Preise bei Bodenaushub-Deponien steigen immer weiter

Markt / 21.01.2020 • 19:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorarlberg erlebt einen regelrechten Bauboom. Doch der Bodenaushub muss irgendwo deponiert werden. VN

Altach erhöht Kubikmeterpreis um 29 Prozent. Die Gründe für die landesweiten Preisanstiege sind vielfältig.

VN Redaktion

Bregenz Die rege Bautätigkeit in Vorarlberg treibt in vielen damit zusammenhängenden Bereichen die Preise immer weiter nach oben. Das gilt etwa auch für die Preise bzw. Gebühren für nicht verunreinigten Bodenaushub, der auf bewilligten Deponien gelagert werden muss.

Nur ein Beispiel ist die Deponie der Gemeinde Altach. Dort wurden die Gebühren im Jänner 2020 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 18,6 Prozent auf 23 Euro netto pro Kubikmeter erhöht. Ab 1. Juli 2020 beläuft sich die Gebühr dann auf 25,00 Euro, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von fast 29 Prozent entspricht. „Dieser Preis richtet sich nach dem Markt, er ist vertretbar“, erklärt Bürgermeister Gottfried Brändle. Aufgrund der Deponiesituation in Vorarlberg renne man der Deponie Altach nämlich „von überall her die Türen ein“.

Auch Vertreter der Bauwirtschaft stimmen der Aussage zu, wonach die Preise für Bodenaushub immer weiter steigen. „Es ist eine Kombination aus Verkehrsproblemen rund um die Deponien, immer noch mehr Bodenaushub wegen der boomenden Bauwirtschaft und immer voller werdenden Deponien, die langsam an ihre Grenzen kommen“, so Franz Kopf, Innungsmeister des Bauhilfsgewerbes. Dazu komme eine geografisch ungünstige Verteilung der rund 30 Deponien. „Wir haben zu wenig gut verteilte Kapazitäten im Land“, so Kopf.

Bodenaushub nach Deutschland

Darum werde nach wie vor ein großer Teil des Bodenaushubs mitunter bis zu 100 Kilometer weit nach Deutschland transportiert und dort deponiert. In der Baubranche ist die Rede von 30 Prozent und mehr. Gleichzeitig dürfe etwa der insbesondere im Rheintal vorkommende Torf im Bodenaushub ab einem bestimmten Anteil in Vorarlberg gar nicht deponiert werden und müsse mit dem Zug etwa nach Oberösterreich transportiert werden.

Deponiebetreiber Zech Kies im Oberland etwa nimmt nach Angaben von Geschäftsführer Christof Wirth derzeit Bodenaushub nur noch von Kunden an, die im Gegenzug Kies und Beton kaufen. „Die Situation in Vorarlberg ist prekär. Die Deponien kommen an ihre Kapazitätsgrenzen, und neue, noch zu bewilligende Deponien sind kaum in Sicht“, so Wirth. Deshalb würden die Preise zukünftig noch viel stärker steigen. 

Rechtsstreitigkeiten mit Finanz

Dass die Deponiebetreiber bei der Annahme von Bodenaushub derzeit auf der Bremse stehen, hat aber noch einen anderen Grund. Denn gleich mehrere Deponiebetreiber in Vorarlberg befinden sich in einem Rechtsstreit mit der Finanz. Dabei geht es um die Berechnung von Deponiegebühren im Rahmen des Altlastensanierungsgesetzes (ALSAG). Die Deponien im Land seien nämlich gerade im Vorjahr vom dafür zuständigen Zoll verstärkt dahingehend überprüft worden, heißt es bei betroffenen Unternehmen. In der Folge habe es für mehrere Betriebe mitunter massive Nachzahlungen gegeben. In der Baubranche machen Informationen die Runde, wonach Vorarlberger Deponiebetreiber Nachzahlungen in Höhe von bis zu 200.000 Euro zu leisten haben. In einem Extremfall geht es sogar um sechs Millionen Euro. Das Problem seien hier vor allem unterschiedliche Rechtsansichten zwischen Finanz/Zoll und den für die Bewilligung zuständigen Behörden wie den Bezirkshauptmannschaften, meint Alexander Stroppa, stellvertretender Innungsmeister der Bauinnung und Geschäftsführer von Hilti & Jehle. Denn alle vom Zoll hinsichtlich ALSAG kontrollierten Deponien, die Nachzahlungen leisten müssen, seien seit Jahren bekannt, von den Behörden bewilligt und vom Land kontrolliert. Solange man keine Klarheit habe, werde man sich hüten und im Zweifelsfall keinen Bodenaushub mehr annehmen.