräche. Über das Angebot, Tecnoplast zu übernehmen, musste Zerlauth dann doch länger nachdenken. Schließlich bedeutet Unternehmer zu werden, doch ein Stück weit mehr als der Job eines Geschäftsführers. Am Ende sagte er Ja und ist seit Anfang des Jahres im Höchster Unternehmen. Die Geschäftsführung teilen sie sich.

Es ist ein offener Übergabeprozess, erklärt Zerlauth. „Wir haben vieles geregelt, nur nicht, was die Zukunft bringt.“ Denn wie lange Frank Böhler noch im Betrieb ist, wird offengelassen. Er managt heute den Verkauf und ist der Repräsentant nach außen zu den Kunden. „Wir haben uns darauf verständigt, dass ich fünf bis zehn Jahre weitermache, im gegenseitigen Einverständnis“, sagt Böhler. Seine Lebensqualität sei jedenfalls gestiegen, auch weil er nicht mehr jeden Tag schauen müsse, ob auch alle Maschinen laufen. Und so ist da auf der einen Seite Daniel Zerlauth, der strukturierte Stratege mit kreativen Ideen, und auf der anderen Seite Frank Böhler, der technische Visionär, ein „Kunststöffler“ durch und durch, die sich bei Tecnoplast gut ergänzen.

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit, wenn einer sein „Baby“ nach und nach loslassen muss? „Frank ist jemand, der sich gerne einmischt. Aber er hat mittlerweile erkannt, dass er loslassen kann, weil es gut läuft. Er ist ein dankbarer Partner, weil er zulässt“, sagt Zerlauth. Wichtig sei die gegenseitige Reflektion, ist Böhler überzeugt. „Wir bleiben beide lernfähig.“ Lernen musste Daniel Zerlauth auch alles in Sachen Kunststoff. Fachlich sei das schon eine Herausforderung gewesen, sagt er. Aber das Positive an der  Unternehmensgröße sei, dass man entsprechende Fachleute habe, auf die man sich verlassen kann.

Große Visionen

Die Geschäfte beim Kunststoffverarbeiter laufen gut. 70 Prozent der Kunden setzen seit über 15 Jahren auf das Höchster Unternehmen. Seit dem schwierigen Jahr 2009 hat man sich konsolidiert und schließe jedes Jahr gut positiv ab, sagt Böhler, ohne Detailzahlen zu nennen. Große Ziele gibt es dennoch. In zehn Jahren soll Tecnoplast der beste Nischenplayer in der Be- und Verarbeitung von Kunststoff sein. Viel Potenzial sieht Zerlauth im MIM-Verfahren (Metal Injection Moulding), der Verbindung von klassischer Kunststoffspritzgieß-Technologie und Pulvermetallurgie. Damit entstehen Formteile aus Metall mit einer hohen Komplexität. Auch mit Faserverbundstoffen setzt man sich im Höchster Unternehmen verstärkt auseinander. Zudem wolle man auf jeden Fall die Eigenprodukteschiene ausbauen. Auch ein Hallenneubau neben der Firmenzentrale in Höchst steht im Raum. Konkret sind die Planungen noch nicht, dieser werde aber in den nächsten drei Jahren erfolgen, um die Standortqualität zu erhöhen. Bis dahin soll auch die Lehrausbildung neu ausgerichtet werden. Schließlich sind für die beiden Geschäftsführer die Mitarbeiter das zentrale Element: „Sie sind die Wurzel unserer unternehmerischen Daseinsberechtigung.“

Tecnoplast GmbH

» Hauptsitz: Höchst

» Eigentümer (100 %): Frank Böhler

» Geschäftsführer: Daniel Zerlauth, Frank Böhler

» Mitarbeiter: 50

» Segment: Be- und Verarbeitung von technischen Kunststoffen, Metal Injection Moulding-Verfahren