Wieso in einer Stiftung unternehmerische Entscheidungen denkunmöglich sind

Markt / 06.12.2019 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine Stiftung bietet sich mehr für reines Geld- oder Immobilienvermögen an. ADOBE STOCK

Auf die Dauer von 100 Jahren kann man keine Einflussmöglichkeit erhalten.

Feldkirch Wer ein Unternehmen führt, der weiß, welche Risiken unternehmerische Entscheidungen oft bergen können. Für viele stellt sich gerade im Zuge einer Nachfolge die Frage, wie man Firmen bzw. Geld- oder Immobilienvermögen am besten erhält.

Lange Zeit galt die Privatstiftung als ideales Instrument, um ein Erbe über Generationen zu bewahren. Aber was ist dann mit der Entscheidungshoheit? Ist die Stiftung in einer Zeit der immer schnelleren Veränderungen das richtige Mittel? Gerade wenn es um ein Unternehmen geht und eine gewisse Flexibilität gefragt ist?

Der Stiftungsboom sei zu Ende, sagt der Feldkircher Notar Dr. Richard Forster (Notariat Götze & Forster). Denn vermehrt würde man auch die Nachteile erkennen. Vor allem, wenn es um Unternehmen und um die entsprechende Einflussnahme geht. „In einer Stiftung unternehmerische Entscheidungen wie ein Unternehmer zu treffen ist denkunmöglich“, sagt Forster im VN-Gespräch. Das liege vor allem an der rechtlichen Haftung des Stiftungsvorstandes. „Allein deswegen muss er konservativ beziehungsweise dosierter agieren und kann kein Risiko eingehen.“ Vor dem Hintergrund, dass Stiftungen oft für 100 Jahre gegründet werden, könne man sich auf diese gesamte Dauer keine Einflussmöglichkeit erhalten, sagt der Notar. Da nutze letztlich auch ein Beirat oder eine Begünstigtenversammlung nichts. Zwar könne man sich dadurch gewisse Regelungen vorbehalten, aber niemals in einer Form wie in einem Unternehmen üblich.

Auch wenn man sich als Stifter einen Widerruf vorbehält, um gegebenenfalls die Notbremse zu ziehen, könne das zu spät sein. Denn bis ein Stiftungsvorstand ausgetauscht ist, seien Entscheidungen oft schon getroffen worden.

Zudem hat ein Widerrufsrecht auch erbrechtliche Auswirkungen. „Früher konnte man durch eine Stiftung Kinder vom Pflichtteil wegbekommen. Dieses Gesetz hat sich jedoch geändert“, informiert Forster. Heute könne man mit einer Stiftung den Pflichtteil nicht mehr umgehen, außer man verzichte auf ein Widerrufs- bzw. Änderungsrecht. Aber dann habe der Stifter wiederum keinen Einfluss mehr.

Schnelllebigkeit

„Eine Stiftung macht Sinn, wenn es um reines Immobilien- oder Barvermögen geht und man nicht will, dass die Erben es verprassen“, sagt Forster. Bei Unternehmen sei das anders. Gerade wenn es um Branchen gehe, die einer extremen Schnelllebigkeit ausgesetzt sind. „Aber auch Branchen, die früher als statisch galten, sind heute im Wandel“, sagt der Notar. Eine Stiftungsurkunde zeitlich zu limitieren, mache ebenfalls wenig Sinn, außer wenn es sich um reines Immobilienvermögen handle. Zudem biete eine Stiftung auch steuerlich kaum mehr Vorteile.