Völlig losgelöst

11.02.2018 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ulrich Meier, David Dobler und Thomas Entner (v. l.) entwickelten die Hyperscout-Kamera. VN/Paulitsch
Ulrich Meier, David Dobler und Thomas Entner (v. l.) entwickelten die Hyperscout-Kamera. VN/Paulitsch

Vorarlberger Hightech-Kamera in die Erdumlaufbahn geschossen.

Sulz, Jiuquan „Völlig losgelöst von der Erde schwebt die Kamera, völlig schwerelos.“ Major Tom, der mit seinem Lied zum musikalischen Evergreen wurde, hätte seine Freude mit der hyperspektralen Kamera „Hyperscout“, die am 2. Februar 2018 um 7.51 Uhr in Jiuquan  im Nordwesten Chinas ihre Reise mit der Trägerrakete Chang Zheng-2D antrat. Eine Freude, die er mit dem Team des Sulner Unternehmens Entner Electronic teilen kann. Der Flug der Kamera in die Umlaufbahn der Erde ist für die Mannschaft um Thomas Entner eine Premiere. Man habe zusammen mit dem niederländischen Unternehmen Cosine zwar schon öfter für die europäische Weltraumagentur ESA gearbeitet, aber dass das Produkt dann wirklich ins All geschossen wird, sei schon ein Highlight, freut sich Entner im VN-Gespräch.

Vom Keller ins All

Entner startete vor 15 Jahren im heimischen Keller in die Selbstständigkeit und entwickelt seither Elektronik für 3D-Kameras. Die Innovationen blieben nicht unbemerkt. Entner Electronic erhielt u. a. den Vorarlberger Innovationspreis für die Entwicklung der Elektronik für 3D-Kameras. Eingesetzt werden die Kameras mit dem Herz aus der Sulner Elektronikschmiede in Präsentationsgeräten, in der Industrie und im medizinischen Bereich, „überall dort, wo Mikroskope eingesetzt werden“, fasst es der Firmengründer zusammen. Nicht nur entwickelt wird in Sulz – auch produziert. 2017 verließen rund 5000 Stück den Betrieb.

Von der nun im Weltall schwebenden Kamera erhoffen sich die Entwickler – neben Entner sind das Betriebsleiter Ulrich Meier und David Dobler, der das Hardwaredesign erstellte – einen Erfolg am Markt. Die Kamera wird eingesetzt für die Erkennung von Veränderungen auf der Erde – vom Hochwasser über Feuer, Plankton und Algen bis zu Getreidefeldern, bei denen man damit z. B. erkennen kann, ob und wie sie von Krankheiten befallen sind. Die Kameras passen in sogenannte Cube-Sats, kleine zehn mal zehn Zentimeter große Satelliten, und können so programmiert werden, dass sie aus der Unmenge an gesammelten Daten nur das an die Erde senden, was tatsächlich wichtig ist.

Ein Asset, das die Kunden besonders zu schätzen wissen. Vor dem Raketenstart hatte Entner Electronic nur kurz, nämlich sechs Monate, Zeit, um das Produkt zu entwicklen. „Dabei mussten wir die Elektronik robust machen gegen Sonnenwinde und Strahlungen, die es auf der Erde nicht gibt“, sagt Betriebsleiter Meier.

Dafür wurde die Elektronik mit Protonen bestrahlt, auch Raketenstarts wurden simuliert. Der wirtschaftliche Erfolg und die Anerkennung in Fachkreisen bleiben nicht ohne Folgen. Das Unternehmen sucht Mitarbeiter mit der Entner-Innovations-DNA, doch die seien schwer zu finden, klagt der Firmenchef und hofft, dass Produkte wie „Hyperscout“ die Aufmerksamkeit guter Entwickler nach Sulz lenkt.

Und so sieht es aus, das Innenleben der Weltraumkamera aus Sulz. 
Und so sieht es aus, das Innenleben der Weltraumkamera aus Sulz. 
Robust eingepackt trotzt das elektronische Innenleben den Sonnenwinden. Cosine
Robust eingepackt trotzt das elektronische Innenleben den Sonnenwinden. Cosine