Eine ganz neue Normalität

26.04.2017 • 20:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Dorner, Risikovorstand Michael Alge, Vorstandsvorsitzender Wilfried Hopfner, Finanzvorstand Jürgen Kessler.  Foto: VN/Steurer
Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Dorner, Risikovorstand Michael Alge, Vorstandsvorsitzender Wilfried Hopfner, Finanzvorstand Jürgen Kessler. Foto: VN/Steurer

Raiffeisenbank trotzt mit erfolgreichem Geschäftsjahr dem turbulenten Umfeld.

Bregenz. (VN-reh) „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.“ Das Jahr 2016 brachte allerhand Turbulentes ans Tageslicht. Auf die Herausforderungen mit politischen Unsicherheiten, Brexit oder Niedrigzinsen mussten sich auch die Vorarlberger Raiffeisenbanken einstellen. „Die Dynamik hat sich erhöht, alles verändert sich mit hoher Geschwindigkeit“, sagt Vorstandsvorsitzender Wilfried Hopfner und nennt die Zeit unaufhaltsam, herausfordernd, spannend. Und dennoch: Die Regionalbank hat das Jahr erfolgreich gestemmt. Die Raiffeisen Bankengruppe Vorarlberg steigerte im Geschäftsjahr 2016 die Bilanzsumme, vergab mehr Kredite und erhöhte sowohl Kundeneinlagen als auch Eigenmittel. „Das Vertrauen in die Bank ist da“, resümiert Hopfner den Weg, auf bewährte Stärken zu setzen. Allein an die Vorarlberger Haushalte und Unternehmen wurden neue Kredite in Höhe von einer Milliarde Euro vergeben.

Noch nicht gänzlich wiederhergestellt ist indes das Vertrauen in die Finanzmärkte. Das sieht man am besten am verwalteten Wertpapierbestand der Kunden, der um fünf Prozent zurückging. Bei den meisten Kunden gehe Sicherheit vor Rendite. „Vor der Finanzkrise war das noch anders, der Schock sitzt bei manchen noch tief“, sagt Hopfner. Aktuell sehe man aber nun eine Trendwende. Die Nachfrage nach Wertpapieren lege wieder zu, die Beratung soll nun weiter vertieft werden. Die Kapitalmärkte hätten 2016 nach einem schwachen Start nämlich noch ein starkes Finish hingelegt, betont Finanzvorstand Jürgen Kessler. Letztlich konnten sich Anleger im DAX über ein Plus von sieben Prozent, jene im ATX von neun Prozent freuen.

Insgesamt konnte die Bankengruppe das verwaltete Kundenvermögen auf 11,3 Milliarden Euro steigern. Das Betriebsergebnis legte dank verbessertem Kostenmanagement um knapp elf Prozent auf 56 Millionen Euro zu. Dass das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um 10,6 Prozent auf 57,7 Millionen Euro zurückging, liegt hingegen daran, dass im Vorjahr eine Beteiligung verkauft wurde, die zu einem außerordentlichen Ergebnis führte. „Wenn ich diese 23 Millionen herausrechne, dann konnten wir das EGT auch 2016 steigern“, erklärt Hopfner.

Zunehmende Gesetzesflut

Einen Anstieg verspürt die Raiffeisenbank, wie viele andere Institute auch, bei der zunehmenden Gesetzesflut. „Seit neun Jahren kommen jährlich Tausende Seiten neuer Gesetze dazu“, sagt Risikovorstand Michael Alge. Bei allen müsse man darauf achten, ob man auch als Regionalbank davon betroffen sei, um dann gegebenenfalls Prozesse anzupassen oder Veränderungen in der IT vorzunehmen. „Das alles kostet Geld und oft sind es Kosten ohne Nutzen“, betont Alge, der aber auch einen Hoffnungsschimmer sieht, denn von Behördenseite vernehme man, dass künftig kleinere Banken von bestimmten Regelungen ausgenommen sein sollen, die für deren Geschäftsmodell wenig Relevanz haben.

Was den Risikovorstand zudem freut, ist, dass die Ausfälle und Wertberichtigungen bei Raiffeisen auf einem historisch niedrigen Niveau liegen. „Den Privatkunden und Unternehmen geht es gut“, nennt Alge den Grund. So liege man bei der „Non Performing Loan Ratio“, also dem Verhältnis der notleidenden Kredite zu den Gesamtkrediten, bei einem Wert von guten 3,4 Prozent.

Dann wäre da noch die Abgabenquote. Die Steuerbelastung der Raiffeisenlandesbank belief sich 2016 auf rund 18 Millionen Euro. Dazu kommen weitere zwei Millionen Euro für die Beiträge zum europäischen Bankenabwicklungsfonds sowie die nationale Einlagensicherung, rechnet Jürgen Kessler vor. Zumindest komme es ab heuer zu einer massiven Erleichterung bei der Bankenabgabe.

Verhalten optimistisch

Beim Ausblick für das Jahr 2017 ist man noch verhalten. „Es ist schwierig, das Umfeld richtig einzuschätzen“, sagt Hopfner, der damit rechnet, dass die EZB ihre Niedrigzinspolitik noch länger beibehalten werde. Eine Situation, die Sparer trifft und die Banken hinsichtlich Kalkulation herausfordert. Letztlich rechnet Hopfner für heuer aber mit einem guten Ergebnis, allerdings werden Betriebsergebnis und EGT wahrscheinlich leicht unter 2016 liegen.

2017 bringt der Raiffeisenlandesbank mit dem Egger Unternehmer Andreas Dorner auch einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden. Eine Tätigkeit, die der Nachfolger von Walter Hörburger „mit einer Mischung aus Elan und Respekt“ angeht.

Fakten und Zahlen

Raiffeisen Bankengruppe Vorarlberg: 1 Raiffeisenlandesbank, 21 selbstständige Raiffeisenbanken, 82 Bankstellen

» Bilanzsumme: 11,56 Mrd. Euro (+2,3%)

» Forderungen an Kunden: 7,7 Mrd. Euro (+4,4%)

» Einlagen von Kunden: 7,8 Mrd. Euro (+4,7%)

» Verwaltetes Kundenvermögen: 11,3 Mrd. Euro (+1,7%)

» Betriebsergebnis: 55,9 Mill. Euro (+10,9%)

» EGT: 57,7 Millionen Euro (-10,6%)

» Mitarbeiter: 1525 (-3,4%)

» Eigenmittel: 1,07 Mrd. Euro (+17,5%)

» Gesamtkapitalquote: 16,4%

» Kunden: 250.000 Privatkunden, 19.000 Firmenkunden