Ein Prozess in vielen Schritten: Daniel Zerlauth leitet die Geschicke bei Tecnoplast

Markt / 11.06.2019 • 10:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
VN/LERCH

Daniel Zerlauth ist externer Nachfolger bei Tecnoplast. Nur steuerlich hat das seine Tücken.

Höchst Verantwortung zu übernehmen, war immer ein Konstante in Daniel Zerlauths (39) Berufsleben. Nach der HTL und dem Wirtschaftsstudium führte ihn sein Weg zunächst in die Wirtschaftskammer, wo er als Geschäftsführer im Gewerbe und Handwerk tätig war, bevor er zu Sodexo wechselte. „So habe ich über die Jahre sowohl die Wirtschaftspolitik als auch die Konzernstruktur kennengelernt“, sagt Zerlauth.
Dann aber kam eine Anfrage, die noch einmal eine große Portion mehr Verantwortung bedeutete. Von Frank Böhler (60), Inhaber und Geschäftsführer von Tecnoplast, dem Spezialisten für Spritzgusslösungen für Metall und Kunststoff. „Wir kannten uns aus Wirtschaftskammer-Zeiten, haben uns immer gut verstanden, dann aber aus den Augen verloren“, erzählt Zerlauth. Umso überraschender war dann auch der konkrete Vorschlag, ob er sich denn vorstellen könne, seinen Betrieb zu übernehmen.
Vom Geschäftsführer zum Unternehmer? Sofort zugesagt hat Zerlauth nicht. „Ich habe mir die Frage gestellt, wohin der Weg des Unternehmens führen kann, und natürlich gab es intensive Gespräche mit der Familie. Schließlich bedeutet eine Übernahme auch eine Investition von Zeit und Geld.“ Vor der Verantwortung für Tecnoplast und seine 75 Mitarbeiter hat er sich indes nicht gescheut. Auch nicht vor der Herausforderung Technik. „Tecnoplast hat eine gewisse Größe. Ich kann mich im Bereich Unternehmenssteuerung einbringen und mich gleichzeitig auf unsere Technik-Spezialisten verlassen.“

Schrittweise Übernahme

Seit 2016 ist Daniel Zerlauth nun Geschäftsführer von Tecnoplast. Frank Böhler ist nach wie vor im Unternehmen aktiv. Nicht mehr in der operativen Steuerung, dafür noch bis zum 65. Geburtstag in der Projektleitung und im Verkauf. Die Übernahme erfolgt somit etappenweise. Wie es bislang funktioniert? „Es ist ein Prozess mit vielen kleinen Schritten. Es funktioniert immer besser, auch wenn es natürlich Reibungsverluste gibt. Denn Frank ist ein 140-Prozent-Mann. Aber das Nachfolgeszenario ist nun deutlich greifbarer“, sagt Zerlauth. Auch das Bewusstsein seitens der Mitarbeiter, wer denn nun der Chef ist, habe seine Zeit gedauert.
So viel Vorteile das Unternehmertum bezüglich Gestaltung und Selbstverwirklichung hat, eine Nachfolge sei kein Selbstläufer. „Im ersten Schritt ist es in der strategischen Unternehmensentwicklung meist ein ressourcenfressender, behindernder Faktor. Erst nach einer gewissen Zeit des Anpassens, des Miteinanders und der Strukturierung der Situationen zeigen sich Positiveffekte“, sagt Zerlauth, dem vor allem wichtig ist, nicht nur das Erbe anzutreten, sondern auch die Werte und Errungenschaften von Frank Böhler weiterzutragen und die Freiheit zu haben, diese bei Bedarf auch neu zu interpretieren.
Während es also menschlich und unternehmerisch sehr gut läuft, gestaltet sich die familienexterne Übernahme steuerrechtlich umso schwieriger. Die Möglichkeit, über ein Prämiensystem Anteile zu erwerben, habe der OGH gekippt. „Es gibt zwar einen Steuerfreibetrag von 3000 Euro für die begünstigte Beteiligung an Unternehmen. Dies kommt aber nur für Mitarbeiter von börsennotierten Gesellschaften infrage. Tatsächlich bedeutet das, dass Nachfolger im KMU-Bereich wie ich umfangreiche gesellschaftsrechtliche und steuerliche Hürden bewältigen müssen, um eine Rechtsnachfolge überhaupt abbilden zu können“, so Zerlauth über die Erschwernis, die seiner Meinung nach der Gesellschaft nicht nur Zigtausende Arbeitsplätze koste, sondern auch den Verlust von kollektivem Wissen und vor allem das Engagement von Menschen, die bereit seien, Verantwortung für andere zu übernehmen.

Entwicklungen für Kunden

Die Zukunft von Tecnoplast sieht Zerlauth vor allem in der Fokussierung auf eigene Entwicklungen für Kunden. War man früher noch reiner Lohnfertiger, dreht sich heute alles um persönliche Servicierung. „Wir werden nicht aufhören, uns den Hintern aufzureißen, bis wir eine gemeinsame Lösung gefunden haben“, umreißt Zerlauth die Philosophie. Auch wenn die Fachkräftesituation keine leichte sei. Vor allem auch, weil man als Unternehmen im grenznahen Raum in einem unfairen Wettbewerb mit dem Arbeitsmarkt der Schweiz und Liechtenstein stehe. „Grenzgänger bezahlen eine Quellensteuer im Ausmaß der vollen Lohnsteuer im Land der Beschäftigung – für Schweizer Arbeitskräfte ist das uninteressant.“
Mit Tecnoplast sieht sich Daniel Zerlauth aber gut aufgestellt. „Mein Ziel ist es, auch in der kommenden, disruptiven Geschäftswelt ein erfolgreiches, zukunftsfähiges Unternehmen sicherstellen zu können.“ Und in Bezug auf Frank Böhler? „Dass er eines Tages sagt, dass ich ein würdiger Nachfolger bin.“

geboren 25.8.1979

Ausbildung HTL, Wirtschaftsstudium

Laufbahn GF WKV, Leiter FL/Vlbg. Sodexo

Zu Tecnoplast

Entwicklungspartner technischer Kunststoff-Funktionsteile, Technologiepartner Metal Injection Molding

Standorte Höchst (60 Mitarbeiter, zehn Lehrlinge, 30 Maschinen), Slowakei (15 Mitarbeiter, 15 Maschinen)