Der Abgasskandal zieht immer weitere Kreise

Markt / 13.01.2017 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nun hat auch Fiat Chrysler sein Abgasproblem. Doch mit Volkswagen will man sich keinesfalls vergleichen lassen. Foto: AFP
Nun hat auch Fiat Chrysler sein Abgasproblem. Doch mit Volkswagen will man sich keinesfalls vergleichen lassen. Foto: AFP

Nach VW haben nun auch Renault und Fiat Chrysler Ärger mit der Justiz. Diese bestreiten Abgasvorwürfe.

Turin. Wenn es um den Erzrivalen Volkswagen geht, klopft Fiat-Boss Sergio Marchionne gern markige Sprüche. Ein „Blutbad“ seien die angeblich aus Wolfsburg angezettelten Auto-Rabattschlachten, tönte der Manager schon mal. Dass ausgerechnet sein eigener Konzern jetzt nach VW als nächster großer Hersteller von den nicht minder zimperlichen US-Behörden wegen Abgas-Vorwürfen durchleuchtet wird, kann den Lenker der Fiat-Chrysler-Gruppe (FCA) nicht kalt lassen. Entsprechend griffig reagiert der Chef des italienisch-amerikanischen Konkurrenten. „Wer uns mit dem deutschen Unternehmen vergleicht, hat etwas Illegales geraucht“, sagte Marchionne am Freitag der Zeitung „La Repubblica“. 

Gerade erst schloss VW in den USA – fast eineinhalb Jahre nach Beginn des Abgas-Skandals – einen teuren Deal. Für 4,3 Milliarden Dollar kaufen sich die Deutschen frei, wobei aber Anklagen mit empfindlichen Strafdrohungen gegen sechs Manager weiterlaufen. Einer davon wurde in Miami festgesetzt und muss schlimmstenfalls mit lebenslanger Haft rechnen. Solch ein Szenario will sich wohl kein anderer Autobauer ausmalen.

„Keinerlei Betrug“

Ein Vergleich der Fälle ist bisher nicht möglich. Während VW selbst kriminelle Manipulationen zugab und wegen der Täuschungssoftware in den USA noch kostspieligere Entschädigungen für Kunden und Händler schlucken musste, gibt es bei Dieseln der FCA-Marken Jeep und Dodge heute nur den Verdacht, Stickoxid-Werte könnten gefälscht worden sein. Dies hatte das Umweltamt EPA in Washington mitgeteilt. Es geht um Software zur Abgaskontrolle, die Fiat Chrysler nicht offengelegt und so gegen Umweltgesetze verstoßen habe.

Ob es sich bei den bei Fiat Chrysler beanstandeten Programmen wie bei Volkswagen um illegale Abschalteinrichtungen („defeat devices“) handelt, muss laut EPA erst noch ermittelt werden. Marchionne versicherte aber: „Wir haben keinerlei Betrug begangen.“

Die EU-Kommission nannte die Anschuldigungen aus den USA gegen Fiat „besorgniserregend“. Man werde mögliche Auswirkungen für in Europa verkaufte Fahrzeuge prüfen, sagte eine Sprecherin. In Brüssel war von Schätzungen die Rede, wonach in der EU ungefähr 33.000 Wagen der beiden betroffenen Modelle von Jeep und Dodge im Umlauf sein dürften.

Renault unter Verdacht

Unterdessen leitete die französische Justiz Untersuchungen zu Abgaswerten bei Renault ein. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Täuschung, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Behörde meldete. Nach dem Beginn des VW-Skandals waren bei Tests in Frankreich Überschreitungen von Abgasnormen bei Renault festgestellt worden. Die Wettbewerbsbehörde ermittelte und übergab ihre Erkenntnisse im November der Justiz. Renault erklärte, noch keine offiziellen Informationen über ein Ermittlungsverfahren erhalten zu haben. Der Autobauer betonte erneut, dass er die Gesetzgebung einhalte und seine Fahrzeuge ordnungsgemäß zugelassen worden seien. Man habe keine Betrugssoftware eingesetzt.

Wer uns mit VW vergleicht, hat etwas Illegales geraucht.

Sergio Marchionne