33,3 Kilo Zucker pro Jahr

Markt / 28.01.2020 • 22:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Spar-Chef Gerhard Drexel (l.) und der Vorarlberger Mediziner Markus Metka warnen vor dem übermäßigen Zuckerkonsum der Österreicher. SPAR/Johannes Brunnbauer
Spar-Chef Gerhard Drexel (l.) und der Vorarlberger Mediziner Markus Metka warnen vor dem übermäßigen Zuckerkonsum der Österreicher. SPAR/Johannes Brunnbauer

Spar-Allianz gegen zu viel Zucker. Ärzte warnen: Fettleibigkeit könnte Epidemie werden.

Wien 91 Gramm Zucker nimmt der Durchschnittsösterreicher täglich zu sich. Das ist zu viel, sind sich Experten einig. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt gerade einmal ein Viertel davon, erklärt Mediziner Markus Metka. Der gebürtige Vorarlberger zählt zu den Unterstützern der „Allianz gegen zu viel Zucker“, die von Spar ins Leben gerufen wurde. Am Dienstag lud der Vorstandsvorsitzende des Handelskonzerns, Gerhard Drexel, zum zweiten Zuckergipfel.

Mittlerweile hat die Allianz 38 Verbündete. Dazu zählt unter anderem  Rauch Fruchtsäfte, die Österreichische Diabetes Gesellschaft und die Ärztekammer. Dank der Initiative sei der Zuckergehalt in zahlreichen Produkten österreichweit um 6700 Tonnen reduziert worden, 1000 Tonnen davon alleine in Spar-Eigenmarken, wie Drexel berichtet. Bis Ende 2021 will er alleine bei seinen Eigenmarken weitere 2000 Tonnen einsparen.

Epidemie des 21. Jahrhunderts

Übergewicht und Fettleibigkeit könnte zu einer Epidemie des 21. Jahrhunderts werden, sagt Internist Friedrich Hoppichler beim Zuckergipfel. Es seien bereits 41 Prozent der 19- bis 65-jährigen Österreicher davon betroffen. „Das sind rund 2,3 Millionen Menschen.“ Primar Christian Datz warnt in diesem Zusammenhang vor der nichtalkoholischen Fettleber. Sie gelte als eine der bedeutendsten Zivilisationskrankheiten und könne zu besorgniserregenden Folgeerkrankungen führen: Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs.

Bessere Prävention

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres fordert von der Politik mehr Geld für Prävention: „In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder weltweit verzehnfacht. In Österreich betrifft das mittlerweile rund ein Viertel der Schulkinder.“

Ob eine Zuckersteuer helfen würde? Die Experten bezweifeln das. Drexel bezeichnet eine solche Abgabe, wie sie es in Großbritannien seit zwei Jahren gibt, als Symbolpolitik. Getränkehersteller hätten zwar Zucker reduziert, aber durch Süßstoffe ersetzt. Internist Hoppichler bestätigt: „Es ist leider nur Alibi.“ Das Risiko von Erkrankungen durch Süßstoffe in Getränken sei mindestens genauso hoch, wenn nicht höher wie bei Getränken mit einem hohen Zuckergehalt.

„Kein erhobener Zeigefinger“

Lebensmittel sollen nicht krank machen, bekräftigt Spar-Chef Drexel. Daher bekenne er sich wie auch seine Bündnispartner zur Zuckerreduktion. Spar wolle Bewusstsein schaffen und die Konsumenten ohne erhobenen Zeigefinger in die richtige Richtung stupsen. Wichtig sei außerdem, dass Zucker tatsächlich reduziert und nicht durch Süßstoffe ersetzt werde.

Damit entspreche man auch dem Wunsch der Österreicher, fühlt sich Drexel von einer aktuellen Umfrage des Instituts Marketagent bestätigt. „Die Österreicher wünschen sich weitere Zuckerreduktion, auch wenn das Produkt dadurch vielleicht anders schmeckt“, erklärt Meinungsforscherin Lisa Patek. In erster Linie wollen sie weniger Zucker in Getränken, im Joghurt, in Müsli und in Fertiggerichten. Insgesamt haben sich sieben von zehn Befragten vorgenommen, ihren Zuckerkonsum einzuschränken. 92 Prozent glauben, dass sie weniger als 91 Gramm Zucker pro Tag zu sich nehmen. Das heißt laut Patek: Fast alle Österreicher unterschätzen ihren eigenen Zuckerkonsum um ein Vielfaches. Bekanntlich beträgt er im Durchschnitt 91 Gramm pro Tag. Das sind 33,3 Kilogramm pro Jahr. VN-ebi