1. Mai: „Die Sozialpartnerschaft liegt im Koma“

01.05.2019 • 06:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Barbara Teiber: „Dinge gehen nicht in Richtung der Arbeitnehmer.“ VN/PAULITSCH

Gewerkschaftsvorsitzende Barbara Teiber(GPA-djp) zieht eine durchwachsene Bilanz.

Wien, Schwarzach Barbara Teiber (42) ist seit Juni 2018 Vorsitzende der mächtigen Gewerkschaft der Privatangestellen, Druck Journalismus Papier, hat ein anstrengendes erstes Jahr an der Spitze ihrer Organisation hinter sich. Wenn man sie hört, geht es so weiter. Die schwarz-blaue Regierung hat für die Gewerkschaft durchaus auch gute Seiten, nämlich dass sich Arbeitnehmer wieder auf die Notwendigkeit ihrer Organisation besinnen und die GPA wie andere Teilgewerkschaften nach Jahren des Rückgangs wieder einen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Doch wenn sie Bilanz zieht, wie beim Gespräch mit den VN im Vorfeld des heutigen 1. Mai, ist diese „eindeutig negativ“.

„Ein Ende gefunden“

Sie zählt einiges auf, was für die Arbeitnehmer aus ihrer Sicht schlechter geworden ist: „Sozialversicherung, Arbeitszeitverlängerungsgesetz, Karfreitag, Papa-Monat.“ Als Gewerkschaft könne man nicht für diese Regierung sein. „Wir können nicht mehr an dieser Politik mitwirken“, sagt sie und diagnostiziert: „Die Sozialpartnerschaft liegt im Koma. Es ist traurig, aber die Partnerschaft, die uns zu einem der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder gemacht hat, hat ein Ende gefunden.“ Auf politischer Ebene sei die Sozialpartnerschaft auf dem Abstellgleis, bei den Kollektivvertragsverhandlungen funktioniere sie. Dennoch wurden die Verhandlungen in fast allen Berufsgruppen mit größter Härte ausgefochten. Streikdrohungen und Betriebsversammlungen waren an der Tagesordnung. Man habe aber nicht nur gute Lohnabschlüsse erzielt, sondern auch Fortschritte in anderen arbeitsrechtlichen Themenbereichen erreicht. Die Gewerkschaftschefin sieht durchaus auch Unternehmer, die in manchen Bereichen dieselben Ziele wie die Arbeitnehmervertretung verfolgen. Mit ihnen wolle man enger zusammenarbeiten. Allianzen versuche die Gewerkschaft mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, etwa Bürgerinitiativen zu schließen, um sich gegen arbeitnehmerfeindliche Tendenzen zu wappnen.

Dass die harte Politik der Gewerkschaft parteipolitisch motiviert sei, weist Teiber von sich. Die Linie der Gewerkschaft sei eine interessenpolitische, da gebe es fürwahr genug Themen für die nächste Zukunft.

Zur Person

Geboren 5. August 1977 in Wien

Ausbildung Studium Volkswirtschaft, MA in Political Management

Laufbahn seit 2001 in verschiedenen Positionen bei GPA djp, seit 2018 Vorsitzende und stv. Präsidentin der AK Wien.