„Wettbewerb um Techniker ist extrem“

Markt / 30.01.2020 • 18:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei der Jobmesse wurde mit 115 Ausstellern ein neuer Rekord erzielt. VN/Steurer
Bei der Jobmesse wurde mit 115 Ausstellern ein neuer Rekord erzielt. VN/Steurer

Analyse sieht Höhepunkt bei Fachkräftemangel erreicht. Nicht so bei technischen Qualifikationen.

Dornbirn Dass in Vorarlberg quer durch alle Branchen ein Mangel an Fachkräften herrscht, ist nicht mehr wegzudiskutieren. Dabei stellt sich die Frage, ist der Höhepunkt bereits erreicht oder wird es noch extremer?

Ein guter Gradmesser dafür ist die jährlich stattfindende Jobmesse an der Fachhochschule. Dort zeigten vergangene Woche 115 Unternehmen ihr Leistungsspektrum und offerierten dabei ihre offenen Stellen. Die Industriellenvereinigung Vorarlberg hat nun die Jobprofile und Jobangebote der anwesenden Betriebe genau unter die Lupe genommen und analysiert. Das Ergebnis spiegle die Stimmung in der Praxis bei den Unternehmen sehr gut wider. „Der Fachkräftemangel ist nach wie vor bei vielen Betrieben eine große Herausforderung, der Höhepunkt wurde quantitativ allerdings überschritten“, sagt Geschäftsführer Mathias Burtscher. Die Zahl der Aussteller auf der Jobmesse bedeutete zwar einen neuen Rekord. Doch die Unternehmen boten in diesem Jahr insgesamt weniger Jobs an als noch im Jahr zuvor. Waren es 2019 2400 offene Stellen, zählte man heuer rund 2000.

Technische Qualifikationen

Allerdings, so Burtscher, sei der Wettbewerb um Mitarbeiter mit bestimmten, insbesondere technischen, Qualifikationen extrem. Denn gefragt nach den Einsatzbereichen, in denen neue Mitarbeiter gesucht werden, fielen 29 Prozent der Nennungen in klassisch technische Bereiche, wie Produktion, Fertigung, Montage, CNC, Engineering, Mechatronik, Konstrukteur, Robotik oder Elektronik. Einen Anstieg bei den Nennungen gibt es bei Qualifikationen mit IT-Hintergrund, also Programmierung, Big Data, SAP, Software, Hardware und Datenbanken. 20 Prozent der Jobprofile kommen aus diesem Bereich. Einen Anstieg auf elf Prozent gibt es auch im Bereich Forschung & Entwicklung im weiteren Sinn. Nachgelassen habe hingegen die Nachfrage nach klassischen kaufmännischen Berufen, wie Controller, Steuerberater oder Buchhalter (2020: 14 %, 2019: 12 %).

Schaue man sich die Auswertung der Jobmessen der vergangenen fünf Jahre an, so Burtscher, sehe man einen klaren Trend. „Bereits 60 Prozent aller Jobs werden in den Bereichen Technik, IT und F&E gesehen. Jedes Jahr steigt dieser Anteil sukzessive. Immer mehr Betriebe suchen die gleichen Fähigkeiten von Mitarbeitern, der Wettbewerb ist extrem.“

Von Kindesbeinen an

Daher gelte es, dem mit Maßnahmen zu begegnen. So müsse die schulische Ausbildung in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik von Kindesbeinen an forciert werden. Zudem gebe es ein großes Potenzial von noch nicht berufstätigen Frauen, das bei Weitem noch nicht abgeschöpft sei. „Und dann müssen wir auch ehrlich sein, dass wir im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte nur eine Chance haben werden, wenn Vorarlberg als Kombination aus Wirtschaftsraum und attraktivem Lebensraum noch stärker zu strahlen beginnt.“ Deshalb gelte es, bei der Marke Vorarlberg in die Umsetzung zu kommen. VN-reh

„Immer mehr Betriebe suchen die gleichen Fähigkeiten bei Mitarbeitern.“

Einsatzbereiche

29 Prozent Technik/Produktion/Fertigung/Montage/CNC/ICT/ Engineering/Mechatronik/Konstrukteur/Robotik/Elektronik
20 Prozent IT/Software/Hardware/Programmierer/Big Data/ SAP/Datenbank/Prozesse

12 Prozent kaufm. Berufe/Steuerberater/Controlling/Buchhaltung
11 Prozent Forschung/Entwicklung/Produktmanagement
9 Prozent Vertrieb/Verkauf

5 Prozent Projektmanagement/Prozessmanagement/Business Developement/Automatisierungstechnik
5 Prozent Soziales/Gesundheit/Pflege
3 Prozent Logistik

3 Prozent Marketing/Kommunikation/Redaktion/Grafik
2 Prozent Einkauf
2 Prozent Sonstiges (Energie/Jurist/Verwaltung/HR)