„Keine Chance mit 08/15-Fenstern“

15.05.2018 • 20:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Fenstererzeuger (Bild: Hartmann Fensterbau) setzen auf Holz und Innovation im Wettbewerb.VN/Stiplovsek
Vorarlberger Fenstererzeuger (Bild: Hartmann Fensterbau) setzen auf Holz und Innovation im Wettbewerb.VN/Stiplovsek

Vorarlberger Fenstermacher suchen Erfolg in Nischen.

Schwarzach Die Vorarlberger Fensterproduzenten sind in jüngster Zukunft mehrfach in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Gleich zwei große Spieler am Fenstermarkt mussten Tribut im harten Wettbewerb zahlen. Das Kunststofffensterwerk Gaulhofer in Mäder verkündete im April das Ende der Produktion bis 2019. 60 Mitarbeiter sind vom Ende der Kunststofffenster-Produktion betroffen. Vergangene Woche kündete Vorarlbergs Marktführer im Fensterbau, Zech Fenster, die Insolvenz von vier Unternehmen der Gruppe an. Kostendruck und Zahlungsausfälle sind laut Firmeneigner Roman Zech der Grund für die wirtschaftliche Schieflage und die Notwendigkeit einer Neuaufstellung, die mit 50 Mitarbeitern weniger gelingen soll.

„Der Kostendruck besteht schon seit Jahren, das ist nicht neu“, sagt dazu Tischler-Innungsmeister, Karl Baliko gegenüber den VN und verweist darauf, dass der Markt in Vorarlberg äußerst umkämpft ist. 40 Unternehmen produzieren im Land Fenster, im freiwilligen Interessenverband „Die Venstermacher“ sind 28 davon organisiert.

„Mit 08/15-Produkten hat man keine Chance“, stellt der Hörbranzer Fensterhersteller Manfred Sigg fest. Man müsse hohe handwerkliche Qualität und Innovationen bieten, um Aufträge zu lukrieren. Im Siedlungsbau, berichtet er, gehen so gut wie alle großen Aufträge der Vorarlberger ins Ausland, wo einfache Lösungen einfach günstiger produziert werden. „Das kann ich nicht bekämpfen, deshalb suche ich einen eigenen Weg.“ Die Venstermacher fertigen keine Kunststofffenster, sie haben sich auf Holz und Holz/Alu spezialisiert und arbeiten mit Holz aus heimischen Wäldern, erklärt Matthias Ammann, Geschäftsführer der Venstermacher. Er wünscht sich, dass zumindest öffentliche Auftraggeber einen Regional-Bonus einführen, um den heimischen Herstellern etwas Luft zu verschaffen. Innungsmeister Baliko glaubt nicht, dass sich der Wettbewerb durch die Marktbereinigungen wesentlich entspannt, allerdings sieht er die Betriebe gut aufgestellt. Darüber zu lamentieren, dass Firmen aus anderen EU-Ländern ein Stück vom Vorarlberger Markt wollen, sei müßig, damit müsse man umgehen. VN-sca

„Die Branche ist nicht in der Krise. Aber es macht Sinn, wenn man sich spezialisiert.“

Vbg. Fenstermarkt

Umsatz Holz/Holz-Alu-Fenster gesamt 130 Mill. Euro

Umsatz Fenster Vbg. Produktion 75 Mill. Euro

Umsatz Venstermacher (28 Betriebe) 45 Mill. Euro

Mitarbeiter Vorarlberg 600, Lehrlinge 70