„Kritik sehe ich als Chance“

Markt / 10.11.2019 • 18:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michelle Morik und Volksbank-Vorstandschef Gerhard Hamel. VN/paulitsch
Michelle Morik und Volksbank-Vorstandschef Gerhard Hamel. VN/paulitsch

Studie der Volksbank beleuchtet Lebenswelt von Selbstständigen wie Michelle Morik (Alpencamping).

Nenzing Wie ticken die heimischen Unternehmerinnen und Unternehmer? Was halten sie von der Frauenquote, wie sehen sie ihre Work-Life-Balance und wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Das beleuchtet die UnternehmerInnen-Studie der Volksbank, die gemeinsam mit dem Gallup-Institut österreichweit durchgeführt wurde.

Fakt ist, immer mehr Frauen gründen ein Unternehmen. 2018 lag der Frauenanteil bei den Neugründungen in Vorarlberg bei 48,8 Prozent. Während viele denken, dass Frauen ihr Unternehmen vor allem in klassischen Frauenbranchen gründen, entspricht das nicht ganz der Realität. „Rund ein Drittel der Gründerinnen sind im Industriesektor“, verweist Gerhard Hamel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Vorarlberg, auf einen überraschenden Aspekt.

„Braucht keine Regulierung“

Die Studie widmet sich unter anderem der Frauenquote. Ergebnis: Zwei Drittel der befragten Frauen sprechen sich dafür aus. Bei den Männern hält zumindest jeder Zweite eine Frauenquote für sinnvoll. Michelle Morik (29), ehemalige Skirennfahrerin und heute für das operative Geschäft im Familienbetrieb Alpencamp Nenzing zuständig, ist eine der Unternehmerinnen, die an der Befragung teilnahmem. Das mit der Frauenquote sieht sie aber anders. „Es braucht keine Regulierung. Denn ich glaube nicht, dass Zwang der richtige Weg ist. Je mehr Frauen sich selbst zutrauen, was früher nur Männer gemacht haben, desto größer wird der Frauenanteil werden.“ Was man als Unternehmerin aber brauche, sei eine gewisse Härte und Durchsetzungskraft. Sonst werde man schnell ausgenutzt.

Dass Michelle Morik eines Tages in den Familienbetrieb einsteigen würde, war ihr schon als Kind klar. Zunächst entschied sie sich aber für eine Karriere als Skirennfahrerin. Nach zwei Kreuzbandrissen quittierte sie 2015 den Leistungssport und widmet sich heute dem Campingbetrieb sowie dem Studium in Wien. Ihre Arbeit erfüllt sie, auch wenn ihre Arbeitstage oft 18 Stunden haben. Aber Work-Life-Balance hat für sie nichts mit Arbeitszeit oder Stunden zu tun. „Sondern damit, wie ausgeglichen ich bin“, sagt Morik.

Dabei ist es laut Studie so, dass vor allem die jüngeren Teilnehmer eher auf eine ausgewogene Work-Life-Balance achten. Im Schnitt konsumieren Befragte der Generation Y (24 – 38 Jahre) vier Tage mehr Urlaub im Jahr als Unternehmerinnen der Generation Babyboomer (54 – 63 Jahre). Auch bei ihren Mitarbeitern nimmt Morik den Wunsch nach Teilzeitarbeit verstärkt wahr. „Da muss man als Betrieb umdenken. Die Mitarbeiter sind unser wichtigster Faktor, deshalb kommen wir ihnen bezüglich Lohn und Arbeitszeit sehr entgegen.“ Auch in der Studie geben die Befragten der Generation Y mit 83 Prozent an, dass die Wertschätzung ihrer Mitarbeiter an oberster Stelle steht.

Hören statt lesen

Michelle Morik kümmert sich im Nenzinger Betrieb unter anderem um das Beschwerdemanagement. Zugute kommen ihr dabei die Werkzeuge aus dem Mentaltraining, die sie durch den Spitzensport gelernt hat. „Feedback ist wichtig“, sagt Morik. Sie hört gerne Kritik. „Ich lese es nur nicht gern. Deshalb ist es wichtig, vor Ort Feedback zuzulassen. Für frühere Generationen war Kritik etwas Negatives. Ich sehe es allerdings als Chance.“

Weniger positiv wird von den Befragten übrigens die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesehen. 70 Prozent denken, dass Kinder und Unternehmertum schwer zu vereinbaren sind. Das bestätigt auch Michelle Morik. „Deshalb ist es umso wichtiger, loszulassen und Verantwortung an Mitarbeiter abzugeben, die einen auch mal ersetzen können.“ VN-reh

Vorzeigeprojekt von Alpencamping Nenzing: Die Himmelchalets. Alpencamping
Vorzeigeprojekt von Alpencamping Nenzing: Die Himmelchalets. Alpencamping
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Vorzeigeprojekt von Alpencamping Nenzing: Die Himmelchalets. Alpencamping