Voest verlangt teilweise Stromkosten-Refundierung

Markt / 03.09.2019 • 13:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Eibensteiner: „Das Geld könnten wir in CO2-Senkung investieren.“

Wien, Linz Der neue voestalpine-Generaldirektor Herbert Eibensteiner möchte – nach dem Vorbild anderer Länder – eine teilweise Kompensation der CO2-Zertifikate-Kosten von 100 Mio. Euro, die der Stahl- und Technologiekonzern im Rahmen des Emissionshandelssystems (ETS) im Jahr zahlen muss. In 11 EU-Staaten gebe es einen solchen Stromkostenausgleich, in Polen und Tschechien ab 2021, so Eibensteiner am Dienstag.

Ohne Kompensation gebe es eine Doppelbelastung, weil der Strom, den die voestalpine zukaufe, ebenfalls bereits im Rahmen der ETS-Verpflichtungen der E-Wirtschaft mit einer CO2-Kostenkomponente belastet sei, argumentierte er. Die ETS-Erlöse seien derzeit nicht zweckgewidmet, eine Rückführung wäre eigentlich nötig – eine solche Möglichkeit sehe auch die EU vor. Als Volumen stellt sich Eibensteiner pro Jahr 20 bis 40 Mio. Euro als Refundierung vor, vergleiche man mit dem, was andere bekommen würden. In Deutschland zum Beispiel gebe es eine Kompensation im Ausmaß von 18 Prozent der zugekauften Zertifikate.

Dieses Geld könnte man dann für die geplante weitere Dekarbonisierung des voestalpine-Konzerns nutzen, sagte Eibensteiner. Man bekenne sich zu den CO2-Senkungszielen um 80 Prozent bis 2050 und davor um 43 Prozent bis 2030. Die extern festgelegten ETS-Ziele werde man erfüllen, auch wenn sie ambitioniert seien. Mit der neuen Regierung werde man auch die Umweltthemen zu diskutieren suchen.

„Wir haben keine Pläne, nach Polen zu gehen. Es hat nie Pläne gegeben, nach Polen zu gehen“, betonte der Voest-Chef – angesprochen auf diesbezügliche Äußerungen von ÖVP-Chef Sebastian Kurz in den „ORF-Sommergesprächen“ am Montagabend. Würden in Österreich die (Umwelt-) Standards nach oben geschraubt, könnte die Voest abwandern müssen, „nach Polen oder sonst wo hin“, hatte Kurz gemeint. „Und in Polen würden sie wahrscheinlich zu schlechteren Bedingungen produzieren“, hatte er hinzugefügt.

Eibensteiner betonte, die Stahlproduktion sei ein sehr CO2-intensiver Prozess, doch wolle man „nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sein“. Im Moment seien die technologischen Potenziale zur CO2-Einsparung in der Stahlherstellung aber fast ausgeschöpft, mit den aktuellen Prozessen sei nicht mehr möglich, sagte Eibensteiner, der den Konzern seit Anfang Juli als Nachfolger von Wolfgang Eder lenkt.

Die Break-through-Technologie für eine CO2-arme Stahlerzeugung fehle noch, sagte Eibensteiner. Doch arbeitet die Voest schon länger am Wasserstoff-Thema – Anfang Oktober sei wieder der Start eines Demo-Betriebs geplant. Wasserstoff sei jedoch nur eine sehr langfristige Lösungsmöglichkeit, da werde es auch Zwischenlösungen geben. So werde eine Umstellung wohl nur schrittweise erfolgen können, gab der CEO zu verstehen: Ein Teil der Hochofenroute werde bleiben, ein Teil werde auf Elektrostahl umgestellt werden.

Dann werde man sich ansehen, „ob die Wasserstoff-Technologien das bringen, was sie versprechen“. Wie heute aus Erdgas Wasserstoff zu gewinnen, sei „völlig unwirtschaftlich“, meinte Eibensteiner. Wirklich relevant werde Wasserstoff für die voestalpine wohl erst nach 2030/35 sein können, bis dahin werde man mit Zwischenlösungen das Auslangen finden müssen. „Ich rechne nicht damit, dass wir Wasserstoff in größerem Umfang vor 2035 einsetzen“, so der Chef des Konzerns, der als der größte CO2-Einzelemittent in Österreich gilt.

„Die Lösung“ für die Dekarbonisierung sei „grüner Strom“. Egal über welche Technologie man diskutiere, „grüner Strom ist der Schlüssel“. Der grüne Strom müsse aber in ausreichender Menge und über ein dafür gerüstetes Stromnetz zur Verfügung stehen. „Die Mengen, über die wir reden, die gibt es bei uns nicht“, bedauerte der voestalpine-Chef. Die Erneuerbaren Energien müssten billiger werden. APA