Fahrt geht in Richtung Ganzjahrestourismus

20.04.2017 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Obmann Markus Comploj (l.) übernimmt von Wolfgang Beck.
Obmann Markus Comploj (l.) übernimmt von Wolfgang Beck.

Neuer Seilbahnobmann Markus Comploj setzt auf Zusammenarbeit, Nachwuchs und das Potenzial des Sommers.

Dornbirn. (VN-reh) Neuschnee und Kaiserwetter bei der Vorstellung des neuen Obmanns der Vorarlberger Seilbahnen, Markus Comploj. Ein perfektes Wetter, um eine Wintersaison einzuläuten. Nur das Datum passt nicht dazu. „Das ist eben das Leben eines Seilbahners“, stellt Fachgruppengeschäftsführer Michael Tagwerker fest.

Markus Comploj, Geschäftsführer der Bergbahnen Brandnertal, folgt auf Wolfgang Beck, der zwölf Jahre lang der Fachgruppe vorstand und 22 Jahre im Ausschuss tätig war und in der Zeit „so viele Highlights erlebte, dass man sie nicht alle aufzählen kann“. Da wäre die Förderung für die kleinen Skigebiete oder die Verdoppelung der Zahl der teilnehmenden Schüler an den kostenlosen Schulskitagen, die Digitalisierung oder die Forcierung des Helms auf der Piste.

Comploj, den Beck als „motivierten Branchenkenner mit authentischem Enthusiasmus und viel Biss“ bezeichnet, will Bewährtes weiterführen, aber auch neue Akzente setzen. Drei Themen sind ihm dabei ein besonderes Anliegen. So soll die Zusammenarbeit mit
den Tourismusdestinationen verstärkt werden. Schließlich bringe es nichts, wenn die Destinationen Angebote schaffen, die nur im Tal funktionieren, und die Seilbahnen solche, die nur am Berg laufen. Im Miteinander gebe es noch viel Potenzial. Genauso will er die Seilbahnen in die Tourismusstrategie 2020 integrieren. Zudem soll ein Fokus weiter auf dem Pistensportnachwuchs liegen. Bei Schulskiwochen und Skitagen gebe es noch Potenzial. Bei einem Workshop mit 30 Schuldirektoren sei man übereingekommen, dass man hier noch viel bewegen kann.

Das dritte große Thema ist der Ganzjahrestourismus. „Den Winter stärken und den Sommer ausbauen“, nennt Comploj das Credo, um das Wertschöpfungspotenzial zu stärken. Einige Betriebe seien schon sehr gut unterwegs, so mancher würde bereits 30 Prozent des Umsatzes im Sommer verdienen. Auch in „seinem“ Brandnertal konnte man in den letzten vier Jahren dank Themenwanderwegen oder Bikepark die Zahl der Sommergäste um ein Viertel steigern.

Schneesicherheit wichtig

Den Winter zu stärken, bedeutet für Comploj nach einer schwierigen Wintersaison vor allem Schneesicherheit. Heuer habe sich einmal mehr gezeigt, dass jene Seilbahnen zu den Gewinnern zählen, die in die Beschneiung investiert haben. Der Gast komme nur, wenn das Angebot passt. Wobei Comploj Wert darauf legt, das als großes Ganzes zu sehen, von dem viele Branchen profitieren. „Der Gast in Vorarlberg gibt 150 Euro am Tag aus, nur 17 Prozent davon fließen zu den Seilbahnen, der Rest in Hotellerie, Gastronomie oder Handel.“

Ob die Zukunft der Seilbahnen auch in Skigebietszusammenlegungen liegt, darüber gehen die Meinungen naturgemäß auseinander. „Das muss jede Destination und Bahn selbst entscheiden“, sagt Comploj. Man werde aber jede Initiative unterstützen. Schließlich wisse man aus Befragungen, dass für den internationalen Gast die Größe eines Skigebiets massiv entscheidend sei. „Mit 120 Pistenkilometern oder mehr ist man deutlich sichtbarer.“ Somit seien Zusammenschlüsse maßgeblich für den wirtschaftlichen Erfolg.

Die Seilbahner setzen auf Ganzjahrestourismus und Vernetzung der Destinationen. Foto: Vn/Steurer
Die Seilbahner setzen auf Ganzjahrestourismus und Vernetzung der Destinationen. Foto: Vn/Steurer

Zur Person

Markus Comploj

Fachgruppenobmann der Seilbahnen

Geboren: 10. 9. 1977

Ausbildung: Diplomingenieur für Fertigungsautomatisierung, Facharbeiter für Maschinenbau, Executive Master of Business Adminstration

Laufbahn: Projektmanager NTC Sport, Direktor Savognin Tourismus, seit 2013 GF Bergbahnen Brandnertal