Natur und Netz im Fokus der Wiener Städtischen: Wandel in der Versicherungsbranche

Markt / 24.03.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wiener Städtische Vorstand-Doris Wendler und Landesdirektor Burkhard Berchtel beim Gespräch in der VN-Redaktion. VN/Scalet
Wiener Städtische Vorstand-Doris Wendler und Landesdirektor Burkhard Berchtel beim Gespräch in der VN-Redaktion. VN/Scalet

Vorstandsdirektorin Doris Wendler (48) über Risikobewusstsein der Vorarlberger Wirtschaft und die neuen Herausforderungen an die Branche.

Wien, Feldkirch Nicht nur die produzierende Wirtschaft lebt in disruptiven Zeiten, die Digitalisierung mit all ihren Facetten verändert auch die Versicherungsbranche und den Versicherungsmarkt. International und in Vorarlberg. „Wir haben nicht nur die Digitalisierung als Herausforderung, gleichzeitig ist unsere Branche mit ständig neuen Regulatorien und Bedingungen konfrontiert“, so die Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen Versicherung, Doris Wendler, im Gespräch mit den VN.

Neue Herausforderungen

Die Herausforderungen scheinen das Engagement der Versicherer nicht zu bremsen, denn die Wiener Städtische, die in Vorarlberg 90 Mitarbeiter beschäftigt und fleißigster Lehrlingsausbilder der Branche mit zehn Lehrlingen ist, konnte „dank unserer Mitarbeiter und neuer Produkte, die maßgeschneidert für unsere Kunden sind“, so Vorarlberg-Direktor Burkhard Berchtel, konnte sich 2018 weiter steigern. Das Prämienaufkommen 2018 beträgt in Vorarlberg 99 Millionen Euro.

Sehr nachgefragt werden in der Wirtschaft Versicherungen gegen Cyberangriffe. Wie wichtig ein solcher Schutz ist, zeigt der Hackerangriff auf die internationale Hydro-Gruppe und ihre Vorarlberger Niederlassung in Nenzing, die mit Produktionsausfällen und erheblichen Kosten einhergeht. Besonders wichtig ist das natürlich für große Konzerne, aber eben auch für kleine und mittlere Unternehmen, die keine eigene IT-Abteilung haben. „Ein Ausfall kann einen Betrieb ruinieren“, so Berchtel. Bei der Beratung und Versicherung dieser Risiken wird der Kunde schon im Vorfeld begleitet, damit ein Angriff gleich gar nicht möglich ist.

Gut angenommen wurde auch der Manager- und Geschäftsführer-Schutz, so Wendler, die im Konzern für Schaden und Unfall im Privat- und Gewerbekundenbereich zuständig ist. Denn nicht nur die Versicherung stöhnt unter neuen Bestimmungen, viele neue Vorschriften sind auch Fallstricke für Unternehmen, so die gelernte Mathematikerin, die dabei unter anderem auf Datenschutzgrundverordnung und Compliance-Vorschriften hinweist. Für die Wirtschaft sei man auch deshalb ein guter Partner, weil man die Firmen weltweit begleiten könne, so Berchtel. Und man nach wie vor Ansprechpartner vor Ort habe, die die oft schwierige und immer vielfältige Materie kennen und so die richtige Versicherung anbieten können. Überhaupt setze man auch weiterhin auf persönliche Berater. Der Kontakt mit den Kunden sei auch im digitalen Zeitalter für die Wiener Städtische essentiell. „Wir machen das eine, ohne das andere zu vernachlässigen“.

Absicherung für Gemeinden

Neben den Gefahren aus dem Netz, drohen aufgrund der Änderung des globalen Klimas auch verstärkt Naturgefahren, die große Schäden anrichten können. Seit Jahren schlägt die Versicherungswirtschaft deshalb eine Solidarversicherung nach Schweizer Vorbild vor. Bis es soweit ist (wenn überhaupt), decke man aber mit individuellen Versicherungslösungen auch diese Gefahren ab. Neben dem umfassenden Schutz der Wirtschaft von Ein-Personen-Unternehmen bis zum Großkonzern, hat die Wiener Städtische erst in dieser Woche mit dem Gemeinde Aktiv Schutz ein Produkt vorgestellt, das auch Kommunen absichert. „Als einzige Versicherung Österreichs schließen wir damit die Lücke zwischen Gemeinde und Organhaftpflichtversicherung“, so Wendler.

Auf der „To Do“-Liste stehen derzeit Versicherungen für den Bereich „privat Smart Home“ und „Autonomes Fahren“. Die Zeiten bleiben für Versicherungen spannend und für die Kunden oft gefährlicher als auf den ersten Blick zu erkennen.

Wiener Städtische 2018

Vorarlberg 90 Mitarbeiter, 10 Lehrlinge

Prämien 2018 99 Millionen Euro

Direktion Burkhard Berchtel

Österreich 4000 Mitarbeiter

Vorstand Unfall/Schaden Doris Wendler

Prämien 3,839 Mrd. Euro

Ergebnis vor Steuern 170,4 Millionen Euro