Dem Scheitern eine Bühne geben

Markt / 19.12.2016 • 22:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sasa Filipovic organisierte die FuckUp-Night in Dornbirn, Thomas Ebster berichtete über seine Erlebnisse als Skiwear-Anbieter.  Foto: Hofer
Sasa Filipovic organisierte die FuckUp-Night in Dornbirn, Thomas Ebster berichtete über seine Erlebnisse als Skiwear-Anbieter. Foto: Hofer

Bei der FuckUp-Night erzählten Unternehmer über ihre (gescheiterten) Versuche, Erfolg zu haben.

Dornbirn. (cro) Selbstständige, die den Durchbruch noch nicht geschafft oder bereits Unternehmen in den Sand gesetzt haben, scheinen normalerweise nicht die geeignete Klientel zu sein, um einen Veranstaltungsraum zu füllen. Doch bei den sogenannten FuckUp-Nights steht gerade diese Personengruppe im Mittelpunkt. Aus einer Idee, die 2012 in Mexiko entstand, ist ein Round-up geworden, das sich auf der ganzen Welt ausgebreitet hat. Erstmals fand eine FuckUp-Night nun auch in Vorarlberg statt.

Lebenswege und Geschichten

Wirtschaftswissenschaftsstudent Sasa Filipovic lud mit Bernhard Mennel, Nicole Herb und Thomas Ebster drei Protagonisten ins Designforum nach Dornbirn, die ihre unterschiedlichen Geschichten und Lebenswege dem interessierten Publikum zum Besten gaben. Und dass diese tatsächlich Gehör fanden, wurde dadurch unterstrichen, dass der Raum praktisch bis auf den letzten Stuhl ausgebucht war. Viele im Auditorium waren selbst EPU oder Personen, die vorhaben, sich selbstständig zu machen. Sie erhofften sich wohl „Tipps“ zu bekommen, wie man es selber besser machen kann.

Gleich vorweg: Es ist nicht einfach, Menschen dazu zu animieren, über ihr persönliches Scheitern zu parlieren. Das erfuhr Filipovic, der sich nach einem abgebrochenen Studium mit anschließendem Studienwechsel selbst als Gescheiterter sieht, bereits im Vorfeld. So sagten etwa Teilnehmer kurzfristig ab. Dass es dem 33-Jährigen dennoch gelang, drei völlig unterschiedliche Typen auf das Rednerpult zu bekommen, spricht für ihn. Doch sich auf die Bühne trauen und Ursachen für das Scheitern preiszugeben, sind dann noch einmal zwei verschiedene Paar Schuhe. Ersichtlich wurde dies beim ersten Redner Bernhard Mennel, der sich zunächst damit begnügte, allgemeine Floskeln zum Besten zu geben, die er von einem Zettel ablas. Man spürte förmlich, dass da kein Siegertyp auf dem Stuhl saß. Erst das fragende Publikum lockte den nun als Unternehmens- und Ingenieursberater Tätigen etwas aus der Reserve. Der Grund für sein zweimaliges Scheitern war für Mennel den inneren und äußeren Umständen geschuldet. Ein Mal war es ein Bruderzwist, das andere Mal die Bankenkrise, die einen Erfolg verhinderten.

Beruflich und privat

Um ein ganz anderes Themenfeld ging es bei Nicole Herb. Die Agenturbetreiberin aus Dornbirn ist daran gescheitert, berufliche und private Beziehungen unter einen Hut zu bringen. Das erste Mal machte sie diese Erfahrung, als sie ihre Agentur mit zwei Freundinnen gründete und dann feststellen musste, dass sich Freundschaften und Geschäftsleben mitunter nicht immer vertragen. Ähnlich erging es ihr mit ihrem langjährigen Lebenspartner, mit dem sie geschäftlich ideal harmonierte, privat allerdings nicht. Für Herb eine bittere Erkenntnis, an der sie jedoch persönlich reifte.

360.000 Euro ausgeschlagen

Wie steinig der Weg ist, sich mit Skibekleidung ein Standbein aufzubauen, legte der dritte Protagonist dar. Dabei bewies der ehemalige Skilehrer Thomas Ebster auf der Bühne durchaus seine Entertainer-Qualitäten. Trotz aller geschäftlichen Mühen erzählte der Bludenzer flockig von den Herausforderungen des Unternehmertums, wenn das Geld respektive der finanzielle Background fehlen. Dabei hatten er und sein in Hongkong operierender Partner Florian Matt mit Jochen Schweizer vor einem Jahr einen potenten Investor an der Angel. Ebster war es in der Vox-Show „Die Höhle des Löwen“ gelungen, den millionenschweren Eventkönig für 33 Prozent der Firmenanteile zu einem Investment von 360.000 Euro zu überreden. Der Deal platzte jedoch, weil die beiden Vorarlberger Firmengründer keine Kompromisse eingehen wollten. Nun versuchen sie ihre Marke „iFlow“ allein auf dem Markt zu positionieren. „Die Chancen dafür stehen vielleicht 30:70“, ist sich Ebster bewusst. Sein Optimismus ist dennoch ungebrochen. Und gerade das schien vielen im Publikum, die sich selbst mit einer Idee beruflich verwirklichen wollen, viel Mut zu machen.