Gutes Gewissen und Rendite: Diese Chancen bieten ethische Veranlagungen für Investoren

26.03.2019 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
VN-Gäste: Peter Scherbaum, Alexander Adrian und Christian Fegg. VN/Paulitsch
VN-Gäste: Peter Scherbaum, Alexander Adrian und Christian Fegg. VN/Paulitsch

Nachhaltiges Investieren gewinnt an Bedeutung. Nicht nur wegen des guten Gewissens. Es bringt auch Rendite, sagen die Schoellerbank-Experten.

Schwarzach Investieren mit gutem Gewissen ist immer stärker gefragt. Viele Anleger wollen Veranlagungen, die ethische oder nachhaltige Kriterien erfüllen. Aber was bedeutet es überhaupt, ethisch zu investieren und welche Definitionen gibt es dafür?

Die Schoellerbank beschäftigt sich seit dem Jahr 2006 mit ethischen Anlagen. Bei der Auswahl werden die Unternehmen zunächst nach Ausschlusskriterien gefiltert. Wer in den Bereichen Atomenergie, Militär, Pornografie, genmanipulierte Lebensmittel, Schwangerschaftsverhütung, Alkohol, Tabak oder Glücksspiel tätig ist, dessen Aktie schafft es nicht in eine ethische Veranlagung. „Die Ausschlusskriterien sind auch ein Schutz für Anleger“, sagt Peter Scherbaum von der Schoellerbank in Bregenz.

Letztlich werden Unternehmen ausgewählt, die in ihrer Branche hinsichtlich Sozial- und Umweltstandards führend sind. Dabei haben sich die sogenannten ESG-Kriterien als Standard durchgesetzt. Sie stehen für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Als zweiten Ansatz verfolgt man bei der Schoellerbank jenen nach den Richtlinien der Österreichischen Bischofskonferenz, die noch strikter, weil um christliche Werte ergänzt sind.

In der dritten und letzten Phase werden schlussendlich noch jene Unternehmen miteinbezogen, die zwar in grundsätzlich ethisch kritischen Sektoren tätig sind, sich aber durch außerordentlich positive Engagements und Aktivitäten (beispielsweise durch hohe Investitionen in alternative Energieträger) hervorheben.

Weder gut noch böse

Generell gehe es bei ethischen Investments nicht um gute oder böse Unternehmen, sondern um deren Veränderungsbereitschaft, sagt Alexander Adrian, Fondsmanager der Schoellerbank Ethik Vorsorge, im VN-Gespräch. Denn das sei letztlich auch der entscheidende Punkt, wenn es um kontrovers diskutierte Unternehmen wie Nestlé geht. Der Schweizer Konzern steht aufgrund der Wasserrechte stark in der Kritik, hat aber wiederum in anderen Bereichen ein hohes Engagement. Die Schoellerbank habe Nestlé dennoch vom Bereich Ethik ausgeschlossen. Wichtig, so Christian Fegg, Leiter des Asset Managements bei der Schoellerbank, ist es bei den Diskussionen um Nestlé und Co., zu beachten, dass gerade große Ethikfonds einen gewissen Druck auf Unternehmen ausüben können, sich Gedanken über ihr Handeln zu machen. Für ein Unternehmen sei es schwierig, wenn eine so wichtige Investorengruppe aufgrund von offensichtlich unethischem Verhalten wegfalle. Bei Apple beispielsweise führte die starke Kritik aufgrund der Selbstmordserie beim chinesischen Zulieferer Foxconn dazu, dass Veränderungen vorangetrieben wurden. „Durch den Druck von Investoren werden Dingen verbessert“, ist Fegg überzeugt.

Gutes Gewissen ist das eine, Rendite das andere. „Insgesamt hat der Investor bei einer Ethikveranlagung mit Sicherheit keinen Nachteil“, sagt Fegg.

Asien interessant

Unabhängig von der Ethik betrachtet die Schoellerbank die Aussichten für Investoren als sehr gut. „Wir sind nach wie vor Aktienfans“, sagt Christian Fegg. Vor allem Asien mit Japan sei ein sehr interessanter Markt, denn in China finde man Pessimismus und Aktien mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das sei aus antizyklischer Betrachtung gut. „Je mehr Optimismus irgendwo herrscht, desto skeptischer sind wir. Perspektivisch sehen wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren dort eine hohe Rendite“, so der Börsenexperte. Auch in den USA gehe die Rally weiter. Gefährlich werde es erst, wenn die Euphorie zurückkomme.

Der Brexit sei indes am Börsenparkett in der Wichtigkeit nach unten gerutscht. Ein Handelskrieg zwischen den USA und China wäre ein viel größeres Thema. Dann könnte der Aufschwung in einen Abschwung übergehen. Insgesamt würden Aktien aber auch aufgrund der Zinssituation alternativlos bleiben. Die Zinsen, so Christian Fegg, werden seiner Einschätzung nach dauerhaft tief bleiben, vor allem aufgrund der hohen Schuldenlast bestimmter Staaten.