„Herzvorsorge zum Anziehen“

Unternehmer und KI-Experte Rajat Khare zu Smart Textile und dem Standort Vorarlberg.
Lustenau, Luxemburg Mitten in der Coronazeit hat der Lustenauer Textil-Vordenker Günter Grabher 2020 mit dem indischen Unternehmer und Experten in Sachen Künstliche Intelligenz, Rajat Khare, das Joint Venture „24 sens“ mit Sitz in Lustenau gegründet. Khare ist Gründer des in Luxemburg ansässigen Next-Gen-Technologiefonds Boundary Holding. Was sich der weltweit tätige Unternehmer von der Zusammenarbeit mit der Grabher Group erwartet, erzählt er im Gespräch.
Herr Khare, Sie haben mit Günter Grabher das Joint Venture 24sens gegründet. Seither hat man nicht mehr viel gehört. Wie geht es weiter?
Khare Mit der ISO-Zertifizierung hat 24sens die Grundlage geschaffen, um als Entwickler, Hersteller und Vertreiber von aktiven Medizinprodukten für die Kardiologie tätig zu sein. Die Produktzertifizierung im Sinne der neuen Medizinprodukteverordnung ist für Anfang 2022 geplant. Medizinprodukte werden schließlich am Menschen eingesetzt. Daher ist es selbstverständlich, dass sie hohe Erwartungen in Bezug auf Sicherheit erfüllen müssen. Als ISO-13485-zertifiziertes Unternehmen haben wir nun alle Voraussetzungen für einen internationalen Markteintritt.
Welche Erwartungen setzen Sie in diese Zusammenarbeit?
Khare Das neue Produkt soll gezielt in der Medizintechnik Anwendung finden, insbesondere bei der Prävention von Schlaganfall- und Herzinfarkt-gefährdeten Patienten. Dies hat einen mehrfachen unmittelbaren Nutzen für die Betroffenen: Eine durchgehende Aufzeichnung der Herztätigkeit ermöglicht dem Arzt eine Diagnose unabhängig vom Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden. Das ist mit einer herkömmlichen EKG-Untersuchung oder über Kurzzeitmessungen über mobile Geräte nicht möglich. Der Bedarf an einem mobilen Gerät, das mit seiner textilen Sensorik auch für Patienten angenehm zu tragen ist, ist aus ärztlicher Sicht sehr hoch. Außerdem stellt die Entwicklung eines textilen Sensorsystems eine völlig neue Form der Mensch-Maschine-Interaktion dar.
Sie sind Eigentümer der Boundary Holding. Sie gelten als IT-Experte und KI-Enthusiast. Können Sie uns etwas über Ihre unternehmerischen Aktivitäten erzählen?
Khare Die Boundary Holding unterstützt Technologien, die die 4. industrielle Revolution ermöglichen. Was heißt das? Die Industrie 4.0 bezeichnet die intelligente Vernetzung von Maschinen und Abläufen in der Industrie mithilfe unterschiedlichster Technologien. Wir interessieren uns für Unternehmen mit einem umfangreichen Netzwerk und einer profitablen Geschäftsentwicklung. Das sehe ich bei 24sens. Die Verbindung aus dem Smart-Textile-Know-how von Günter Grabher und meiner Expertise im Bereich der Künstlichen Intelligenz ergänzen sich perfekt.
Wie fanden Sie zu Grabher, wie beurteilen Sie die innovative Leistung des Lustenauer Unternehmens?
Khare Grabher und seine Smart- Textiles-Aktivitäten sind mir schon lange bekannt. Wir bewegen uns ja beide in derselben internationalen Community, in der sich KI- und Technologie-Experten austauschen. Ein außergewöhnlicher Erfinder und kompromissloser Vordenker wie Günter Grabher fällt da natürlich auf. So war es naheliegend, dass man die Expertisen und Interessen bündelt.
Sie kooperieren mit dem Zentrum für Medizinische Physik der Meduni Wien.
Khare Wir konnten gerade im Rahmen des FFG-Innovationschecks unser Produkt umfangreich überprüfen lassen. Dieses Wissenschaftszentrum ist der anerkannte Partner, wenn es um fortschrittliche Technologieentwicklung in der medizinischen Diagnose und Therapie geht. Diese Kooperation ist für uns ausgesprochen wertvoll. Dadurch haben wir die Chance, dass unser Produkt auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau geprüft wird.
Wie groß schätzen Sie den Markt in diesem Segment ein?
Khare Wer die internationale Entwicklung in diesem Bereich beobachtet, weiß, dass eine auf KI-basierende Software zur Aufzeichnung von Herzaktivitäten in Kombination mit Smart Textile die Lösung sein kann – „Herzvorsorge zum Anziehen“ sozusagen.
Forschung in Vorarlberg, die Produktion ebenfalls? Ist Vorarlberg international konkurrenzfähig?
Khare Wir sind überzeugt vom Produktionsstandort Vorarlberg. Bis 2025 sollen rund 4,5 Mill. Euro in das Unternehmen inklusive Forschung und Innovation investiert werden. Es war mein ausdrücklicher Wunsch, in Österreich zu produzieren. Ich schätze Österreich und besonders Vorarlberg schon lange, nicht nur weil es ein starker und interessanter wirtschaftlicher Standort ist. Hier verfügt man über das nötige wissenschaftliche und technologische Know-how, die Weltoffenheit, und die Umwelt ist intakt. Auf dieses große Potenzial möchten wir bauen und uns weiterentwickeln. VN-sca