Status: Familienunternehmen

Markt / 03.10.2019 • 21:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Reinhard Prügl auf der Bühne der KMU-Preisverleihung im Messequartier Dornbirn.VN/Paulitsch
Reinhard Prügl auf der Bühne der KMU-Preisverleihung im Messequartier Dornbirn.VN/Paulitsch

Professor Reinhard Prügl weiß um deren spezielle Chancen und Herausforderungen.

Dornbirn Über 90 Prozent aller heimischen Betriebe sind in Familienhand und das ist ein zentraler Wettbewerbsvorteil, weiß Reinhard Prügl, Professor an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und wissenschaftlicher Leiter des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen.

„Als Familienunternehmen genießt man bei Kunden einen Vertrauensvorschuss und die Mitarbeiter haben eine stärkere Bindung und eine höhere Jobzufriedenheit“, so Prügl bei seinem Vortrag im Rahmen der KMU-Preisverleihung. Deshalb beobachte er derzeit den Trend, dass sich diese Betriebe verstärkt aus der Deckung wagen. „Zuvor haben es viele nicht aktiv kommuniziert oder sind davon ausgegangen, dass andere sowieso über den Umstand Bescheid wissen.“ Der Status Familienunternehmen zeige sich nun in Logos, in Stellenanzeigen oder in der Werbung und habe eine enorme Wirkung. Für Reinhard Prügl die spannendste Phase in Familienbetrieben ist dabei der Generationenwechsel. „Dieser wird oft als Herausforderung angesehen, aber in Wirklichkeit ist er eine große Chance für Veränderung.“ Auch weil eine Nachfolge normalerweise nur alle 25 bis 30 Jahre stattfinde. „Diese Phase muss man nutzen. Denn wenn beide Generationen am Werk sind, hat man eine doppelte Führungskapazität. Während der Senior das Tagesgeschäft leitet, kann der Junior beispielsweise ein neues Geschäftsfeld aufbauen“, weiß Prügl um den Vorteil einer klaren Aufgabenverteilung.

Ob eine Nachfolge zur Chance wird, hänge letztlich auch mit der Familie zusammen. „Zum Beispiel ob es da eine hohe Problemlösungskompetenz gibt und man die Übergabe offen angeht. Negativ sind hingegen Autoritätsstrukturen.“ Insgesamt sei es wichtig, rechtzeitig zu beginnen, sich mit der Nachfolge auseinanderzusetzen und eine Diskussionskultur zu schaffen. Dann könne man die tatsächliche Phase der Übergabe besser nutzen. „Es ist wesentlich, dass beide Generationen einen Plan vereinbaren und sich daran halten“, sagt Prügl, der dazu rät, dies entsprechend zu kommunizieren. An die Mitarbeiter genauso wie an Kunden und Partner. Denn bei einer Nachfolge würden gerade Beziehungen und Kontakte eine wichtige Rolle spielen.

Um Nachfolger auf ihre Aufgabe vorzubereiten, wird in Friedrichshafen übrigens auch der berufsbegleitende und europaweit einzigartige Masterstudiengang eMA FESH für familieninterne Nachfolger angeboten. „Neben den Impulsen aus der Forschung ist auch der Austausch mit anderen Nachfolgern sehr wichtig“, sagt Prügl und räumt noch mit einem Vorurteil auf. „Bei Familienbetrieben werden Tradition und Innovation oft als Gegensatz gesehen.“ Das sei jedoch nicht der Fall. „Familienbetriebe sind sehr geschickt darin, Tradition als Quelle für Innovation zu nutzen.“

„Als Familienunternehmen genießt man bei Kunden einen Vertrauensvorschuss.“

Zur Person

Prof. Dr. Reinhard Prügl

Professor Zeppelin Universität Friedrichshafen, wissenschaftlicher Leiter Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen

Ausbildung Studium internationale BWL an der WU Wien, Promotion

Laufbahn Wissenschaftl. Mitarbeiter Institut für Entrepreneurship und Innovation WU Wien; Forschungsaufenthalte am Massachusetts Institute of Technology und der Uni Innsbruck; seit 2010 in Friedrichshafen