Kühlen Kopf bewahren

Markt / 30.03.2018 • 19:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vorarlberger Unternehmen installiert in Cambridge wegweisende Geothermie-Anlagen.

Cambridge, Röthis Cambridge ist nicht der schlechteste Ort, um wegweisende Projekte auf die Welt zu bringen. Die englische Universitätsstadt ist nicht nur für ihr Ruderteam bekannt, sondern vor allem für die Wissenschaft. Hier wirkten Isaac Newton, der vor Kurzem verstorbene Stephen Hawking und der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein. 92 Nobelpreisträger zählt die Universität Cambridge, ganz Österreich bringt es auf 21. Einen Nobelpreis wird das Vorarlberger Unternehmen Enercret nicht bekommen. Dennoch sei es eine besondere Ehre, so Enercret-Gesellschafter Stefan Wehinger, dass das Vorarlberger Geothermie-Unternehmen gleich zwei Leuchtturmprojekte im neuen Biomedical Parc der Stadt verwirklichen kann – und zwar deshalb, weil das 1981 gegründete Röthner Unternehmen internationaler Technologieführer und Weltmarktführer für oberflächennahe Geothermie zum Heizen und Kühlen von Gebäuden ist.

Höchste Ansprüche

Enercret hat den Auftrag für die neue Herz/Lungen-Spezialklinik, einen Cambridge University Health Partner, erhalten. Gleich nebenan vertraut einer der größten Pharmakonzerne weltweit auf die Expertise der Vorarlberger und regelt das Klima für das Forschungszentrum des Unternehmens. In diesem werden künftig rund 1200 Wissenschaftler tätig sein und dank Enercret kühlen Kopf beim Denken bewahren, ohne zu frieren. Voraussetzung für den Auftrag ist, dass die Heiz- und Kühlanlage absolut nie – und die Betonung liegt auf „nie“ – ausfällt. Kein Wunder, dass das Energiehaus für den streng abgeschirmten Forschungscampus so groß wie ein ordentliches Kraftwerk ist und sein Innenleben aus Rohren, Pumpen, Kesseln und Steuerungen Fachleute begeistert und Laien ehrfürchtig zurücklässt. Aber auch der Planer der beiden Anlagen, Klemens Hupp, ist beeindruckt. In Realität hat er die Anlage nämlich erst vor Kurzem zum ersten Mal begutachtet. Installiert wird die Anlage von Enercret-Mitarbeitern, die seit Monaten auf der Baustelle am Werk sind, mit Support von britischen Partnerunternehmen und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen auf der Baustelle. Dagegen sind Vorschriften und Bürokratie in Österreich harmlos, wie Projektleiter Martin Bitschi berichtet.

Enercret vertraut bei den Projekten auf Vorarlberger Partner: Die Verteilung der Wärme bzw. Kühle erfolgt über Zortström-Kessel, die vom Hohenemser Unternehmen Zortea entwickelt wurden. Die Produktion erfolgt in den Lochauer Diem Werken. Diese Partner zeichnen sich, so Stefan Wehinger, dadurch aus, dass sie die hohen Qualitätsanforderungen von Enercret und natürlich deren Kunden erfüllen. Von den Früchten dieser Zusammenarbeit überzeugte sich bei der Exkursion, an der Fachleute wie die deutsche Geothermie-Professorin Simone Walker-Hertkorn teilnahmen, auch Zortea-Geschäftsführer Martin Steinhart, der sich mit dem Enercret-Team über einen weiteren Großauftrag in England freuen darf. Mit Anfang April nimmt die Enercret UK Ltd. ihre Geschäftstätigkeit auf. Der Umsatz ist von zwei Millionen Euro 2012 auf etwa zehn Millionen Euro 2017 angestiegen. Der Exportanteil liegt bei 90 Prozent. Neben dem Vereinigten Königreich ist Deutschland der größte Markt für Enercret.

Enercret-Gesellschafter Stefan Wehinger in der Geothermie-Anlage im Biomedical Parc Cambridge: Die Klinik (li.) und das Energiehaus für das Forschungszentrum.Sca
Enercret-Gesellschafter Stefan Wehinger in der Geothermie-Anlage im Biomedical Parc Cambridge: Die Klinik (li.) und das Energiehaus für das Forschungszentrum.Sca