Vorarlberger Unternehmer sagen übermäßigem Zuckerkonsum den Kampf an

Markt / 02.04.2019 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Österreicher nehmen mit 92 Gramm pro Tag zu viel Zucker in Rohform zu sich. Spar-Chef Drexel (l.) und Rauch-Chef Schwald wollen einen Beitrag leisten. VN

Spar ruft „Allianz gegen zu viel Zucker“ ins Leben. Unterstützung erhält der Betrieb unter anderem von Rauch und der Ärztekammer.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Es ist ein Aufruf zur Revolution der Evolution des Geschmacksempfindens; sozusagen eine Gegenthese zum „Survival of the Sweetest“. Zucker sei zur Volksdroge geworden und dafür mitverantwortlich, dass die Welt immer „fetter und fetter“ werde, sagt der Arzt Markus Metka, Präsident der Österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft. Der gebürtige Vorarlberger gehört zu den Unterstützern der „Allianz gegen zu viel Zucker“, die auf Initiative des Handelsunternehmens Spar gegründet und am Dienstag vorgestellt wurde. Mit dabei ist unter anderem auch die Österreichische Ärztekammer und die Rauch Fruchtsäfte GmbH.

Weniger Zucker in eigenen Produkten

Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender von Spar, möchte die Geschmacksevolution beeinflussen, indem er in Spar-Produkten Zucker reduziert, ohne ihn mit Süßstoffen zu ersetzen. „Am Ende heißt das noch mehr Genuss.“ Schließlich wären die eigentlichen Zutaten dann geschmacklich präsenter. 

Drexel hatte bereits 2017 angekündigt, die 248 Spar-Produkte bis Dezember 2020 um 1000 Tonnen Zucker zu erleichtern. „575 Tonnen haben wir schon geschafft. Das sind 155,3 Millionen Stück Würfelzucker oder fast 40 Lkw vollgepumpt mit Zucker, die nicht mehr durch unsere Körper wandern.“ Ein Beispiel sei das Spar-Apfelmus, keines davon enthalte noch zugesetzten Zucker. Alleine bei der Sorte von S-Budget bringe das eine jährliche Ersparnis von 14 Tonnen. Das Spar-Bio-Ketchup enthalte statt 21 nur noch 14 Gramm Zucker. Bei allen Spar-Ketchups sei um 25,7 Tonnen eingespart worden. Beim Senf hat sich der Zuckeranteil unterm Strich um 9,9 Tonnen reduziert. Wenn man keine zu großen Sprünge mache, merke der Konsument fast nichts.

Rauch-Geschäftsführer Wolfgang Schwald stimmt zu: „Gehen wir peu à peu mit dem Zucker zurück, haben wir am Ende noch immer ein gefälliges Produkt.“ Der Rauch-Eisteee enthalte heute etwa um 30 Prozent weniger Zucker als 1993. Den Konsumenten schmecke es weiterhin. In kleinen Schritten komme man also zum Ziel.

Aktionsplan für die Politik

Weniger Zucker führe zu einem gesünderen Leben, unterstreicht auch Friedrich Hoppichler vom Verein für Gesundheitsförderung. Was die Politik nicht schaffe, werde jetzt von der neuen Allianz aus Industrie und Medizinern in die Hand genommen. Es habe schon viele Lippenbekenntnisse von vielen Ministern gegeben. Gemacht hätten sie trotz aller Aufrufe aber nichts, sagt Hoppichler. Ein weiterer Appell sei daher nötig. In einem Aktionsplan fordern Spar und Co. die politisch Verantwortlichen also auf, an Schulen mehr Bildungsangebote zu gesunder Ernährung zu schaffen. Für die dortigen Getränkeautomaten oder Mittagstische brauche es Qualitätskriterien. Gleichzeitig lädt die Allianz alle Lebensmittelproduzenten und Händler ein, Zucker in ihren Produkten zu reduzieren.

Nicht zuletzt seien auch die Medien gefordert, verständliche Informationen über die Folgen übermäßigen Zuckerkonsums zu liefern: Von Karies über eine Fettleber und Übergewicht bis zu Diabetes. Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, gibt es laut Hoppichler eine einfache Lösung. Es müsste nicht dem Leben, sondern nur den Lebensmitteln ein bisschen Süße genommen werden. VN-ebi