Memmingen legt zu, Friedrichshafen verliert

Markt / 13.01.2017 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Memmingen freut man sich nicht nur über das zehnjährige Jubiläum der zivilen Luftfahrt, sondern auch über einen Rekord. Foto: Airport
In Memmingen freut man sich nicht nur über das zehnjährige Jubiläum der zivilen Luftfahrt, sondern auch über einen Rekord. Foto: Airport

Regionalflughäfen liegen nur 77 Kilometer auseinander, ziehen aber völlig unterschiedliche Bilanzen.

Schwarzach. (VN-reh) Für den Flughafen Friedrichshafen war das vergangene Jahr kein einfaches. So verlor man im Sommer 2016 die belgische Fluglinie VLM, die ebenso wie die Vorgänger-Airline Intersky ebenfalls in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und den Flugbetrieb im Juni wieder einstellte. Sie bediente die Strecken nach Berlin, Düsseldorf und Hamburg und war einer der wichtigsten Nutzer des Bodensee-Airports. Nach Angaben von Flughafensprecher Andreas Humer-Hager hatte VLM in Friedrichshafen rund 100.000 Passagiere im Jahr und so einen Gesamtanteil von knapp einem Fünftel. Das erklärt auch, wieso die Passagierbilanz für das Jahr 2016 recht bescheiden ist. Insgesamt 524.000 Passagiere wurden in Friedrichshafen abgefertigt. Schon im Jahr 2015 sank die Passagierzahl am Bodensee um sechs Prozent, der Flughafen machte einen Verlust von 1,6 Millionen Euro.

Ersatz gesucht

Während mittlerweile Köln angeflogen wird, sucht der Airport aber weiterhin nach einer Fluglinie, die Berlin und Hamburg anfliegt. Das gestalte sich allerdings schwierig, zitiert der SWR den Flughafensprecher. Zudem gingen dem Flughafen weitere Passagiere verloren, weil Turkish Airlines die Flüge aus dem Winterflugplan gestrichen hatte. Welche finanziellen Konsequenzen die gesunkenen Passagierzahlen für den Flughafen haben, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös abschätzen. Gut entwickelt habe sich indes die Verbindung nach Wien über Altenrhein der People’s Viennaline.

Genau 77 Kilometer weiter, am Flughafen Memmingen, zeigt sich ein völlig anderes Bild. Im vergangenen Jahr wurde nämlich das beste Ergebnis der Geschichte erzielt. Man verzeichnete einen Rekordwert von 996.714 Passagieren. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 12,8 Prozent. Heuer soll sogar die Millionengrenze geknackt werden. „Wir konnten unseren Aufwärtstrend aus dem Vorjahr eindrucksvoll fortsetzen“, sagt Geschäftsführer Ralf Schmid. Bereits 2015 konnte die Zahl der Passagiere um 17,8 Prozent gesteigert werden.

Osteuropa als Treiber

Getragen wird die positive Entwicklung vor allem von den Fluggesellschaften Ryanair und Wizz Air. Ryanair nahm mit Sofia ein osteuropäisches Ziel in ihr Streckennetz auf. Die ungarische Airline Wizz Air baute ihr Angebot nach Osteuropa im vergangenen Jahr gleich um fünf neue Destinationen auf mittlerweile 14 aus. Im März startete zudem die russische Airline Pobeda eine Verbindung nach Moskau. Osteuropa ist somit zu einem wichtigen Markt für den Flughafen Memmingen geworden. Hier könne noch echtes Wachstum erzielt werden, sagt Schmid, der aber auch darauf hinweist, dass sich das Wachstum aus mehreren Quellen speist. Denn auch die immer zahlreicheren Charter- und Ferienflüge würden sich in der Bilanz positiv niederschlagen. „Der aktuelle Flugplan bietet mit 22 Zielen das attraktivste Winterangebot in der Geschichte des Airports. Auch die 31 Ziele des Sommerflugplans 2017 sind bereits buchbar“, startet Schmid positiv ins heurige Jubiläumsjahr.

Im heurigen Jubiläumsjahr ist die Millio­nengrenze fällig.

Ralf Schmid
Die Fluglinie VLM stellte im Juni 2016 nach wirtschaftlichen Problemen den Flugbetrieb am Flughafen Friedrichshafen ein. Foto: Airport
Die Fluglinie VLM stellte im Juni 2016 nach wirtschaftlichen Problemen den Flugbetrieb am Flughafen Friedrichshafen ein. Foto: Airport