„Der Stopp ist richtig“

20.01.2017 • 21:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Prisma-Chef Bernhard Ölz im Gespräch mit Markt-Ressortleiter Andreas Scalet und Chefredakteur Gerold Riedmann (v. l.).  Foto: VN/Hartinger
Prisma-Chef Bernhard Ölz im Gespräch mit Markt-Ressortleiter Andreas Scalet und Chefredakteur Gerold Riedmann (v. l.).  Foto: VN/Hartinger

Projektentwickler Bernhard Ölz über Seestadt, Bürgerbeteiligung und Pläne.

Schwarzach. Das Aus für das Jahrhundertprojekt Seestadt Bregenz hinterlässt eine Reihe offener Fragen. Etwa, ob große Bauprojekte noch umgesetzt werden können, was auf dem Grundstück passiert und wie weit Bürgerbeteiligung gehen kann.

Die Seestadt ist endgültig abgesagt. Hätten Sie sich nicht viele Nerven gespart, wenn Sie die Entscheidung früher bekannt gegeben hätten?

Ölz: Aus heutiger Sicht ja, aus damaliger Sicht nein, weil wir schon die Hoffnung hatten, mit dem Erwirken des Baubescheids bei der Kostenevaluierung noch einen Erfolg zu erzielen. Wir hätten dann mit jenen, die Kostenvoranschläge gemacht haben, nachverhandelt. Aber was wir im Zuge dieser Diskussion wussten, ist, dass die Ansprüche der Öffentlichkeit nicht kleiner werden. Das war der entscheidende Punkt, um zu sagen, so schaffen wir es sicher nicht.

Aber es war doch im Sommer schon klar, dass es die Aufgabe war, 15 Prozent der Kosten wegzubringen.

Ölz: Das haben wir ja offen kommuniziert. Ich bitte um Entschuldigung, dass wir deshalb nicht so intensiv in die Diskussion eingestiegen sind, weil wir einfach eine Grundsatzentscheidung treffen mussten. Wenn wir den Baubescheid erhalten hätten, und wenn wir uns zum Weitermachen entschlossen hätten, dann hätten wir auch sehr intensiv über die Anliegen gesprochen.

Was geschieht denn nun auf diesem Grundstück?

Ölz: Diese Frage wird uns in der nächsten Zeit beschäftigen. Wir schauen, was langfristig machbar ist. Unsere Perspektive ist es nicht, den Parkplatz zu behalten. Wir wollen eine Phase, wo wir in Ruhe analysieren, was dort passieren kann. Wir haben keinen Plan für ein neues Projekt. Das Thema ist aber tatsächlich die Wirtschaftlichkeit im Untergrund und die Anzahl der Parkplätze.

Welche Stimmung spüren Sie bei Projekten gegenüber der Wirtschaft?

Ölz: Man hat das Gefühl, dass in der Bevölkerung schon einmal mehr Rückhalt gegenüber unternehmerischen Projekten gegeben war, die ja auch die Wertschöpfung sicherstellen. In der Seestadt wären durch die Wertschöpfung in den nächsten Jahren 650 Arbeitsplätze gesichert worden und 300 bis 400 in der Seestadt selbst. Wenn ich mir Betriebserweiterungen anschaue, dann ist es sehr wichtig, dass wieder das Gefühl da sein muss, wie wichtig es für das Land und den Wohlstand ist, wenn sich die Wirtschaft entwickeln kann. Gerade wenn es um Industriearbeitsplätze geht, müssen wir um jeden einzelnen kämpfen.

Damit solche innerstädtischen Projekte umgesetzt werden können, muss man verdichten.

Ölz: Diesen Herausforderungen stellen wir uns gerne. Wenn Gemeinden der Meinung sind, das soll erst in der nächsten Generation passieren, dann akzeptieren wir auch das. Wir halten sehr viel von der Baukultur in Vorarlberg, das heißt aber nicht, dass dichte Bebauung dagegen spricht. Dichte verkompliziert aber viele Dinge und die Ansprüche an den öffentlichen Raum. Da sind wir in Vorarlberg in einem Findungsprozess. In den Ortszentren ist durch die hohe Anzahl an Nachbarn und Miteigentümern eine höhere Komplexität vorhanden, und da ist manchmal ein Projekt nicht möglich.

Fehlt es auch an Unterstützung aus der Politik?

Ölz: Der Mut politischer Entscheidungsträger, gewisse Dinge umzusetzen, war auch schon ein anderer. Uneingeschränkte Zustimmung für ein innerstädtisches Projekt gibt es heute kaum noch. Bürgerbeteiligung ist grundsätzlich wichtig, aber man kann nicht alle Wünsche umsetzen.

Was bedeutet der Baustopp ganz konkret für Ihr Unternehmen?

Ölz: Das sind natürlich erhebliche Aufwendungen, die privat und nicht öffentlich finanziert werden. Wir haben vier Millionen Euro Kosten bei Dritten, die restlichen zwei Millionen teilen sich als interner Aufwand auf zwischen SES und Prisma. Wir haben damit überhaupt keine Freude, aber wir glauben, dass jetzt ein Stopp richtig ist.

Wenn wir 2025 in der Bregenzer Bahnhofstraße stehen, was werden wir sehen?

Ölz: Da sehen wir einen sehr schönen Bahnhof, eine sehr schöne Unterführung zum See und ein Grundstück, auf dem viele Optionen, die wir heute noch nicht kennen, verwirklicht wurden. Wenn Vorschläge kommen, werden wir uns das anschauen.