Ölpreis auf Tauchstation

Markt / 23.06.2017 • 18:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Patrick Schuchter
Patrick Schuchter

Rankweil. Was viele an den Zapfsäulen freut, ärgert Rohstoffinvestoren an den Börsen: Die Talfahrt beim Ölpreis hat heuer wieder Fahrt aufgenommen und drückte den Preis zuletzt auf ein neues Sieben-Monatstief – trotz verstärkter politischer Spannungen im Nahen Osten. Schuld daran sind die neuen Preismacher am Markt, die amerikanischen Fracking-Firmen.

Während bis vor wenigen Jahren noch das OPEC-Kartell die weltweiten Produktionsmengen und dadurch auch die Ölpreise diktierte, hat sich das Bild mittlerweile gedreht: US-Frackingfirmen können innerhalb weniger Stunden die Ölproduktion rauf- und runterfahren, Förderkürzungen durch die OPEC verpuffen dadurch oftmals wirkungslos. So auch ihre jüngste Ankündigung Ende Mai, die Produktion für die kommenden neun Monate um weitere 1,8 Millionen Barrel je Tag zu reduzieren. Dies wird vermutlich dazu führen, dass der Ölmarkt im zweiten Halbjahr 2017 zum ersten Mal seit langer Zeit in ein Angebotsdefizit dreht und dadurch die Nachfrage das Angebot übersteigt. Nichtsdestotrotz verlor der Ölpreis seit Jahresbeginn rund 20 % und befindet sich weiter in einem intakten Abwärtstrend. Der Grund dafür sind die schwachen Langfristaussichten: Ab Anfang 2018 dürfte die globale Ölproduktion das Angebot wieder um ein Vielfaches übersteigen und genau dann enden auch die jüngsten OPEC-Förderkürzungen. Die politisch angespannte Lage sowie die unterschiedlichen Interessen hinsichtlich der Förderquoten innerhalb der OPEC verkomplizieren die Sachlage zusätzlich. All dies führt dazu, dass die US-Ölfirmen weiter fördern, was das Zeug hält: Seit dem Tief im Mai 2016 stieg die Anzahl der Bohrlöcher in den USA um 136 Prozent auf aktuell 747 Stück an. Und theoretisch ist noch viel mehr drin: Das Hoch im Oktober 2014 lag bei über 1600 Bohrlöchern. Zwar ist ein solcher Anstieg angesichts der niedrigen Preise und der damit verbundenen Unrentabilität vieler Bohrlöcher nicht sehr wahrscheinlich, allerdings zeigt allein diese Zahl, über welche Förderreserven die USA noch verfügen. Somit sind starke Preisanstiege beim Öl kurz- und mittelfristig vermutlich nicht zu erwarten, ein Abfallen auf die alten Tiefs aber ebenso nicht, dafür ist das derzeitige Nachfrage-Angebotsverhältnis dann doch zu ausgeglichen.

patrick.schuchter@vvb.at,
Patrick Schuchter,
Vermögensverwaltung
Volksbank Vorarlberg