Das Spiel der Gegensätze

03.05.2018 • 16:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Maximilian Gössl wurde die Liebe zur Tracht in die Wiege gelegt. Er wird das Unternehmen in dritter Generation weiterführen. VN/Paulitsch
Maximilian Gössl wurde die Liebe zur Tracht in die Wiege gelegt. Er wird das Unternehmen in dritter Generation weiterführen. VN/Paulitsch

Trachtenmarke Gössl zwischen Tradition und Innovation. Wachstum als Ziel.

Schwarzach Seit 70 Jahren hat sich Gössl der Tracht verschrieben. Mit Maximilian Gössl steht bereits die dritte Generation in den Startlöchern. Er und sein Vater Gerhard befinden sich mitten im Generationenwechsel. „Es funktioniert sehr harmonisch“, sagt Maximilian Gössl im VN-Gespräch. Auch wenn sie unterschiedliche Typen mit unterschiedlichen Herangehensweisen seien. „In der Sache sind wir uns aber einig.“

In Vorarlberg ist Gössl in Schruns, Riezlern und am Arlberg vertreten. Zudem gibt es den Standort am Dornbirner Marktplatz, der vor acht Jahren eröffnet wurde und für den gerade ein Nachfolger gesucht wird. Insgesamt sieht sich Gössl hier gut aufgestellt. „Es ist ein stabiles, gutes Geschäft. Vorarlberg ist ein kleiner, aber wichtiger Markt“, betont Maximilian Gössl.

Der Trachtenspezialist hat rund 100 Handelspartner und betreibt insgesamt 40 Geschäfte in Österreich, Deutschland und Südtirol. Dazu gehören eigene Filialen und Shops, die von Franchise-Partnern geführt werden. „Unser Ziel ist aber immer, selbstständige Partner zu finden, die es wie ihr eigenes Geschäft betreiben, wie aktuell für Dornbirn“, sagt Gössl und gibt einen Ausblick auf seine ehrgeizigen Zukunftspläne. Die Zahl der Geschäfte soll sich in naher Zukunft nämlich verdoppeln. Insgesamt 80 bis 100 Shops in den Märkten Österreich, Schweiz und Süddeutschland sind das Ziel. Eventuell kämen auch Südtirol und Norddeutschland für neue Standorte in Frage.

Die Tracht, so traditionell sie auch ist, ist dabei genauso Trends unterworfen. Einmal werden kürzere, dann wieder lange Dirndl nachgefragt, um ein Beispiel zu nennen. Woher die Inspiration für die Entwürfe kommt? Neben Besuchen auf internationalen Stoffmessen oder kulturgeschichtlichen Anlehnungen nutzen die firmeninternen Designer auch das hauseigene Archiv, wo die Kollektionen der vergangenen 70 Jahre zu finden sind.

Dabei ist man es bei Gössl gewohnt, sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation zu bewegen. Das heißt auch, dass man mit Stoffen, die man von der Tracht kennt, nicht per se einen erzkonservativen Trachtenanzug fertigen muss. „Mit diesem Thema spielen wir seit Bestehen“, sagt Maximilian Gössl. Tracht werde im Unternehmen lebendig gelebt. „Es gibt konservativere Kunden, die zu Klassikern greifen. Genauso haben wir innovativere Modelle, mit denen wir uns weiter hinausbewegen. Aber letztlich lässt sich beides gut kombinieren“, erklärt Gössl, der in manch einem Katalog auch selbst Modell steht.

Tracht zu tragen, das war für ihn als Kind schon so normal wie auch naheliegend. Genauso wie die Entscheidung, das Salzburger Familienunternehmen zu übernehmen. „Mein Vater war immer ein Vollblutunternehmer mit vielen Projekten. In Gössl ist alles drin, was auch ein großer Konzern hat. Es ist eine starke Marke und eine Innovationsmaschine.“ Das sieht man an den Tätigkeiten der Mitarbeiter. Zwei Drittel von ihnen sind in den Bereichen Produktentwicklung und Design tätig, nur ein kleiner Teil in Verwaltung und Logistik. Zudem ist Gössl nicht nur reiner Produzent, sondern mit der Aufstellung im Einzelhandel auch vertikal ausgerichtet. „So wie alle großen, erfolgreichen Textilkonzerne“, sagt Gössl. Insgesamt sei es eine spannende und zugleich fordernde Spielwiese.

Schwankend ist gut

Das Salzburger Unternehmen sieht sich dabei klar im Premium-Segment verankert und mit den „Meisterwerken“, Anfertigungen in geringen Stückzahlen, auch im Luxussegment. Trachtenoutlets seien da eine völlig andere Welt. Anders ist auch die Geschäftsentwicklung. „Für uns läuft es gut, wenn die Wirtschaft volatil ist. So lief es auch in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 positiv für uns“, betont Gössl. Der Grund? In wirtschaftlich schwankenden Zeiten besinnen sich die Menschen vermehrt auf regionale Produkte, in die sie Vertrauen haben.