Asylwerbende: Unterm Strich ein wirtschaftliches Plus

Markt / 10.01.2020 • 17:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Integration am Arbeitsplatz funktioniert, wie die Beschäftigung Asylberechtiger, wie dieser syrische Flüchtling bei der Firma Collini in Hohenems, zeigt. <span class="copyright">Fa </span>
Integration am Arbeitsplatz funktioniert, wie die Beschäftigung Asylberechtiger, wie dieser syrische Flüchtling bei der Firma Collini in Hohenems, zeigt. Fa

Studie wertet ökonomische Effekte von Asylwerbenden und -berechtigten im Land aus.

Bregenz Mit Flüchtlingen schlägt man nicht nur in Österreich Wahlen. Wer die Fluchtwege möglichst gut verbaut, wer die Anforderungen so gut wie möglich hochschraubt und die eine oder andere Meldung über hohe Leistungen ins Netz sickern lässt, kann sich des Applauses sicher sein. Umgekehrt ist das Thema genauso emotionalisiert, mit allerdings humaneren Folgen. Deshalb kann es nicht schaden, dachten sich die Vorarlberger Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker und das Arbeitsmarktservice Vorarberg (AMS), einen sachlichen Beitrag zu leisten. Sie beauftragten die in Innsbruck beheimatete Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung (WAW) mit einer Studie zu den „ökonomischen Effekten von Asylwerbenden und Asyberechtigten in Vorarlberg“.

Gesamtwirtschaftlich positiv

Am Freitag präsentierte der Autor der Studie, Stefan Haigner, zusammen mit Wiesflecker und AMS-Chef Bernhard Bereuter das Ergebnis und kam zum Schluss, dass die Integration von asylberechtigten Menschen in den Arbeitsmarkt in Vorarlberg erstens gut funktioniert und sich in der Folge auch gesamtwirtschaftlich durchaus positiv auswirkt. Untersucht wurde der Zeitraum von 2004 bis 2018, abgerechnet wurde akribisch. Alle Leistungen der öffentlichen Hand selbstverständlich, aber auch die Steuerleistungen und z. B. die Konsumausgaben der Asylwerber und -berechtigten, also auch die Steuern, die wieder zurückfließen ans Gastgeberland.

Ab dem siebten Jahr des Aufenthalts übersteigt die jährliche Summe an abgeführten Abgaben (Sozialversicherungsbeiträge, Lohnnebenkosten, Steuern) die jährliche Summe an erhaltenen Transfers (Grundsicherung, Mindestsicherung, Arbeitslosengeld). Allerdings beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Asylwerbenden und -berechtigten nur 5,9 Jahre. Dadurch ergibt sich ein negativer Saldo,im Schnitt sind die Transfers pro Person um 195,7 Euro höher als die abgeführten Abgaben. Allerdings haben die Konsumausgaben der Asylanten im Untersuchungszeitraum zu einem zusätzlichen jährlichen Bruttoregionalprodukt von 28 Millionen Euro geführt. Diese Effekte können ursächlich auf die Konsumnachfrage dieser Gruppe zurückgeführt werden. Sie wären nicht entstanden, wenn es eine geringere oder keine Zuwanderung von Asylwerbenden nach Vorarlberg gegeben hätte, so Studienautor Haigner. Wiesflecker und Bereuter sehen durch die Studie den Vorarlberger Weg der Integration bestätigt und kündigten weitere Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen in den Vorarlberger Arbeitsmarkt an, etwa ein Projekt, das auch Menschen, die sich mit Sprachenlernen schwer tun, ins Arbeitsleben integriert.

Ökonomische Effekte

1,2 Millionen Euro beträgt der monatliche Aufwand für Mindestsicherungsleistungen für Flüchtlinge momentan. Die höchsten Ausgaben wurden im Mai 2017 mit 1,9 Millionen Euro verzeichnet. Seither nimmt der Aufwand kontinulierlich ab. 2950 Konvetionsflüchtlinge und subsidär Schutzberechtige erhielten im Herbst diese Leistungen.

28 Millionen Euro zusätzliches Bruttoregionalprodukt sind den Konsumausgaben der Asylwerbenden und -berechtigten in Vorarlberg zuzurechnen, so die Innsbrucker Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung. Die Konsumausgaben dieser Menschen führen zu einer zusätzlichen Beschäftigung von 197 Jahres-Vollzeitäquivalenten.

2462 Menschen aus den Ländern Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Russische Föderation und Somalia sind derzeit in Vorarlberg beschäftigt. Jährlich nimmt die Zahl um rund 500 Personen zu. Beim AMS waren Ende November 2019 973 Flüchtlinge als arbeitssuchend vorgemerkt, fast 80 Prozent dieser Personen haben maximal die Pflichtschule besucht.